Rund 70.000 Menschen haben am Samstag die Straßen von Belém gefüllt, um ein deutliches Signal an die Regierungen zu senden: Von der kommenden Klimakonferenz werden endlich verbindliche Beschlüsse erwartet. Zwischen Masken historischer Widerstandssymbole, einer übergroßen Boitatá-Figur und Lautsprecherwagen, die politische Reden mit Carimbó- und Brega-Rhythmen mischten, zeigte der Zug eindrucksvoll, wie vielfältig die Kultur Amazoniens ist.

Die Demonstration startete im historischen Zentrum und führte bei glühender Hitze über mehr als vier Kilometer bis zur Aldeia Cabana. Viele Teilnehmende sahen darin eine passende Metapher: Wer unter sengender Sonne marschiert, weiß, wie greifbar die Folgen einer Krise sind, die weltweit zunimmt und wie dringend es bei der nächsten Klimakonferenz verbindliche Maßnahmen braucht.
Getragen wurde der Marsch von Zusammenschlüssen sozialer Bewegungen aus der Region, flankiert von Vertreterinnen und Vertretern aus allen Kontinenten, traditionellen Gemeinschaften und lokalen Initiativen. Immer wieder war zu hören, dass Schutzgebiete und Menschenrechtsverteidiger besser geschützt werden müssen, wenn eine gerechte Transformation gelingen soll. Auch Kritik an vermeintlichen Klimalösungen, die vor allem Finanzakteuren nützen, prägte den Ton. Mehrere Redner warnten vor neuen Ölprojekten und einer globalen Ausweitung fossiler Energien.
Unterstützung kam auch von Regierungsvertreterinnen, die sich kurz auf dem Hauptwagen zeigten und betonten, dass eine Konferenz im globalen Süden automatisch mehr Stimmen aus der Zivilgesellschaft hervorbringt. Dass sich die Straßen füllen, sei ein Zeichen dafür, dass Klimapolitik nicht hinter geschlossenen Türen verhandelt werden dürfe. Die bevorstehende Konferenz müsse den Weg aus der fossilen Abhängigkeit klar markieren, mit den Bedürfnissen der besonders verletzlichen Regionen im Blick.
Ein weiterer Schwerpunkt des Marsches war die kulturelle Vielfalt Beléms. Gruppen, die seit Jahrzehnten das musikalische Erbe Amazoniens pflegen, brachten ihre farbenfrohen Traditionen ein, für viele ein selbstverständlicher Teil des Protests, denn kulturelle Ausdrucksformen und das Leben im Extremklima lassen sich hier kaum voneinander trennen. Manche Teilnehmende betonten, wie sehr ihre jahrelange Arbeit auf den Straßen der Stadt von den Veränderungen der Umwelt geprägt sei.
Für Angehörige indigener Gemeinschaften stand die Forderung nach klaren territorialen Garantien im Mittelpunkt. Sie erinnerten daran, dass die Menschen, die direkt im Wald leben, die Hauptlast einer Krise tragen, zu der sie am wenigsten beigetragen haben. Dass Stimmen, Sprachen und Traditionen aus aller Welt in Belém zusammenkommen, werteten viele als Gelegenheit, diese Realität weithin sichtbar zu machen.

Ein besonders auffälliges Symbol war eine 30 Meter lange Schlangenfigur, getragen von einem Kollektiv aus Künstlerinnen und Künstlern aus dem Westen des Bundesstaates. Auf ihr stand der Appell, finanzielle Mittel ohne Umwege jenen zukommen zu lassen, die den Wald tatsächlich schützen. Die Skulptur wurde Teil einer Kampagne, die genau diese direkte Unterstützung fordert.
Auch soziale Bewegungen, die sich primär mit Wohnungsnot befassen, betonten ihre Nähe zum Thema Klima. Nach mehreren extremen Wetterereignissen (zuletzt im Süden des Landes) stehe außer Frage, dass Wohnpolitik und Klimapolitik längst untrennbar miteinander verbunden seien. Wer in prekären Vierteln lebt, bekomme die Auswirkungen als Erstes und am stärksten zu spüren.
Unter den internationalen Gästen befanden sich Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen afrikanischen Ländern, Asien und Europa. Viele verbanden den Klimakampf mit einer deutlichen Kritik an globalen Machtverhältnissen. Der Tenor: Nur wenn Bewegungen weltweit zusammenstehen, lassen sich die wirtschaftlichen Strukturen überwinden, die Umweltzerstörung begünstigen. Der Marsch in Belém sollte genau das zeigen, dass gemeinsames Handeln Kraft entfaltet und Veränderung möglich macht.
