Eines der seltensten Säugetiere der Welt lebt auf einer abgelegenen Insel Brasiliens – kaum jemand kennt es

Das sogenannte Santa-Catarina-Meerschweinchen oder Südliche Insel-Meerschweinchen (Cavia intermedia)gehört zu den am stärksten bedrohten Säugetieren überhaupt. Seine Existenz beschränkt sich auf einen winzigen Fleck Erde: eine der Inseln eines abgelegenen Archipels vor dem Bundesstaat Santa Catarina. Nirgendwo sonst auf der Welt kommt diese Art vor.

Santa-Catarina-Meerschweinchen – Bild mit Hilfe einer KI erstellt

Gerade diese extreme geografische Isolation, kombiniert mit einer sehr kleinen Population, hat dazu geführt, dass sie als akut vom Aussterben bedroht gilt. Bemerkenswert ist, wie lange das Tier der Wissenschaft entging.

Obwohl es bereits in den 1980er-Jahren gesichtet wurde, erfolgte die offizielle Beschreibung erst Ende der 1990er-Jahre. Erst detaillierte Untersuchungen machten deutlich, dass es sich genetisch und morphologisch klar von seinen Verwandten auf dem Festland unterscheidet. Die jahrtausendelange Isolation der Insel hat diesen eigenständigen Evolutionsweg geprägt.

Biologisch gehört das Tier zur Familie der Meerschweinchen-Verwandten, zu der auch grössere Arten wie das Wasserschwein (Capybara) zählen. Es bleibt jedoch deutlich kleiner: rund 25 Zentimeter lang und etwa 600 Gramm schwer. Sein Fell bewegt sich in Grau- und Brauntönen, eine unauffällige Tarnung, die es in der kargen Vegetation der Insel kaum sichtbar macht.

Das Tier lebt ausschliesslich am Boden und ernährt sich von Gräsern und niedrigen Pflanzen. Sein Verhalten gilt als ruhig und wenig mobil, nicht zuletzt, weil der Lebensraum stark begrenzt ist. Die Fortpflanzung findet über das ganze Jahr verteilt statt, mit einem Höhepunkt in wärmeren Perioden. Nach einer vergleichsweise kurzen Tragzeit bringt das Weibchen meist ein oder zwei Jungtiere zur Welt. Die Lebenserwartung ist gering und liegt ungefähr bei einem Jahr, was die Population zusätzlich anfällig macht.

Der Lebensraum selbst ist ebenso fragil wie einzigartig. Die Insel, auf der die Tiere vorkommen, umfasst weniger als zehn Hektar. Sie ist Teil eines kleinen Archipels, der einige Kilometer vor der Küste liegt und neben niedriger Vegetation auch als wichtiger Brutplatz für Seevögel dient. Aufgrund seiner ökologischen Bedeutung steht das Gebiet unter Schutz. Der Zugang ist streng reguliert und in der Praxis fast ausschliesslich Forschenden vorbehalten.

Die grösste Bedrohung für die Art geht nicht von natürlichen Feinden aus, sondern von ihrer extremen Verwundbarkeit. Schätzungen zufolge existieren lediglich einige Dutzend Tiere. Ein einzelnes unvorhersehbares Ereignis – etwa eingeschleppte Tierarten, Krankheiten, Feuer oder die Folgen des Klimawandels – könnte ausreichen, um die gesamte Population auszulöschen.

Um dem entgegenzuwirken, überwachen Umweltbehörden und Wissenschaftler die Bestände kontinuierlich und versuchen, den sensiblen Lebensraum zu sichern. Der Fortbestand dieser kaum bekannten Art hängt letztlich davon ab, dass dieses isolierte Ökosystem intakt bleibt – und dass die Forschung nicht nachlässt.

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