Der Dezember steht in Brasilien im Zeichen einer landesweiten Sensibilisierungskampagne für den verantwortungsvollen Umgang mit Haustieren. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Die Festtage gelten seit Jahren als Phase mit besonders vielen Aussetzungen. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Tiere entlaufen oder unter starkem Stress leiden, etwa weil ihre Bezugspersonen länger abwesend sind oder weil Lärm durch Feuerwerk Angst und Orientierungslosigkeit auslöst.

Die Kampagne rückt deshalb konkrete Schutzmassnahmen in den Fokus. Dazu gehören Vorkehrungen gegen Lärm, sichere Rückzugsorte, Betreuung während Abwesenheiten sowie eine stabile Tagesstruktur. Die Zahl der ausgesetzten Hunde, Katzen und anderer Haustiere liegt Schätzungen zufolge seit Beginn des letzten Jahrzehnts konstant bei etwa 30 Millionen. Diese Stagnation zeigt, dass Aufklärung zwar Wirkung zeigt, aber längst nicht ausreicht.
Fachstellen verweisen darauf, dass sich das Verhältnis zwischen Menschen und Haustieren in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Die Bindung ist enger, emotionaler und intensiver geworden. Begriffe wie Besitz oder Eigentum greifen dabei zu kurz. Wer ein Tier bei sich aufnimmt, übernimmt Verantwortung für dessen gesamtes Wohlergehen. Dazu gehören nicht nur Futter, Pflege und medizinische Versorgung, sondern auch Sicherheit, Zuwendung, Beschäftigung und emotionale Stabilität.
Besonders betont wird die Bedeutung einer realistischen Planung. Haustiere leben häufig zehn Jahre oder länger. Diese lange gemeinsame Zeit verlangt vorausschauende Entscheidungen, etwa im Hinblick auf Ferien, Umzüge, berufliche Veränderungen oder familiäre Umbrüche. Gerade Ausnahmesituationen entscheiden oft darüber, ob ein Tier gut betreut bleibt oder ausgesetzt wird.
Neben den körperlichen Bedürfnissen spielt auch das emotionale Wohlbefinden eine zentrale Rolle. Tiere reagieren sensibel auf das Fehlen ihrer Bezugspersonen. Fachleute empfehlen daher, sie frühzeitig an weitere vertraute Menschen oder alternative Umgebungen zu gewöhnen. So lässt sich Stress reduzieren, wenn eine vorübergehende Trennung unvermeidbar ist.
Viele Aussetzungen könnten vermieden werden, wenn vor einer Adoption grundlegende Fragen ehrlich geklärt würden. Wer kümmert sich um das Tier während einer Reise. Was passiert bei einem Wohnortswechsel. Gibt es finanzielle Reserven für Krankheit oder Alter. Eine Adoption sollte nicht aus einem spontanen Impuls heraus erfolgen, sondern aus einer bewussten Entscheidung für ein langfristiges Zusammenleben.
Die Zeit mit mehr Präsenz zu Hause, etwa während der Ferien, eignet sich auch dazu, die eigene Bereitschaft zu prüfen. Kein Tier passt sich automatisch an den Alltag einer Familie an. Zusammenleben bedeutet Lernen auf beiden Seiten. Geduld, Anleitung und klare Strukturen sind entscheidend. Dabei tragen alle Personen im Haushalt Verantwortung für das Gelingen.
Aussetzung ist strafbar
Behörden erinnern daran, dass das Aussetzen von Haustieren als Straftat gilt. Entsprechende Fälle können den Sicherheitsstellen gemeldet werden. Je nach Umständen drohen Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr, insbesondere wenn Hinweise auf Misshandlung oder eine Gefährdung der Tiergesundheit vorliegen.
In Grossstädten werden herrenlose Tiere unter bestimmten Bedingungen von spezialisierten öffentlichen Diensten aufgenommen. Dies geschieht vor allem dann, wenn eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit besteht, wenn Tiere verletzt sind oder wenn es zu nachgewiesenen aggressiven Vorfällen kommt. Priorität hat stets der Schutz von Mensch und Tier.
Regionale Initiativen setzen Zeichen
Auch einzelne Regionen nutzen den Dezember gezielt, um das Thema öffentlich zu diskutieren. Mit Plakataktionen, Strassenwerbung und digitalen Formaten wird bis in den Januar hinein appelliert, Verantwortung nicht an der Haustür enden zu lassen.
Auslöser solcher Kampagnen sind belastbare Daten. Zum Jahresende steigt die Zahl der Adoptionen deutlich, begünstigt durch emotionale Stimmung und mehr freie Zeit. Gleichzeitig nimmt paradoxerweise auch die Zahl der Aussetzungen zu, wenn Familien verreisen oder umziehen und keine Lösung für die Betreuung finden.
Diese Realität zeigt, wie notwendig ein Umdenken ist. Haustiere sind kein kurzfristiges Projekt und kein Spielzeug. Es handelt sich um fühlende Lebewesen, die Hunger, Angst, Kälte, Hitze, Einsamkeit und Hilflosigkeit empfinden. Verantwortung endet nicht mit der Adoption, sie beginnt dort erst.
