Gute Nachrichten für Konsumentinnen und Konsumenten in Brasilien: Der Osterwarenkorb wird 2026 erneut günstiger. Bereits zum zweiten Mal in Folge sinken die durchschnittlichen Preise für typische Festtagsprodukte. Eine Auswahl an Lebensmitteln, zu der klassische Schokoladenwaren ebenso gehören wie Bacalhau, kostet in diesem Jahr 5,73 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Schon 2025 war ein Rückgang von 6,77 Prozent verzeichnet worden.

Das zeigt eine aktuelle Erhebung des brasilianischen Wirtschaftsinstituts Ibre der Fundação Getulio Vargas, veröffentlicht kurz vor dem Ostersonntag am 5. April. Während die allgemeine Teuerung gemessen am Verbraucherpreisindex IPC-10 zwischen April 2025 und März 2026 bei 3,18 Prozent lag, entwickelte sich der spezifische Osterwarenkorb deutlich moderater.
Ein genauerer Blick offenbart jedoch ein differenziertes Bild. Einige Produkte verteuerten sich deutlich stärker als die Gesamtinflation. Pralinen und Schokoladenprodukte legten um 16,71 Prozent zu. Auch Bacalhau verteuerte sich um 9,9 Prozent. Sardinen in Dosen stiegen um 8,84 Prozent, Thunfisch um 6,41 Prozent.
Gleichzeitig sorgten andere Grundnahrungsmittel für eine deutliche Entlastung. Reis verbilligte sich um 26,11 Prozent. Eier kosteten 14,56 Prozent weniger, Olivenöl sank sogar um 23,20 Prozent. Frischer Fisch verteuerte sich dagegen nur leicht um 1,74 Prozent, Weine um moderate 0,73 Prozent.
Die vergangenen vier Jahre zeigen eine bewegte Entwicklung. Nach kräftigen Preissteigerungen 2023 mit 13,16 Prozent und 2024 mit 16,73 Prozent folgten zwei Jahre mit sinkenden Durchschnittspreisen. Insgesamt ergibt sich für den Zeitraum eine kumulierte Teuerung der Osterprodukte von 15,37 Prozent. Damit blieb die Entwicklung leicht unter der allgemeinen Verbraucherpreisinflation von 16,53 Prozent im selben Zeitraum.
Doch einzelne Warengruppen fallen aus dem Rahmen. Seit 2022 verteuerten sich Pralinen und Schokolade um 49,26 Prozent. Bacalhau legte um 31,21 Prozent zu, Thunfisch um 38,98 Prozent, Olivenöl um 34,74 Prozent. Preisrückgänge gab es hingegen bei Kartoffeln mit minus 16,02 Prozent und bei Zwiebeln mit minus 15,44 Prozent.
Der Ökonom vom Ibre erklärt, weshalb sinkende Rohstoffpreise nicht automatisch rasch bei den Konsumenten ankommen. Besonders bei stark verarbeiteten Produkten dauere es länger, bis Entlastungen weitergegeben würden. Als Beispiel nennt er Schokolade.
Obwohl der Kakaopreis auf den internationalen Märkten seit Oktober 2025 deutlich gefallen ist und im Jahresvergleich zeitweise rund 60 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag, stiegen die Endverbraucherpreise für Schokolade weiter um 16,71 Prozent.
Ein weiterer Faktor ist die Marktkonzentration. Laut einer Untersuchung des Wirtschaftswissenschaftlers von der Universidade Estadual de Campinas kontrollieren fünf Marken von lediglich drei Unternehmen rund 83 Prozent des Marktes für Pralinen und Schokolade. Weniger Wettbewerb bedeutet häufig geringeren Preisdruck.
Die Branchenvereinigung “Associação Brasileira da Indústria de Chocolates” weist darauf hin, dass der Endpreis von Schokolade nicht allein vom Kakaopreis abhänge. Milch, Zucker, Transportkosten für gekühlte Ware sowie Wechselkursschwankungen spielten ebenfalls eine Rolle. Jede Firma verfolge zudem eine eigene Preisstrategie.
Hinzu kamen externe Schocks. 2024 richtete das Klimaphänomen El Niño schwere Schäden an Kakaoplantagen an. Besonders betroffen waren Ghana und die Elfenbeinküste, die zusammen rund 60 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion verantworten. Das daraus resultierende Defizit von 700’000 Tonnen liess den Kakaopreis an der Börse in New York zeitweise auf 11’000 US-Dollar pro Tonne steigen, rund viermal so viel wie zuvor.
Laut Branchenangaben seien lediglich etwa 10 Prozent dieses Preisschubs beim Endkunden angekommen. Aktuell bewegt sich der Preis wieder bei rund 3’300 US-Dollar pro Tonne.
Trotz der Preisdynamik zeigt sich die Branche optimistisch. Die wirtschaftliche Lage gilt als stabil, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie nie zuvor. Für das diesjährige Ostergeschäft rechnet die Industrie mit 14’600 temporären Stellen, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund ein Fünftel dieser Arbeitsplätze werde erfahrungsgemäss in feste Anstellungen umgewandelt.
Auch auf der Nachfrageseite deutet vieles auf ein starkes Fest hin. Eine Umfrage des Instituts Locomotiva ergab, dass 90 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten in Brasilien planen, in diesem Jahr Osterprodukte zu kaufen. Die Ostertradition bleibt also lebendig, selbst wenn Schokolade für viele ein spürbarer Luxus geworden ist.
