Gestern war in Brasilien der Nationale Tag der Bossa Nova

Der 25. Januar wurde offiziell als Nationaler Tag der Bossa Nova festgelegt. Und damit ist dieser Tag zwangsläufig auch João Gilberto Prado Pereira de Oliveira gewidmet, geboren am 10. Juni 1931, gestorben am 6. Juli 2019. Denn João Gilberto ist Bossa Nova. Und die Bossa Nova ist João Gilberto.

25. Januar Der Tag der Bossa Nova – Foto: wurde mit Hilfe einer KI erstellt

Er war es, der die Musik mit seiner revolutionären, völlig neuartigen Gitarrenanschlagtechnik veränderte. Öffentlich wurde diese Ästhetik im August 1958 mit der historischen Single „Chega de Saudade“, komponiert von Antonio Carlos Jobim und Vinicius de Moraes, gesungen und auf der Gitarre begleitet von João selbst. Diese Aufnahme gilt bis heute als symbolischer Startpunkt der Bossa Nova.

Viele hatten zuvor harmonische Wege geebnet, die schliesslich zu dieser neuen Klangsprache führten. Allen voran Johnny Alf, der aus Rio stammende Pianist, Sänger und Komponist, geboren 1929, gestorben 2010.

Doch João war es, der das Ziel erreichte. Er reduzierte die traditionelle Samba-Kadenz auf den Gitarrensaiten, entschleunigte sie, verdichtete sie und formte daraus eine rhythmische Struktur, an der er während der 1950er-Jahre obsessiv feilte, besonders intensiv zwischen 1955 und 1957. Diese Arbeit war geprägt von radikaler Konsequenz, von geduldiger Wiederholung und von einem kompromisslosen Streben nach Klarheit.

Joãos Bossa Nova beruhte zudem auf der vollständigen Verschmelzung von Stimme, Instrument und Arrangement. Seine Gitarre war autark, sein Gesang intim, beinahe flüsternd, und doch von absoluter Präzision. Er schuf einen leichten, ausgewogenen, eleganten Klang von grosser Raffinesse.

Es war ein einzigartiger Sound, der die brasilianische Musik nachhaltig veränderte und neue Massstäbe setzte. Gleichzeitig wurde dieser Sound plural, denn ab 1958 verzweigte sich die Bossa Nova, brachte zahlreiche Spielarten und Erben hervor, die neue Wege und Rhythmen erkundeten. João Gilberto blieb dabei stets der Fixpunkt, an dem sich alles orientierte.

Dass der 25. Januar als Nationaler Tag der Bossa Nova gilt, hängt mit dem Geburtsdatum von Antonio Carlos Jobim zusammen, geboren 1927, gestorben 1994. Jobim lieferte, allein oder in Zusammenarbeit mit Newton Mendonça und Vinicius de Moraes, den Grossteil jener Kompositionen, die weltweit zu Standards der Bossa Nova wurden. Diese Stücke fanden ihren Weg in Jazzclubs, Konzertsäle und Aufnahmestudios rund um den Globus und prägen das Bild brasilianischer Musik bis heute.

Dabei hatte Tom Jobim seine Grösse bereits vor 1958 unter Beweis gestellt. Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, im entscheidenden Jahr 1958, im Studio, an der Seite von João. Doch Jobim wäre auch ohne die Bossa Nova ein dominanter Komponist geblieben. Gleiches gilt für Vertreter der zweiten Generation wie Marcos Valle, die sich allein durch die Qualität und Eigenständigkeit ihres Repertoires in der brasilianischen Musikszene durchgesetzt hätten.

Dass letztlich so viele Namen untrennbar mit der Bossa Nova verbunden sind, liegt daran, dass João Gilberto der Auslöser und zugleich der Katalysator der gesamten Bewegung war. Alles beginnt bei João Gilberto. Und alles führt zu João Gilberto zurück.

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