Ein faszinierendes Naturphänomen, das als Cauliflorie bekannt ist, begünstigt die Verbreitung der Samen und die Bestäubung der brasilianischen Frucht.

Wer jemals einen Jabuticaba-Baum voller Früchte betrachtet hat, dürfte sich gefragt haben, warum diese Früchte im Gegensatz zu anderen Obstbäumen nicht an den Ästen, sondern direkt am Stamm wachsen. Dieses bemerkenswerte Phänomen nennt sich Cauliflorie und ist bei einigen tropischen Baumarten weit verbreitet. Doch welche Vorteile bringt diese besondere Wuchsform mit sich?
Eine besondere evolutionäre Anpassung
Der Name “Jabuticaba” stammt aus der indigenen Sprache Tupi und bedeutet “Knopfartige Frucht”. Die Pflanze gehört zur Familie der Myrtaceae, zu der auch Guave, Pitanga und Jambose gehören.
Laut der Botanikerin, die an der Universität von São Paulo in Ribeirão Preto promoviert hat, liegt der größte Vorteil der * Cauliflorie in der besseren Zugänglichkeit für verschiedene Tiere. Durch das Wachstum von Blüten und Früchten direkt am Stamm erhöht sich die Sichtbarkeit für Vögel, Fledermäuse und Insekten, was wiederum die Bestäubung und Samenverbreitung begünstigt.
Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei Bäumen mit großen und schweren Früchten: Würden diese an den Ästen wachsen, könnten die Zweige leicht brechen. Indem die Früchte direkt am Stamm sitzen, bleibt die Baumstruktur stabil.
Die Botanikerin ergänzt: “Obwohl es nur wenige Studien zu diesem Thema gibt, deutet einiges darauf hin, dass reproduktive Knospen, die durch die Rinde des Baumes geschützt sind, eine höhere Überlebensrate haben.”
Welche anderen Arten zeigen dieses Phänomen?
Die Jabuticabeira ist nicht die einzige Pflanze, die dieses besondere Wachstumsmuster zeigt. Es gibt weitere tropische Baumarten, die ebenfalls Cauliflorie aufweisen.
“Ein weiteres bekanntes Beispiel in Brasilien ist der Affenbrotbaum (Couroupita guianensis), der im Amazonasgebiet zu finden ist. Auch einige nicht-heimische Arten wie der Kakaobaum, die Jackfrucht und die Jambose gehören zu dieser Gruppe.”
Die Entstehung der *Cauliflorie
Der britische Naturforscher Alfred Russel Wallace, Mitbegründer der Theorie der natürlichen Selektion zusammen mit Charles Darwin, vermutete, dass sich die Cauliflorie in den schattigen unteren Schichten tropischer Regenwälder entwickelte. Dort, wo das Blätterdach dicht ist, könnten Blüten und Früchte am Stamm für Bestäuber und Samenverbreiter leichter sichtbar sein als an den Spitzen der Bäume.
Er weist zudem darauf hin, dass die Pflanzen der Familie Myrtaceae evolutionären Anpassungsmechanismen ausgesetzt waren, da sie auf allen Kontinenten vorkommen. Die Entwicklung der Cauliflorie könnte daher eine natürliche Antwort auf die Umweltbedingungen dieser Pflanzenfamilie sein.
Die Jabuticabeira: Ein wertvoller Baum
Die Jabuticabeira blüht und fruchtet hauptsächlich im Frühling. Ihre Frucht enthält Anthocyane, die antioxidative und krebshemmende Eigenschaften besitzen. Doch Vorsicht ist geboten: Ein übermäßiger Verzehr kann zu Verdauungsproblemen führen.
Mit einer Wuchshöhe von 10 bis 15 Metern erinnert die Jabuticaba-Frucht an eine Traube. Sie wird nicht nur frisch verzehrt, sondern auch zur Herstellung verschiedener Produkte wie Wein, Saft, Gelee, Likör und Essig verwendet.
Die Jabuticabeira ist somit nicht nur eine botanische Besonderheit, sondern auch eine wertvolle Ressource für die brasilianische Landwirtschaft und Gastronomie.
*Cauliflorie (vom Lateinischen caulis = „Stängel“ oder „Stamm“ und flos = „Blüte“) bezeichnet ein botanisches Phänomen, bei dem Blüten und/oder Früchte direkt am Stamm oder an älteren Ästen einer Pflanze wachsen, statt an jungen Trieben oder Zweigen.

