Schlechte Wohnbedingungen in Schutzgebieten des brasilianischen Amazonas

In den Schutzgebieten der Amazônia Legal leben Menschen unter deutlich schwierigeren Wohnbedingungen als in anderen geschützten Regionen Brasiliens. Laut einer neuen Erhebung des brasilianischen Statistikamts IBGE weisen dort mehr als drei Viertel der Haushalte (75,19 %) irgendeine Form von Mangel auf, fast dreimal so viele wie im landesweiten Durchschnitt (27,28 %).

Angeschwemmter Müll – Foto: Rafael Neddermeyer/Fotos Publicas

Die Daten wurden am Mittwoch (12.) vom IBGE im Rahmen der 30. UN-Klimakonferenz (COP30) in Belém vorgestellt. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten 1.053 Schutzgebiete in der Amazônia Legal: darunter 430 Naturschutzgebiete, 378 indigene Territorien und 245 Quilombola-Gemeinden, Gebiete, die fast die Hälfte der gesamten Region ausmachen.

Was ist die „Amazônia Legal“?

Die Amazônia Legal ist das Verwaltungsgebiet, in dem die Entwicklungsbehörde Sudam (Superintendência de Desenvolvimento da Amazônia) tätig ist. Sie wurde geschaffen, um die sozioökonomische Entwicklung der Region voranzutreiben und umfasst die Bundesstaaten Rondônia, Acre, Amazonas, Roraima, Pará, Amapá, Tocantins, Mato Grosso und große Teile von Maranhão.

Naturschutzgebiete

Rund 1,3 Millionen Quadratkilometer der Amazônia Legal – etwas mehr als die Fläche des Bundesstaats Pará – stehen unter Naturschutz. In diesen Gebieten leben etwa 2,27 Millionen Menschen. Die Alphabetisierungsrate liegt dort bei 87,08 % und damit unter dem landesweiten Durchschnitt in Schutzgebieten (91,16 %) sowie unter der nationalen Quote von 93 %.

Besonders gravierend sind die Defizite bei der Infrastruktur: 75,19 % der Bewohnerinnen und Bewohner in den Naturschutzgebieten der Amazônia Legal leben in Haushalten mit unzureichender Wasserversorgung, mangelhafter Abwasserentsorgung oder fehlender Müllabfuhr. Im nationalen Durchschnitt der Schutzgebiete liegt dieser Anteil bei 40,34 %, in der Gesamtbevölkerung bei 27,28 %.

Fast jede fünfte Person (22,23 %) in diesen Gebieten ist gleich in allen drei Bereichen betroffen: Wasser, Abwasser und Müll. In Schutzgebieten im restlichen Brasilien liegt dieser Wert bei 7,31 %, in der Gesamtbevölkerung bei nur 3 %.

Indigene Territorien

Die indigenen Territorien der Amazônia Legal erstrecken sich über 1,15 Millionen km² – fast so groß wie der Bundesstaat Pará – und sind Heimat von rund 428.000 Menschen. Ihre Alphabetisierungsrate liegt bei 77,25 %, etwas unter dem nationalen Durchschnitt für indigene Gebiete (79,44 %).

Nahezu alle (98,04 %) leben in Behausungen mit gravierenden infrastrukturellen Mängeln bei Wasser, Abwasser oder Müll. Landesweit liegt dieser Anteil bei 92,75 %. Traditionelle Wohnformen ohne Wände oder in Malokas wurden bei der Bewertung nicht berücksichtigt.
Rund 280.600 Menschen (75,05 %) sind gleich von allen drei Formen der Prekarität betroffen, ein deutlich höherer Anteil als im Durchschnitt der indigenen Gebiete Brasiliens (58,09 %).

Quilombola-Gemeinschaften

Offiziell abgegrenzte Quilombola-Gebiete (Nachfahren ehemaliger entlaufener Sklaven) umfassen in der Amazônia Legal zusammen 27.200 km², also etwa die Fläche des Bundesstaats Alagoas. Rund 92.000 Menschen leben dort.

Die Alphabetisierungsrate liegt mit 82,13 % leicht über dem nationalen Durchschnitt der Quilombola-Gemeinschaften (80,79 %). Doch auch hier zeigt sich das gleiche Muster wie in den anderen Schutzgebieten: 96,9 % der Bewohner leben unter mindestens einer Form von infrastruktureller Prekarität, deutlich mehr als im landesweiten Mittel (85,89 %).

Mehr als ein Drittel (36,55 %) der Bewohner ist gleichzeitig von Problemen bei Wasser, Abwasser und Müll betroffen, während der nationale Durchschnitt der Quilombola-Gebiete bei 28,19 % liegt.

Fehlende Infrastruktur und Investitionen

Für die IBGE-Analystin hängen die schlechten Bedingungen vor allem mit der geografischen Abgeschiedenheit vieler Gebiete zusammen, aber auch mit unzureichender staatlicher Unterstützung: „Diese Zahlen zeigen, dass es bislang keine wirklich angemessenen Investitionen gibt, solche, die auf die ländliche und oft isolierte Realität dieser Regionen zugeschnitten sind“, sagt die Analystin.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie stark Ungleichheit und fehlende Infrastruktur weiterhin das Leben vieler Menschen im Amazonasgebiet prägen, selbst dort, wo Schutz und Nachhaltigkeit eigentlich Priorität haben sollten.

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