Der Amazonas nähert sich aufgrund von Hitze und Abholzung einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt

Der Amazonas nähert sich aufgrund der Kombination aus globaler Erwärmung und Abholzung einem Punkt ohne Wiederkehr. Eine in Nature veröffentlichte Studie warnt davor, dass ein Großteil des Regenwaldes sich in degradierte Wälder oder savannenähnliche Ökosysteme verwandeln könnte.

Abgebrannter-Regenwald – Foto: Carlo Celestino/Secom-MT

Die von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung geleitete Studie legt die Schwelle für das höchste Risiko bei einer globalen Erwärmung von 1,5 bis 1,9 Grad fest, falls die kumulierte Entwaldung zwischen 22 % und 28 % des Amazonasgebiets erreicht.

Die Entwaldung verringert die Widerstandsfähigkeit des Regenwaldes

Die Studie warnt davor, dass der Waldverlust die Atmosphäre austrocknet und die Fähigkeit des Amazonas-Regenwaldes schwächt, seinen eigenen Regen zu erzeugen. Den Forschern zufolge kann dieser Prozess selbst bei moderater Erwärmung zu irreversiblen Veränderungen in weiten Teilen des Waldes führen.

Der Amazonas hat bereits rund 17 % oder 18 % seiner Waldfläche verloren, eine Zahl, die nahe an der Schwelle liegt, die Wissenschaftler als kritisch ansehen. Der Amazonas speichert nicht nur Kohlenstoff und beherbergt einen wesentlichen Teil der terrestrischen Biodiversität. Er erzeugt auch bis zur Hälfte seines eigenen Regens, ein Schlüsselmechanismus zur Aufrechterhaltung des klimatischen Gleichgewichts in Südamerika.

Schlüsselindikator Daten aus der Studie

  • Risikoerwärmung Zwischen 1,5 und 1,9 Grad
  • Kritische Entwaldung Zwischen 22 % und 28 %
  • Potenzielle betroffene Fläche Zwischen 62 % und 77 %
  • Geschätzte aktuelle Entwaldung 17 %–18 %
  • Bevölkerung im Amazonasgebiet 47 Millionen Menschen

Auswirkungen auf Niederschläge, Landwirtschaft und Biodiversität

Der Rückgang der Waldbedeckung unterbricht den Feuchtigkeitskreislauf, erhöht das Risiko von Dürren und Bränden und verändert die Niederschlagsmuster in wichtigen Agrarregionen wie Südbrasilien und dem Río-de-la-Plata-Becken. Die Zerstörung des Amazonasgebiets hätte Auswirkungen auf den Ackerbau, die Wasserkraft, die Wasserversorgungssicherheit und indigene Gemeinschaften.

Der mögliche Zusammenbruch des Waldes würde zudem Millionen von Menschen betreffen, darunter indigene Völker und Gemeinschaften, die in freiwilliger Isolation leben. Der Verlust an Biodiversität wäre massiv in einer Region, die eine der höchsten Artenkonzentrationen der Erde beherbergt.

Wissenschaftler fordern einen Stopp der Abholzung

Die Autoren betonen, dass die Verschlechterung des Amazonas-Regenwaldes nicht unvermeidlich ist. Ein Stopp der Entwaldung, die Wiederherstellung geschädigter Wälder und eine rasche Reduzierung der Treibhausgasemissionen können die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems stärken.

Waldsanierung und Emissionsreduktion sind die wichtigsten Wege, um zu verhindern, dass der Amazonas-Regenwald eine irreversible Schwelle überschreitet. Johan Rockström, Direktor des PIK und Mitautor der Studie, warnt davor, dass die anhaltende Entwaldung den Regenwald einem Wendepunkt mit regionalen und globalen Folgen näherbringt.

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