Schüler übertönen Schusswechsel mit Gesang

Er wollte seine Schüler ablenken. Also hat Roberto Ferreira zur Gitarre gegriffen. Während auf den Straßen vor der Schule ein Schusswechsel zwischen Polizei und Drogenhändlern tobte, haben die Jungen und Mädchen mit ihrem Lehrer auf dem Gang zwischen den Klassenzimmern für eine bessere Welt gesungen und die traurige Realität um sie herum vergessen.

Geschehen ist das Ganze in der Favela Três Pontes in Paciência in Rio de Janeiro. Paciência bedeutet übersetzt so viel wie Geduld. Die ist in vielen der Favelas Rio de Janeiros bitter nötig. Roberto Ferreira hat allerdings nicht lange gewartet.

Als vor dem Gebäude die ersten Schüsse gefallen sind, hat er die Schüler im Gang zwischen den Klassenräumen in Sicherheit gebracht, sich auf einen Stuhl gesetzt und angefangen auf seiner Gitarre zu spielen.

Dutzende Jungen und Mädchen haben auf dem Boden sitzend sofort eingestimmt, mitgesungen und sich im Rhythmus bewegt. Vom Schusswechsel haben sie auf diese Weise nicht viel mitbekommen.

Er wollte einfach nur Panik vermeiden, sagte Ferreira später in einem Interview. Schließlich würden sich die Kinder um ihre Mütter, Väter und Freunde außerhalb der Schule sorgen. Über eine halbe Stunde dauerte das Gefecht und Ferreira spielte und spielte.

Das Ganze wurde gefilmt und gelangte in die Hände des Bildungssekretärs von Rio de Janeiro. Der hat das Video online gestellt und spricht von einem Helden der Kraft gibt. In den sozialen Netzwerken ist das singende Klassenzimmer zum Hit geworden.

Roberto Ferreira selbst, zeigt sich bescheiden. Wichtig war für ihn einfach nur, seine Schüler zu beschützen. Bewahrt hat er sie mit der Kraft der Musik vor einem weiteren traumatischen Erlebnis. Lang anhaltende Schusswechsel, die an Kriegssituationen erinnen, sind indes in vielen der Favelas Brasiliens keine Seltenheit.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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