Der höchste Punkt Brasiliens rückt stärker in den Fokus. Am Pico da Neblina im abgelegenen Amazonasgebiet hat eine Expedition den Zugang überprüft und Vorschläge erarbeitet, wie Sicherheit und Infrastruktur für Besucher verbessert werden können. Ziel ist es, den ohnehin streng regulierten Tourismus besser zu organisieren und zugleich die sensiblen ökologischen und kulturellen Rahmenbedingungen zu respektieren.

Anfangs dieses Jahres (2026) war ein Team im Grenzgebiet zu Venezuela unterwegs. Der Aufstieg führte bis auf 2’995 Meter über Meer, durch dichten Regenwald, steile Felsabschnitte und häufige Nebelbänke, die dem Berg seinen Namen geben. Die Fachleute nahmen die Route technisch genau unter die Lupe. Im Zentrum stand die Frage, wie sich Unfallrisiken verringern und die bestehenden Lagerplätze funktionaler und sicherer gestalten lassen.
Unterstützt wurde die Aktion von staatlichen Schutz- und Indigenenstellen sowie einer sozialökologischen Organisation. Insgesamt nahmen 33 Personen teil, darunter 22 Yanomami. Sie arbeiteten als Guides, Träger und Köche und sind tragende Säule des bestehenden Besucherkonzepts.
Der Tourismus am Berg ist seit einigen Jahren im Rahmen eines speziellen Ökotourismus-Plans geregelt, der den Namen Yaripo trägt, wie der Pico da Neblina in der Sprache der Yanomami heisst. Das Konzept sieht vor, dass Expeditionen nur in Begleitung ausgebildeter Mitglieder der indigenen Gemeinschaft stattfinden und die Zahl der Besucher begrenzt bleibt.
Nach Angaben der Parkverwaltung lieferte die Expedition entscheidende Daten, um das Besuchsmanagement weiterzuentwickeln. Geplant ist unter anderem, im letzten und steilsten Abschnitt des Trails rund 50 zusätzliche Stufen anzulegen und das bestehende Sicherungssystem mit Seilen und Ketten zu verstärken. Die Umsetzung ist für August 2026 vorgesehen. Damit sollen besonders bei Nässe und schlechter Sicht Stürze verhindert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Umweltüberwachung. Mithilfe von Drohnen wurden im Gebiet der sogenannten Bacia do Gelo Spuren illegalen Goldabbaus kartiert. Solche Eingriffe hinterlassen sichtbare Narben im Wald und belasten Gewässer durch Quecksilber. Die neuen Luftaufnahmen sollen helfen, Schäden präziser zu dokumentieren und Gegenmassnahmen zu planen.
Auch organisatorische Fragen standen auf der Agenda. Die Abläufe des Besuchsplans werden überarbeitet, darunter klare Vorgaben zur Gewichtskontrolle der Ausrüstung und zur Koordination der indigenen Begleiter. Das soll die körperliche Belastung der Träger reduzieren und die Logistik effizienter machen.
Neben dem Pico da Neblina begutachtete das Team auch den benachbarten 31 de Março, den zweithöchsten Berg des Landes. Die Empfehlung fiel eindeutig aus: keine touristische Öffnung. Sicherheitsrisiken, die extreme Abgeschiedenheit und die kulturelle Bedeutung des Ortes sprechen dagegen.
Für die Yanomami gilt der Berg als heilig, weitgehend unberührt und von spiritueller Bedeutung. Fachleute sehen dort vielmehr Potenzial für wissenschaftliche Forschung, etwa zur Beobachtung klimatischer Veränderungen in einer der abgeschiedensten Regionen Amazoniens.
Die Expedition markiert damit einen Balanceakt zwischen vorsichtiger Öffnung und konsequentem Schutz. In einer Region, die lange Zeit vor allem durch illegale Aktivitäten Schlagzeilen machte, soll kontrollierter Ökotourismus nun einen anderen Weg aufzeigen: wirtschaftliche Perspektiven für die lokale Bevölkerung, ohne das empfindliche Gleichgewicht des Regenwaldes zu gefährden.
