In einer Filiale der britischen Supermarktkette Tesco im südenglischen Eastbourne sorgte der Fund einer sogenannten Bananenspinne für erhebliche Unruhe. Ein Kunde entdeckte zwischen den Bananen ein Spinnentier, dessen Bein deutlich aus einem Obstbündel herausragte. Die Szene wirkte befremdlich und löste bei Anwesenden Besorgnis aus.

Der Mann fotografierte den Fund und informierte umgehend die Marktleitung. Daraufhin wurde der gesamte Bananenbestand kontrolliert. Es wird angenommen, dass es sich um eine Wanderspinne der Art Phoneutria nigriventer handelte, die umgangssprachlich auch als Bananenspinne bezeichnet wird. Diese Tiere können mit Obstlieferungen aus Südamerika eingeschleppt werden, da sie sich in Stauden oder Kartons verstecken.
Bemerkenswert ist, dass der Entdecker vergleichsweise gelassen reagierte. Er erklärte später in einem Zeitungsinterview, dass ihm ähnliche Funde aus seiner früheren Tätigkeit im Einzelhandel bekannt seien.
Die Wanderspinne: Herkunft und Einordnung
Die Gattung Phoneutria gehört zur Familie der Ctenidae. Der Name leitet sich vom Griechischen ab und bedeutet so viel wie „Mörder“. Tatsächlich zählt die Art zu den bekanntesten und giftigsten Spinnen Südamerikas. In Brasilien ist sie unter dem Namen „Armadeira“ bekannt, was auf ihr drohendes Abwehrverhalten anspielt: Hebt sie die Vorderbeine, wirkt sie wie bewaffnet.
Ausgewachsene Tiere erreichen eine Körperlänge von bis zu fünf Zentimetern. Mit ausgestreckten Beinen kann ihre Spannweite 15 bis 17 Zentimeter betragen. Ihr Körper ist grau bis graubraun gefärbt und mit kurzen Haaren bedeckt. Weibchen besitzen meist einen dunkleren, teils schwarzen Hinterleib, während Männchen heller gefärbt sein können.
Im Gegensatz zu vielen anderen Spinnen baut die Wanderspinne keine Fangnetze. Sie ist nachtaktiv und jagt aktiv am Boden. Ihre Beute besteht aus Insekten, kleinen Echsen, Mäusen und gelegentlich anderen Spinnen. Tagsüber versteckt sie sich in dunklen, geschützten Bereichen wie Laub, Holzstapeln, Schuhen oder Kleidungsstücken.
Giftwirkung und Gefährdung
Das Gift der Phoneutria nigriventer wirkt neurotoxisch und kardiotoxisch. Es beeinflusst die Natriumkanäle der Nervenzellen, was zu einer Übererregung des Nervensystems führt. Typische Symptome sind starke Schmerzen an der Bissstelle, Rötung, Schweissausbrüche, erhöhter Puls und in schweren Fällen Kreislaufstörungen. Bei ausgeprägten Vergiftungserscheinungen kann die Abgabe eines Antiserums erforderlich sein.
Trotz ihres Rufs ist die Sterblichkeitsrate bei dokumentierten Bissunfällen sehr gering. Moderne medizinische Versorgung hat das Risiko schwerer Verläufe deutlich reduziert. Die meisten Fälle betreffen schmerzhafte, aber nicht lebensbedrohliche Reaktionen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen.
Charakteristisch ist ihr ausgeprägtes Verteidigungsverhalten. Fühlt sich die Spinne bedroht, nimmt sie eine typische Drohhaltung ein und kann kurze Distanzen überraschend schnell überwinden. Berichte sprechen von Sprüngen über mehrere Dezimeter. Die oft genannte Sprungweite von einem Meter gilt jedoch als übertrieben.
Verbreitung und Einschleppung
Die Art ist in weiten Teilen Südamerikas verbreitet, unter anderem in Brasilien, Argentinien und Paraguay. In Brasilien kommt sie besonders häufig in tropischen und subtropischen Regionen wie Bahia oder Minas Gerais vor. Sie lebt bevorzugt in der Nähe von Bäumen, Bananenstauden und dichtem Pflanzenbewuchs.
Durch den internationalen Handel mit Bananen und anderem Obst gelangen einzelne Tiere gelegentlich nach Europa oder Nordamerika. Solche Funde bleiben jedoch Einzelfälle. Das kühlere Klima verhindert in der Regel eine dauerhafte Ansiedlung.
Fortpflanzung und Lebensdauer
Die Fortpflanzungszeit fällt in Südamerika meist in die wärmeren Monate. Ein Weibchen kann mehrere Hundert Eier in einem Kokon ablegen. Nach etwa drei bis vier Wochen schlüpfen die Jungtiere. Die Lebensdauer beträgt je nach Umweltbedingungen mehrere Monate bis etwa zwei Jahre.
Fazit
Der Fund einer Bananenspinne im Supermarkt sorgt verständlicherweise für Aufsehen. Dennoch ist das tatsächliche Risiko gering, insbesondere ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums. Dank schneller Reaktion des Personals und moderner medizinischer Möglichkeiten bleibt ein solcher Vorfall meist ohne schwerwiegende Folgen. Die Geschichte zeigt jedoch eindrücklich, wie globaler Warenverkehr auch ungewöhnliche tierische „Reisende“ mit sich bringen kann.
