Dass die Brasilianer fussballverrückt sind, ist hinreichend bekannt. Fast jede Familie «fänet» für einen Verein, manchmal sogar für mehrere. Und genau das führt bisweilen zu kuriosen Situationen.

Wie das aussehen kann, zeigt das Beispiel der Familie Oliveira aus São Paulo. Der Urgrossvater war ein leidenschaftlicher «Corinthiano» der ersten Stunde. Seine Frau, die Grossmutter, schwärmte zwar heimlich für den FC Palmeiras, sprach darüber jedoch kaum… ein echtes Familiengeheimnis, das erst Jahre später ans Licht kam.
Die beiden hatten sieben Kinder: vier Söhne und drei Töchter. Von den Männern entschieden sich drei für den FC São Paulo und einer für Palmeiras. Die drei Frauen dagegen hielten es mit dem Verein von Pelé, dem FC Santos.
Diese Generation brachte insgesamt 18 Kinder hervor. Bei ihnen dominierte erneut die Leidenschaft für die Corinthians: Neun Enkelkinder bekannten sich zu diesem Klub. Zwei entschieden sich für den FC São Paulo, vier für Palmeiras und drei für den FC Santos. Bemerkenswert ist, dass alle den Vereinen aus São Paulo treu blieben.
Doch in der nächsten Generation änderte sich das Bild. Von den sieben Kindern gründeten fünf eine eigene Familie und bekamen zusammen sechs Nachkommen. Bei ihnen blieb die alte «Ordnung» nicht bestehen: Nur zwei entschieden sich für Vereine aus São Paulo.
Drei Kinder blickten Richtung Rio de Janeiro: Zwei wurden glühende Flamengo-Fans, eines fand seine Leidenschaft bei Botafogo. Und sogar Grêmio aus Porto Alegre durfte sich über eine neue, junge Anhängerin freuen.
Der Trend zu Vereinen ausserhalb der Heimat scheint sich fortzusetzen – sehr zum Leidwesen der «echten» Fans und der alten Familienbande. Denn in Brasilien bedeutet Fussball nicht nur Leidenschaft, sondern auch Tradition. Und wenn diese Tradition plötzlich bröckelt, ist in Familien wie den Oliveiras Diskussionsstoff für Generationen garantiert.
Doch es gibt auch Positives zu berichten: Immer mehr eingeheiratete Familienmitglieder werden Fans des Klubs ihrer Partner. Es zeigt sich, dass Tradition zwar nicht einfach verordnet werden kann – doch manchmal wird sie in der Liebe neu begründet.
