Die Hitzewelle, die in der Weihnachtswoche die Temperaturen in Rio de Janeiro, São Paulo und weiteren Bundesstaaten im Südosten, Zentrum und Süden Brasiliens in die Höhe getrieben hat, soll bis mindestens Montag, den 29. Dezember, andauern. Für die betroffenen Regionen gilt die höchste Warnstufe. Sie steht für extreme Hitze mit Werten rund fünf Grad über dem langjährigen Durchschnitt über mehrere Tage hinweg und für ein hohes Risiko für Gesundheit, Sicherheit und Leben.

Angesichts der zunehmenden extremen Hitze, die insbesondere durch den vom Menschen verursachten Klimawandel bedingt ist, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, um die gesundheitlichen Auswirkungen zu verringern. Laut einem Allgemeinmediziner und Koordinator der Notaufnahme des Krankenhauses Sírio-Libanês in São Paulo, birgt diese Situation das Potenzial, zu einem thermischen Versagen des Körpers.
Typische Anzeichen sind Verwirrtheit, heisse und trockene Haut sowie eine Körpertemperatur von über 40 Grad. Treten solche Symptome auf, ist sofortige medizinische Hilfe notwendig. Dennoch wird die Gefahr oft unterschätzt. Viele Menschen halten Hitze für unangenehm, aber harmlos. Tatsächlich reicht das Spektrum möglicher Folgen von Kreislaufproblemen bis hin zum vollständigen thermischen Versagen des Körpers.
Bei grosser Hitze arbeitet der Organismus im Dauerstress. Um sich abzukühlen, produziert er mehr Schweiss, die Blutgefässe erweitern sich und das Herz schlägt schneller. Diese Anpassungen haben jedoch klare Grenzen. Werden sie überschritten, kann der Körper seine Temperatur nicht mehr kontrollieren.
Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Diabetes, chronischen Lungen- oder Nierenerkrankungen. Auch bestimmte Medikamente erhöhen das Risiko, darunter entwässernde Mittel, Blutdrucksenker, Antidepressiva sowie Wirkstoffe, die das Nervensystem oder die Temperaturregulation beeinflussen. Für Betroffene bedeutet extreme Hitze eine zusätzliche, potenziell gefährliche Belastung.
Hohe Temperaturen wirken sich zudem auf Schlaf und psychische Verfassung aus. Schlafmangel, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und sinkende Leistungsfähigkeit sind häufige Begleiterscheinungen. Gedächtnisleistung und schnelle Entscheidungsfähigkeit können ebenfalls leiden.
Vorbeugung geht dabei über ausreichendes Trinken hinaus. Empfohlen wird, direkte Sonneneinstrahlung zwischen 10 und 16 Uhr zu meiden, leichte und helle Kleidung zu tragen, gut gelüftete Räume aufzusuchen und körperliche Anstrengung zu vermeiden. Menschen, die aus beruflichen Gründen im Freien arbeiten müssen, etwa auf Baustellen, im Lieferdienst oder in der Abfallentsorgung, sollten während der heissesten Stunden regelmässige Pausen einlegen.
Eine vollständige Anpassung an wiederkehrende extreme Hitzewellen gibt es nicht. Bei Temperaturen über 35 Grad, insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit, ist der menschliche Körper schlicht nicht mehr in der Lage, normal zu funktionieren. Entscheidend ist daher, Risiken zu vermeiden und frühe Warnzeichen ernst zu nehmen, bevor es zum Kollaps kommt.
Studien aus Brasilien zeigen inzwischen klar, dass extreme Hitze mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht. Besonders hoch ist das Risiko für ältere Menschen und für Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, neurologischen Erkrankungen, Nierenproblemen oder Infektionen der Harnwege.
Analysen von mehreren hunderttausend Todesfällen über mehr als ein Jahrzehnt belegen diesen Zusammenhang deutlich. Während viele Untersuchungen sich auf Herz- und Atemwegserkrankungen konzentrieren, zeigen neuere Auswertungen, dass auch Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen der Harnwege und neurodegenerative Leiden stark von Hitze beeinflusst werden.

Was bei extremer Hitze hilft
- Vor dem Tagesablauf prüfen, wie heiss und feucht es werden soll.
- Notfallnummern bereithalten und wissen, wie medizinische Hilfe erreichbar ist.
Wohnräume kühl halten
- Tagsüber Türen, Fenster und Vorhänge schliessen, um Hitze draussen zu halten.
- Nachts lüften, um die Räume abzukühlen.
- Ventilatoren oder Klimageräte nutzen, sofern vorhanden, ohne starke Kältesprünge zu verursachen.
Sich vor Hitze schützen
- Während der heissesten Stunden möglichst nicht nach draussen gehen.
- Im Freien Sonnenschutz, Kopfbedeckung und Schatten nutzen.
- Enge, schlecht belüftete Räume meiden, da sich dort Hitze besonders stark staut.
Kühl und hydriert bleiben
- Regelmässig Wasser trinken. Alkohol meiden, da er die Dehydrierung verstärkt.
- Atmungsaktive, leichte Stoffe tragen. Dunkle und schwere Kleidung speichert Wärme.
- Vorsicht bei eiskalten Duschen, sie können einen gegenteiligen Effekt auslösen und die Wärmeproduktion des Körpers erhöhen.
Quellen: Hospital Sírio-Libanês São Paulo, Portal da Saúde
