Der Kampf um den größten Cashewbaum der Welt

In der kleinen Küstenstadt – Praia de Pirangi 12 km von Natal entfernt – im Nordosten Brasiliens, wo sich Sonne und Meer treffen, wächst seit über einem Jahrhundert ein Wunder der Natur: der größte Cashewbaum der Welt.

Größter Cashewbaum der Welt – Foto: Screenshot Video

Seine gewaltige Krone erstreckt sich über eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern – eine lebendige Legende, die seit 1994 im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet ist. Doch nun steht dieses Naturmonument vor einer entscheidenden Veränderung.

Ab August soll der Baum beschnitten werden – eine Entscheidung, die von einem Gericht gefällt wurde und die seither für hitzige Diskussionen sorgt. Während Behörden betonen, die Maßnahme sei notwendig für die Gesundheit des Baumes, bangen viele Einheimische und Fachleute um seine Zukunft.

Die für die Pflege des Baumes zuständige Umweltbehörde versichert: Der Titel des „größten Cashewbaums der Welt“ sei durch den Rückschnitt nicht in Gefahr. Die geplante Maßnahme diene lediglich dem Schutz der Pflanze.

Noch nie in seiner 137-jährigen Geschichte sei eine vollständige phytosanitäre Pflege durchgeführt worden. Nun sei es an der Zeit, alte und gefährdete Äste zu entfernen, die mittlerweile Straßen überspannen und sich nahe an Wohnhäuser heranwagen.

Größter Cashewbaum der Welt von oben – Foto: Screenshot Video

Die Fachleute argumentieren: Ohne diese Pflege drohe durch Unfälle oder Schädlingsbefall ein größerer Schaden. Rund 200.000 Reais sollen in den mehrmonatigen Prozess investiert werden.

Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. Eine Biologin, die lange mit dem Baum gearbeitet hat, warnt vor den möglichen Folgen. Der Baum wachse durch ein besonderes biologisches Phänomen: Seine herabhängenden Äste berühren den Boden, schlagen Wurzeln und verjüngen dadurch die gesamte Pflanze.

Ein Eingriff in diesen natürlichen Kreislauf – so ihre Sorge – könne eine „Katastrophe“ auslösen: beschleunigte Alterung, eingeschränktes Wachstum, vielleicht sogar das Absterben einzelner Bereiche.

Auch die Menschen, die mit dem Baum leben – Händler, Touristenführer, Anwohner – sehen die geplante Maßnahme kritisch. Einige fürchten einen Rückgang der Besucherzahlen, andere sehen gar die Lebensgrundlage des Ortes in Gefahr.

Denn der Baum ist mehr als ein Naturwunder – er ist ein Magnet für über 350.000 Besucher im Jahr, ein Symbol für den Stolz der Region und ein zentraler Bestandteil der lokalen Wirtschaft.

Ein Immobilienmakler bringt es auf den Punkt: „Wenn man fast tausend Quadratmeter Baum beschneidet, ist das ein riesiger Verlust an Biomasse. Das öffnet Tür und Tor für Krankheiten. Wenn man nicht äußerst vorsichtig ist, kann das den Baum töten.“

Und so bleibt die Frage offen: Wie viel darf der Mensch in das Leben eines Wunders der Natur eingreifen, ohne es unwiderruflich zu verändern?

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