Der Handel mit lebenden Wildtieren hat im laufenden Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Das bestätigte die internationale Polizeikoordination am Donnerstag und legte erstmals die Ergebnisse einer gross angelegten Aktion offen, an der sich mehr als hundert Staaten beteiligten. Die Ermittlerinnen und Ermittler stellten dabei knapp 30.000 Tiere sicher und ordneten die Fälle über tausend verdächtigen Personen zu.

Die Operation lief zwischen September und Oktober. Dabei stoppten die Behörden weltweit Sendungen mit 6160 Vögeln, 2040 Schildkröten, 1150 Reptilien, 208 Primaten, zehn Grosskatzen und 46 Schuppentieren. Hinzu kamen rund 19 400 weitere Wildtiere unterschiedlichster Arten.
Nach Angaben der Ermittlerinnen und Ermittler wächst dieses Geschäft seit Jahren, vor allem wegen der gestiegenen Nachfrage nach exotischen Haustieren. Die internationale Zentrale in Frankreich spricht von einer strukturellen Ausweitung der Märkte, die sich zunehmend in die digitale Sphäre verlagern.
Insgesamt arbeiteten Sicherheitsbehörden aus 134 Staaten zusammen, darunter auch Länder des Nahen Ostens und Südamerikas. In einem Golfstaat wurde etwa ein Mann festgenommen, der über soziale Medien einen stark gefährdeten Primaten für 14 000 Dollar anbieten wollte.
In Südamerika identifizierten Ermittlerinnen und Ermittler 145 Verdächtige und retteten mehr als 200 Wildtiere. Besonders auffällig war ein Schmuggelnetz, das sich auf bedrohte Kleinaffen spezialisiert hatte.
Laut den beteiligten Fachleuten zeigt die Auswertung der Fälle eine zunehmend enge Verzahnung mit weiteren kriminellen Bereichen wie Drogenhandel oder Menschenhandel. Da in diesem Milieu immer häufiger Kryptowährungen genutzt werden, betonen die Behörden die Bedeutung internationaler Kooperation und raschen Informationsaustauschs. Nur so lasse sich die Spur verdächtiger Geldflüsse nachvollziehen. Ein interner Bericht schätzt, dass Straftaten gegen wildlebende Arten jährlich rund 20 Milliarden Dollar kosten.
Fachleute gehen jedoch davon aus, dass der tatsächliche Schaden erheblich höher liegt, weil grosse Teile des Handels im Verborgenen stattfinden. Neben bekannten Säugetieren waren diesmal auch fast 10 500 Schmetterlinge, Spinnen und andere Insekten betroffen. Zudem nimmt der Schmuggel geschützter Meerestiere weiter zu.
Das meiste Volumen entfällt jedoch auf Körperteile oder Erzeugnisse von Tieren, die in der traditionellen Medizin oder als Delikatesse vermarktet werden. Die Ermittlerinnen und Ermittler verzeichneten ausserdem einen markanten Anstieg des illegalen Handels mit sogenanntem Buschfleisch wie Affen, Giraffen, Zebras und Antilopen. Besonders stark war der Warenfluss von Afrika nach Europa. Während der Operation stellten die Behörden 5,8 Tonnen solcher Produkte sicher.
Auch der illegale Handel mit Pflanzen erreichte neue Rekordwerte. Laut einem Medienbericht beschlagnahmten die Behörden 32 000 Kubikmeter Holz. Schätzungen gehen davon aus, dass illegal geschlagene Bestände heute zwischen 15 und 30 Prozent des weltweiten Holzmarkts ausmachen.
Ende November beschäftigte sich auch die internationale Umweltpolitik mit dem Thema. An der COP20 im usbekischen Samarkand diskutierten die Vertragsstaaten des Artenschutzübereinkommens CITES über Wege, den Druck auf bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu mindern. Auf der Agenda standen unter anderem strengere Massnahmen zum Schutz von Aalen sowie die umstrittene Frage, ob der Handel mit Nashornhorn erneut zugelassen werden soll.
Das Abkommen feiert 2025 sein fünfzigstes Jahr seit Inkrafttreten und gilt als zentrale Grundlage der globalen Artenschutzdiplomatie. Sein Ziel bleibt unverändert: Wildlebende Tier- und Pflanzenarten vor den Folgen eines unkontrollierten Handels und vor kriminellen Netzwerken zu schützen.
Aktuelle Zahlen
- 38 Millionen Wildtiere werden jedes Jahr in Brasilien aus der Natur entnommen.
- 9 von 10 handelnden Tieren sterben, bevor sie in die Hände des Endverbrauchers gelangen.
- 2 Milliarden US-Dollar werden jährlich durch diesen illegalen Handel in Brasilien bewegt.
- Drittgrößte illegale Aktivität weltweit nach Waffen- und Drogenhandel die zweitgrößte illegale Aktivität weltweit.
Die Preise und die Anzahl für gehandelte Tiere schwanken stark und passen sich laufend den aktuellen Nachfragebewegungen an.

