Neuer brasilianischer Mindestlohn steigt 2026 auf 1.621 Real

Der brasilianische Mindestlohn wird ab dem 1. Januar 2026 auf 1.621 Real angehoben. Das entspricht einer Erhöhung um 6,8 Prozent oder etwas mehr als 100 Real gegenüber dem bisherigen Satz von 1.518 Real. Die Anpassung wurde am Mittwoch, dem 24., durch eine offizielle Veröffentlichung der Bundesregierung im Amtsblatt der Union bekannt gemacht.

Einkaufen für die letzten Geschenke_Foto Tomaz Silva-Agência Brasil

Die jährliche Anpassung des Mindestlohns folgt einem gesetzlich festgelegten Mechanismus. Grundlage ist zum einen die Inflationsrate, gemessen am Nationalen Verbraucherpreisindex INPC, der die Preisentwicklung für Haushalte mit tieferem Einkommen abbildet.

Berücksichtigt wird dabei die kumulierte Inflation der zwölf Monate bis November. Hinzu kommt das reale Wirtschaftswachstum Brasiliens von zwei Jahren zuvor, in diesem Fall aus dem Jahr 2024. Dieser zweite Faktor ist jedoch durch die geltende Ausgabenobergrenze des Staates auf maximal 2,5 Prozent pro Jahr begrenzt.

Durch die Kombination dieser beiden Elemente ergibt sich ein realer Zuwachs des Mindestlohns, also ein Anstieg über den reinen Inflationsausgleich hinaus. Damit unterscheidet sich die aktuelle Regelung deutlich von der Lohnpolitik früherer Regierungen unter Michel Temer und Jair Bolsonaro. Damals wurde der Mindestlohn ausschliesslich an die Inflation angepasst, ohne Beteiligung des Wirtschaftswachstums.

Das Intergewerkschaftliche Departement für Statistik und sozioökonomische Studien Dieese weist darauf hin, dass dieses frühere Modell spürbare negative Folgen für die Kaufkraft hatte. In einer technischen Stellungnahme erklärt die Organisation, dass sich der reale Wert des Mindestlohns in Phasen vergleichsweise hoher Inflation kontinuierlich verschlechterte. Während die Preise laufend stiegen, erfolgte die Lohnanpassung nur einmal jährlich, was zu einem schleichenden Kaufkraftverlust führte.

Besonders problematisch war laut Dieese der Zeitraum zwischen 2020 und 2022. In diesen Jahren reichte selbst der Inflationsausgleich nicht aus, um die stark gestiegenen Lebensmittelpreise abzufedern. Da Nahrungsmittel überdurchschnittlich teurer wurden und einen grossen Teil der Ausgaben einkommensschwacher Haushalte ausmachen, traf diese Entwicklung vor allem die ärmsten Familien des Landes.

Der Mindestlohn stellt in Brasilien die gesetzlich festgelegte Untergrenze für formell Beschäftigte dar. Gemäss der Bundesverfassung soll er so bemessen sein, dass er die grundlegenden Lebensbedürfnisse einer arbeitenden Person und ihrer Familie abdeckt. Dazu zählen unter anderem Wohnen, Ernährung, Gesundheitsversorgung, Freizeit, Hygiene und Transport.

Gemessen an diesem verfassungsmässigen Anspruch liegt der tatsächliche Mindestlohn allerdings weiterhin deutlich tiefer. Nach Berechnungen des Dieese müsste ein Haushalt mit vier Personen im November 2025 über ein monatliches Mindesteinkommen von 7.067,18 Real verfügen, um diese Grundbedürfnisse angemessen decken zu können. Das entspricht rund dem 4,3-Fachen des neuen nationalen Mindestlohns, der Anfang 2026 in Kraft tritt.

Nach Angaben des Instituts beziehen rund 62 Millionen Menschen in Brasilien direkt oder indirekt Einkommen auf Basis des Mindestlohns, darunter Beschäftigte, Rentnerinnen und Rentner sowie Bezüger bestimmter Sozialleistungen.

Die Erhöhung auf 1.621 Real dürfte daher spürbare gesamtwirtschaftliche Effekte haben. Das zusätzliche Einkommen, das durch die Anpassung in Umlauf kommt, wird auf rund 81,7 Milliarden Real geschätzt und könnte den privaten Konsum sowie die Binnenwirtschaft insgesamt stärken.

1.621 Real entspricht 231.00 CHF

© 2003-2026 BrasilienPortal by sabiá brasilinfo
Reproduktion der Inhalte strengstens untersagt.
Aus unserer Redaktion

Letzte News