Frauen versammeln sich in Copacabana gegen Gewalt und Femizide

Am Internationalen Frauentag (08.März) wurde die Strandpromenade der Copacabana zur Bühne für eine eindrückliche Demonstration. Tausende Frauen zogen entlang der Küste, um gegen Femizide und die vielfältigen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt zu protestieren. Zugleich forderten sie mehr öffentliche Mittel für Gleichstellungspolitik und konkrete Massnahmen, die Frauen im Alltag stärken. Auf einem Lautsprecherwagen wechselten sich Vertreterinnen feministischer Kollektive mit der Verlesung eines gemeinsamen Manifests ab. Die Forderungen reichten weit über den Schutz vor Gewalt hinaus.

Prostete am Frauentag – Foto: Tomaz Silva/Agencia Brasil

Verlangt wurden unter anderem die strafrechtliche Verfolgung von Gruppen, die Frauenhass verbreiten, eine Ausweitung von Mutter- und Vaterschaftsurlaub, spezielle Kreditprogramme für Unternehmerinnen sowie inklusive Bildungsangebote für Kinder mit Behinderungen oder neurodivergente Kinder. Immer wieder wurde auch das Ende des Arbeitsmodells 6 zu 1 gefordert, bei dem Beschäftigte sechs Tage arbeiten und nur einen Tag frei haben.

Im Zentrum der Kundgebung stand jedoch der Ruf nach einem Ende der Gewalt. Viele erinnerten an jüngste Fälle, die das Land erschüttert haben: an eine junge Frau, die von ihrem Ex-Partner mit dem Auto überfahren wurde, und an die Gruppenvergewaltigung einer Jugendlichen, die sich ausgerechnet in jenem Stadtteil ereignete, in dem nun demonstriert wurde.

Begleitet vom Lautsprecherwagen stimmten die Teilnehmerinnen eine umgedichtete Version eines bekannten brasilianischen Liedes an. Statt von Ausgelassenheit handelte der Refrain vom Wunsch, sich ohne Angst auf der Strasse und im eigenen Zuhause bewegen zu können. Die Botschaft war klar und eindringlich: Es reicht. Wir wollen leben.

An der Spitze des Zuges trugen Stelzenläuferinnen ein Transparent mit der Aufschrift: Gemeinsam sind wir riesig. In einer stillen Performance legten sie sich mit geschlossenen Augen auf den Boden, um der getöteten Frauen zu gedenken. Kurz darauf erhoben sie sich wieder, stellten sich im Kreis auf und riefen im Chor: Alle lebendig.

Die Demonstration brachte Frauen unterschiedlicher Generationen zusammen. Eine Mutter war mit ihrer siebenjährigen Tochter gekommen. Das Mädchen hielt ein selbstgemaltes Plakat hoch, auf dem stand: Kämpfe wie ein Mädchen. Für die Mutter ist es wichtig, dass ihre Tochter früh versteht, dass sie Rechte hat, eine Stimme besitzt und diese auch erheben darf. Hier sehe sie, dass viele gemeinsam für dieselbe Sache einstehen.

Auch Veteraninnen der Bewegung waren vertreten. Eine Aktivistin, die sich seit den 1980er Jahren in feministischen Gruppen engagiert, trug eine Fahne mit dem Gesicht einer 2018 ermordeten Stadträtin. Der Mord habe sie tief erschüttert, sagte sie. Er habe zum Schweigen bringen und auslöschen wollen. Doch aus der Tat sei ein Symbol des Widerstands entstanden, dass viele Frauen verbinde und ihnen zeige, wie wichtig Zusammenhalt sei.

Die Organisatorinnen richteten ihren Appell ausdrücklich auch an Männer. Einige folgten dem Aufruf und nahmen gemeinsam mit ihren Kindern teil. Ein Vater, der mit seinem neunjährigen Sohn gekommen war, betonte, dass Männer nicht nur keine Gewalt ausüben dürften, sondern aktiv Gleichberechtigung fördern müssten. Man wachse in einer machistisch geprägten Gesellschaft auf und trage entsprechende Muster in sich. Diese zu erkennen, zu hinterfragen und zu verändern, sei eine dauernde Aufgabe.

Eine weitere Teilnehmerin hob die Bedeutung von Bildung hervor. Misogynie sei kulturell tief verankert und werde über Generationen weitergegeben. Viele Frauen hätten Gewalt als normal hingenommen, und Kinder hätten dieses Verhalten als selbstverständlich erlebt. Es sei wichtig, die erwachsene Bevölkerung zu sensibilisieren. Ebenso entscheidend sei es jedoch, mit staatlicher Unterstützung Familien frühzeitig zu begleiten, damit Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem Respekt und Gleichwertigkeit selbstverständlich sind.

So wurde die Copacabana an diesem Tag nicht nur zum Ort des Protests, sondern auch zu einem Raum der Erinnerung, der Solidarität und der Hoffnung auf eine Gesellschaft, in der Frauen ohne Angst leben können.

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