Brasilien lässt als 1. Land der Welt transgenen Eukalyptus zum Anbau zu

Eucalyptus woodIn Brasilien kann künftig genmanipulierter Eukalyptus kommerziell angebaut werden. Die technische Kommission für Bio-Sicherheit (CTNBio) hat am Donnerstag (9.) einem entsprechenden Antrag zugestimmt. Sollte es innerhalb eines Monats keine Einsprüche gegen die Entscheidung geben, steht der Pflanzung des GV-Eukalyptus H421 nichts mehr im Wege. Kritik gibt es allerdings von Umwelt- und Sozialverbänden sowie aus den Reihen der Wissenschaftler.

Mit 18 zu drei Stimmen hat die Kommission wie erwartet, dem Antrag der FuturaGene Brasil Tecnologia zugestimmt. Das Unternehmen gehört zu Suzano Papel e Celulose, dem weltweit zweitgrößten Produzenten von Zellulose. Freigegeben wurde der Anbau für Eucalyptus spp. L., der mit einem Gen aus der in Europa natürlich vorkommenden Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) ausgestattet wurde.

Der sogenannte H421 soll schneller als herkömmliche Eukalyptusbäume wachsen und um 20 Prozent produktiver sein. Während konventioneller Eukalyptus nach sieben Jahren erntereif ist, soll die genmanipulierte Sorte schon nach fünf bis 5,5 Jahren geschlagen werden können. Laut FuturaGene kann die Industrie mit seinem Anbau bei der Holzproduktion Anbauflächen einsparen, ohne dabei an Produktivität zu verlieren. Sie spricht deshalb davon, dass durch den GV-Eukalyptus die Nachhaltigkeit garantiert werde.

Von Umwelt- und Sozialverbänden hat es im Vorfeld hingegen starke Kritik und Proteste gegeben. Selbst etliche Wissenschaftler haben sich bei der öffentlichen Anhörung im September gegen eine Freigabe ausgesprochen. Sie haben kritisiert, dass notwendige Freilandstudien nicht abgeschlossen seien. Auch aus den Reihen der Kommission wird auf mögliche Probleme durch den Anbau des GV-Eukalyptus verwiesen.

Dieser soll einen höheren Wasserverbrauch als seine herkömmlichen Verwandten aufweisen. Befürchtet wird zudem eine Verunreinigung des Honigs und möglicherweise schädliche Folgen für die Gesundheit durch den Verzehr des Honigs. Etwa 30 Prozent des Honigs stammen nach Angaben der Imkerverbände von den Blüten der Eukalyptusbäume. Imkerverbände bangen, dass ihnen das Öko-Siegel durch mögliche Verunreinigungen aberkannt wird.

Negative Auswirkungen auf die Umwelt und Gesundheit werden auch durch den Einsatz von Agrochemikalien erwartet, der beim Eukalyptusanbau üblich ist. Verwendet wird dabei unter anderem Sulfuramid, das in Verdacht steht Krebs zu erregen. Befürchtet wird, dass es mit dem H421 zu einem erhöhten Einsatz dieses umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffes kommen könnte.

Fraglich ist ebenso, wie die Produkte aus dem gentechnisch veränderten Eukalyptus vermarktet werden können. Fast alle großen, internationalen Zellulose- und Papierhändler setzen das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) voraus. Die internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Bonn schließt für das grüne Siegel bisher jedoch Holz von gentechnisch veränderten Bäumen aus.

Die Freigabe des H421 kann weitere Zulassungen von GV-Eukalyptus nach sich ziehen. Feldversuche gibt es in Brasilien seit 1999 auch mit genmanipulierten Eukalyptusbäumen, die weniger Lignin einlagern, was die Produktion von Zellulose erleichtert. Andere sollen eine Toleranz gegenüber Trockenheit aufweisen.

Anders als in europäischen Ländern gibt es in Brasilien in Sachen Gentechnologie nur wenige Vorbehalte. Schon jetzt ist das südamerikanische Land weltweit der zweitgrößte Anbauer von transgenen Kulturen wie GV-Soja, GV-Mais und GV-Baumwolle. Um die Verbreitung von Dengue-Fieber einzuschränken wurden zudem bereits genmanipulierte Tigermücken ausgesetzt, die sich nicht vermehren können und somit den Bestand der Mücken verringern sollen, durch die unter anderem Dengue übertragen wird.

Noch besteht die Möglichkeit, in den kommenden 30 Tagen gegen die Entscheidung der CTNBio beim nationalen Rat für Biosicherheit (CNBS) Einspruch einzulegen. Erst wenn diese die Einsrpüche abgewogen hat und grünes Licht gibt, kann der H421 tatsächlich vermarktet werden.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes · Bildquelle: Fotolia.de

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