Wörterbuch der Capybaras: Studie entschlüsselt zehn Laute des grössten Nagetiers der Welt

Wer Capybaras ruhig am Ufer eines Sees stehen sieht, hält sie leicht für schweigsam. Doch der Eindruck täuscht. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass diese Tiere innerhalb ihrer Gruppen eine erstaunlich vielschichtige Kommunikation pflegen. Ihr akustisches Repertoire ist deutlich komplexer, als lange angenommen wurde.

Capivara oder Wasserschwein – Foto: sabiá brasilinfo

Die Analyse kommt zum Schluss, dass Capybaras nicht nur einzelne Laute von sich geben, sondern diese gezielt kombinieren. Auf diese Weise entstehen unterschiedliche Bedeutungen, vergleichbar mit kurzen Sätzen.

In Stresssituationen nutzen sie sogar Ultraschall, also extrem hohe Töne, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Solche Signale sind aus der Tierwelt bekannt, etwa bei Fledermäusen oder Nagetieren, gelten bei so grossen Arten jedoch als Besonderheit.

Beobachtet wurden freilebende Gruppen sowie Tiere in menschlicher Obhut. Dabei zeigte sich, dass Capybaras über mindestens zehn klar unterscheidbare Lauttypen verfügen. Das sind mehr, als bisher in der Fachliteratur beschrieben waren. Die Tiere leben in stabilen sozialen Verbänden, oft in der Nähe von Gewässern.

Eine präzise Verständigung ist für sie überlebenswichtig, etwa zur Warnung vor Gefahren, zur Koordination von Fluchtwegen oder zur Regelung des Zusammenlebens innerhalb der Gruppe.

Das Lautinventar der Capybaras

Die Untersuchung beschreibt ein regelrechtes akustisches Wörterbuch. Jeder Laut erfüllt eine bestimmte soziale Funktion.

Bellen
Ja, Capybaras bellen tatsächlich. Dieser kurze, kräftige Ruf dient als Alarm. Er warnt vor Fressfeinden oder Menschen und hilft dem Verband, sich beim schnellen Rückzug ins Wasser zu orientieren

Gackernder Laut
Ein Geräusch, das an Hühner erinnert. Es tritt ausschliesslich bei Spannungen während des Fressens auf, etwa wenn Tiere zu nahe beieinanderstehen oder um Nahrung konkurrieren.

Zähneklappern
Ein deutliches Drohsignal. Durch schnelles Aufeinanderschlagen der Schneidezähne wird klar kommuniziert, dass Abstand gewünscht ist.

Pfeifen
Vor allem junge Tiere nutzen diesen Ruf, wenn sie den Anschluss verlieren oder sich isoliert haben. Das Pfeifen dient dazu, den Kontakt zur Gruppe wiederherzustellen.

Paarungsruf
Weibchen geben in der Fortpflanzungszeit einen spezifischen Laut von sich, wenn sie umworben oder von dominanten Männchen verfolgt werden.

Daneben wurden weitere Laute und neue Kombinationen dokumentiert, die offenbar dazu dienen, feinere Bedeutungsnuancen zu übermitteln. Je nach Situation können Stimmung, Dringlichkeit oder soziale Stellung mitschwingen.

Akustische Kombinationen mit Bedeutung
Besonders bemerkenswert ist die Fähigkeit der Capybaras, einzelne Laute zu verbinden. Statt isolierter Rufe entstehen Abfolgen aus Kontaktlauten, Pfeifen oder klagenden Tönen. Diese Kombinationen erzeugen neue Bedeutungen und ermöglichen eine differenzierte Verständigung.

Fachleute sprechen hier von kombinatorischen Silben. Dieses Prinzip ist aus der Kommunikation anderer sozialer Tiere bekannt und gilt als Hinweis auf eine ausgeprägte soziale Intelligenz. Für Capybaras bedeutet das, dass sie sehr präzise Informationen über ihre Umgebung, ihre Absichten und ihren emotionalen Zustand weitergeben können.

Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines Tieres, das weit mehr ist als ein stiller Pflanzenfresser am Wasser. Capybaras verfügen über ein fein abgestimmtes akustisches System, das ihr komplexes Sozialleben widerspiegelt und ihnen hilft, als Gruppe erfolgreich zu bestehen.


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Mehr zu den Capybaras oder Wasserschweinen finden Sie » hier
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