Von insgesamt etwa 68.000 Hektaren, auf denen zwischen August 2023 und Juli 2024 Holz geschlagen wurde, fehlte für rund 42.000 Hektaren jede offizielle Bewilligung. Damit stammt fast zwei Drittel der dokumentierten Holzentnahme aus illegalen Quellen. Grundlage der Analyse sind jährlich ausgewertete Satellitenbilder, die mit behördlichen Genehmigungsdaten abgeglichen wurden.

Im Vergleich zur vorherigen Erhebung ist die Situation eskaliert. Damals wurden rund 38.000 Hektaren ohne Erlaubnis abgeholzt. Das entspricht einem Anstieg der illegal genutzten Fläche um neun Prozent. Fachleute werten diese Entwicklung als äusserst alarmierend. Illegale Holzwirtschaft gilt als Einstiegstor für weitere Umweltverbrechen, darunter Brandrodung und grossflächige Entwaldung.
Gleichzeitig schwächt sie den legalen Markt, der auf nachhaltige Forstwirtschaft setzt, Arbeitsplätze schafft und Steuereinnahmen generiert. Zwar nahm auch die offiziell genehmigte Holznutzung deutlich zu. Sie stieg innerhalb eines Jahres von gut 11.000 auf über 26.000 Hektaren, was einem Plus von mehr als 130 Prozent entspricht. Dennoch überwiegt weiterhin der illegale Anteil.
Besonders betroffen ist der Süden des Bundesstaates Acre. Zwei Gemeinden vereinen dort rund drei Viertel der gesamten illegalen Holzentnahme auf sich. In einer der Regionen wurden mehr als 20.000 Hektaren ohne Bewilligung abgeholzt, in der anderen knapp 11.000. Beide liegen in einem Gebiet mit stark wachsender Agrarfront an der Grenze zu benachbarten Bundesstaaten.
Die Abholzung gilt hier oft als Vorstufe für Landraub sowie für spätere Nutzung durch Viehzucht und Sojaanbau. Umweltfachleute fordern deshalb eine deutlich stärkere Kontrolle und wirksame Massnahmen, um illegales Holz vom Markt fernzuhalten.
Auch geschützte Gebiete bleiben nicht verschont. Rund 13 Prozent der illegalen Abholzung fanden innerhalb von Schutzgebieten statt, darunter indigene Territorien und Naturschutzgebiete. Konkret handelt es sich um etwa 5.600 Hektaren, davon rund 3.900 Hektaren auf indigenem Land und 1.600 Hektaren in Schutzgebieten. Im Vergleich zur vorherigen Analyse ging die illegale Nutzung in diesen Zonen zwar um 19 Prozent zurück, doch selbst diese reduzierte Fläche entspricht immer noch mehr als 5.000 Fussballfeldern.
Die Folgen reichen weit über Umweltzerstörung hinaus. Neben zusätzlichen CO₂-Emissionen kommt es zu Biodiversitätsverlusten und sozialen Konflikten. Das Eindringen illegaler Holzfäller bedroht insbesondere indigene und traditionelle Gemeinschaften, deren Lebensgrundlage der intakte Wald ist.
Ein weiterer Befund zeigt, dass der grösste Teil der illegalen Abholzung auf Flächen stattfindet, die in öffentlichen Datenbanken registriert sind. Rund 32.500 Hektaren, also 77 Prozent der illegal genutzten Fläche, entfallen auf offiziell erfasste ländliche Grundstücke. Nach Einschätzung der Fachstellen verfügen die Behörden damit über ausreichende Informationen, um gezielt zu kontrollieren und Sanktionen zu verhängen.
Auffällig ist zudem die Rolle sogenannter öffentlicher Wälder ohne festgelegte Nutzung. Auf diesen Flächen wurden rund 3300 Hektaren illegal abgeholzt. Es handelt sich um staatliche Waldgebiete, deren künftiger Status noch nicht definiert ist. Umweltorganisationen fordern, diese Areale rasch als Schutzgebiete auszuweisen oder den dort lebenden Gemeinschaften offiziell zuzuordnen. Nur so lasse sich dieses öffentliche Naturerbe dauerhaft sichern, für die Bevölkerung des Amazonasgebiets ebenso wie für das Land insgesamt.
