Sechs Monate nach Dammbruch sorgt Schlamm für gigantische Staubwolke

Sechs Monate nach dem Dammbruch eines Rückhaltebeckens aus dem Eisenerzabbau im brasilianischen Munizip Mariana sorgt der Abraumschlamm immer noch für Probleme. Jetzt macht der eingetrocknete Schlamm den Bewohnern von Barra Longa in Form einer ständigen Staubwolke zu schaffen. Das ist allerdings nur eins der vielen Probleme, die Monate nach der Katastrophe vom 5. November noch ungelöst sind.

Staudammbruch in Mariana (MG), Distrito de Bento Rodrigues - Foto: Antonio Cruz/Agência Brasil
Staudammbruch in Mariana (MG), Distrito de Bento Rodrigues – Foto: Antonio Cruz/Agência Brasil

Während Bund, Staat und die Betreiberfirma Samarco mittlerweile eine Vereinbarung über Entschädigungs- und Ausgleichszahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe getroffen haben, leiden tausende Menschen nach wie vor an den Folgen des Dammbruchs, bei dem sich 55 Millionen Tonnen Schlamm in das unterhalb liegende Tal und den Rio Doce ergossen haben, 19 Menschen ums Leben kamen, ein Dorf gänzlich unter den Schlammassen begraben und 700 Kilometer Fluss zerstört wurden.

Die 600 Bewohner des völlig zerstörten Dorfes Bento Rodrigues sind inzwischen zum Großteil in angemieteten Häusern untergebracht. Gleiches gilt für die Mehrzahl der Menschen des Dorfes Paracatu de Baixo. Noch offen ist indes, wann sie endlich wieder in eigene Häuser ziehen können und wo ihre Dörfer wieder aufgebaut werden sollen.

Nachdem versucht wurde, die bis zu drei Meter hohen Schlammassen zumindest teilweise zu beseitigen, zeigt sich in Barra Longa ein weiteres Problem. Der Schlamm in und um den 6.000 Einwohner zählenden Ort ist längst getrocknet und wird durch den Wind durch kleinste Ritzen in die Häuser getragen. Berichtet wird von Staubwolken in einem Umkreis von 100 Kilometern.

Probleme gibt es ebenso an dem unterhalb der Bruchstelle liegenden Wasserkraftwerkes. Der Staudamm sei auf das Gewicht der Wassermenge ausgelegt worden und nicht auf das höhere Gewicht von Schlamm, heißt es. Um eine weitere Katastrophe zu vermeiden, müsste der Stausee von den Ablagerungen befreit werden. Das Boot zur Ausbaggerung der Anlage steckt jedoch unweit vom Stausee entfernt im Schlamm fest.

Währenddessen hat das Staatsministerium des Bundesstaates Minas Gerais die Führung und den Ex-Präsidenten der Samarco wegen krimineller Vereinigung und Unterlassung angezeigt. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem, die Untersuchungen zu den Ursachen des Dammbruches behindert und einen weiteren Dammbruch im Januar verheimlicht zu haben.

Gegen sechs der angezeigten Führungskräfte wird zudem wegen Mordverdacht und Umweltverbrechen ermittelt. Die zur brasilianischen Vale und der australisch-britischen BHP-Billiton gehörende Samarco versucht indes, ihren Betrieb wieder aufzunehmen und streitet die Vorwürfe ab.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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