Belém ist seit heute – 10. November – Gastgeberin der 30. Weltklimakonferenz (COP30) der Vereinten Nationen und zum ersten Mal mitten im Amazonasgebiet. Bis zum 21. November treffen sich hier Delegierte aus 194 Staaten und der EU, über 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden erwartet. Ziel ist, den weltweiten Klimaschutz wieder ganz oben auf die internationale Agenda zu setzen.

Globale Erwartungen und Brasiliens Rolle
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eröffnete die Konferenz mit einem klaren Appell: Die COP30 müsse „die Konferenz der Wahrheit“ werden. Er forderte mehr Finanzmittel für Klimaanpassung und Energiewende sowie einen raschen Ausstieg aus fossilen Energien.
Auch der Sprecher vom Observatório do Clima betonte, die Konferenz müsse einen konkreten Fahrplan für die Energiewende liefern: Wer beginnt, wie wird sie umgesetzt, und wer finanziert sie? Ohne klare Antworten bleibe der Wandel bloße Rhetorik.
Rund 75 % der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen laut Climate Watch aus fossilen Brennstoffen. Landwirtschaft, Industrieprozesse, Abfallwirtschaft und Entwaldung machen den Rest aus.
Schwierige Rahmenbedingungen
Die internationale Klimapolitik steht unter Druck: bewaffnete Konflikte, eine vorübergehende Abkehr der USA vom Pariser Abkommen und zuletzt wieder steigende Emissionen.
Nur rund 80 Länder haben ihre nationalen Klimaziele (NDCs) aktualisiert, viele der größten Emittenten fehlen noch. Der designierte COP30-Präsident rief die Staaten auf, Belém zu einem „Wendepunkt des Handelns“ zu machen. Die Zeit der bloßen Erklärungen sei vorbei, jetzt müsse gehandelt werden.
Schwerpunkte: Anpassung, gerechte Transformation und globaler Fortschrittsbericht
Drei Themen prägen die Verhandlungen:
- Klimaanpassung: Städte und Regionen sollen besser auf Extremwetter vorbereitet werden. Die COP30 soll dafür messbare Indikatoren festlegen.
- Gerechte Transformation: Der Ausstieg aus fossilen Industrien darf nicht auf Kosten von Beschäftigten gehen. Ein Arbeitsprogramm soll soziale Leitlinien für den Strukturwandel schaffen.
- Global Stocktake: Die weltweite Bestandsaufnahme des Pariser Abkommens soll konkret umgesetzt werden und Orientierung für die nächsten Schritte geben.
Finanzierung als Schlüsselthema
Ohne ausreichende Finanzmittel ist die Klimawende nicht machbar. Entwicklungsländer fordern die Einlösung früherer Zusagen. „Das versprochene Geld ist nie wirklich geflossen – das hat das Vertrauen zerstört“, so ein Sprecher.
Ein neuer strategischer Plan soll jährlich 1,3 Billionen US-Dollar für Klimafinanzierung mobilisieren. Der „Fahrplan von Baku nach Belém“ soll Wege aufzeigen, wie diese Summe tatsächlich bereitgestellt werden kann.
Ein zentrales Element der brasilianischen Agenda ist der Fonds Tropical Forests Forever mit bisher zugesagten 5,5 Milliarden US-Dollar zum Schutz tropischer Wälder. Mindestens 20 % der Mittel sollen direkt an indigene und traditionelle Gemeinschaften gehen.
Gesellschaftliche Beteiligung
Neben den offiziellen Verhandlungen in der „Blue Zone“ wird Belém auch zum Schauplatz einer breiten zivilgesellschaftlichen Bewegung. In der öffentlich zugänglichen „Green Zone“ präsentieren Organisationen, Forscherinnen, indigene Gemeinschaften und Start-ups Lösungen für den Klimaschutz.

Mehr als 3.000 indigene Vertreterinnen und Vertreter nehmen teil, die größte indigene Präsenz in der Geschichte der Klimakonferenzen. „Klimawandel betrifft unser tägliches Leben, unsere Ernährung, unsere Energiepreise, unsere Wirtschaft“.
Die parallel stattfindende „Cúpula dos Povos“ (Gipfel der Völker) bringt Vertreter sozialer Bewegungen aus über 60 Ländern zusammen. Eine Bootsdemonstration auf dem Fluss Guamá und ein großer Marsch durch Belém sollen auf eine gerechte Klimatransformation aufmerksam machen.
Der indigenen Führer Tuxá, von der Vereinigung indigener Völker fordert: „Die Beschlüsse müssen endlich umgesetzt werden. Und diejenigen, die die Natur tagtäglich schützen, müssen gleichberechtigt mit am Verhandlungstisch sitzen.“
Fazit:
Die COP30 in Belém steht an einem entscheidenden Punkt. Zwischen großen Erwartungen, unzureichender Finanzierung und wachsendem Handlungsdruck soll sie den Weg zu konkreten globalen Maßnahmen ebnen, für eine gerechte und nachhaltige Zukunft.
