In den indigenen Gebieten der Munduruku im Bundesstaat Pará setzen Goldsucher zunehmend auf kleinere und unauffälligere Geräte statt auf schwere Maschinen. Hintergrund sind verstärkte Räumungsaktionen der Behörden gegen illegale Eindringlinge in Schutzgebieten seit dem Regierungswechsel in Brasília.

Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung wie ein Niedergang des Sektors. Forschende kommen jedoch zu einem anderen Schluss: Der technische Rückschritt ist Teil einer Anpassungsstrategie. Mit mobilen, weniger auffälligen Anlagen versuchen die Betreiber, Kontrollen zu umgehen und ihre Gewinne langfristig zu sichern.
Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht «Der räumliche Kreislauf des illegalen Goldabbaus nach den Räumungsaktionen», der von einer Universität im Norden Brasiliens gemeinsam mit einer zivilgesellschaftlichen Organisation veröffentlicht wurde. Neben den Yanomami und den Kayapó zählen die Munduruku zu den am stärksten vom illegalen Bergbau betroffenen indigenen Gemeinschaften des Landes.
Die Untersuchung beschreibt zudem ein weit verzweigtes Finanzsystem hinter dem Goldabbau. Laut den Forschenden bestehen Verbindungen zwischen illegalen Minennetzwerken, Geldwäsche-Strukturen und kriminellen Organisationen.
Frühere Ermittlungen der Bundespolizei hatten bereits offengelegt, wie Investitionsfonds und Scheinfirmen genutzt werden, um Gewinne aus dem illegalen Goldhandel zu verschleiern. Die klassische Grenze zwischen handwerklichem Goldschürfen und industriell organisiertem Rohstoffabbau verschwimmt dadurch zunehmend.
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie betrifft die Arbeitskräfte in den illegalen Minen. Viele Arbeiter stammen aus dem armen Nordosten Brasiliens, insbesondere aus Maranhão. Seit den 1990er-Jahren hat sich daraus eine Art regionale Wanderbewegung entwickelt: Menschen pendeln zwischen Landwirtschaft und Goldabbau, abhängig davon, wo kurzfristig mehr Geld zu verdienen ist.
Untersucht wurden unter anderem die Gemeinden Jacareacanga und Itaituba im Tapajós-Gebiet, wo zahlreiche Munduruku leben. Die indigene Bevölkerung beklagt dort seit Jahren Landraub, Umweltzerstörung und massive Menschenrechtsverletzungen durch nicht-indigene Eindringlinge.
Die Forschenden betonen, dass der illegale Bergbau längst ganze lokale Wirtschaftskreisläufe prägt. Nicht nur Tankstellen, Flugzeuge oder Boote profitieren davon. Auch kleine Geschäfte, Werkstätten und Dienstleister hängen wirtschaftlich direkt von den Minencamps ab. Einer der Autoren beschreibt diese Abhängigkeit als eine Art „Bergbau-Abhängigkeit“, die ganze Städte erfasst hat.
Viele indigene Familien beteiligen sich inzwischen selbst am Goldabbau, oft aus Mangel an anderen Einkommensmöglichkeiten. In Jacareacanga entstand dadurch ein Armenviertel mit provisorischer Infrastruktur und schlechten hygienischen Bedingungen. Die Stadt liegt am Tapajós-Fluss und ist stark von der Kultur der Munduruku geprägt. Laut Volkszählung von 2022 gehören knapp 60 Prozent der Bevölkerung dem Volk der Munduruku an.
Besonders junge Menschen sehen in der traditionellen Landwirtschaft kaum noch Perspektiven. Die Arbeit in den Minen gilt zwar ebenfalls als extrem hart und gefährlich, bringt jedoch deutlich höhere Einnahmen als Fischerei, Handwerk oder Feldarbeit. Parallel dazu veränderte sich die lokale Wirtschaft sichtbar. Zwischen 2014 und 2023 verdreifachte sich die Zahl der Lastwagen in der Region beinahe. Auch Pick-ups und Motorräder nahmen stark zu.
Das Bruttoinlandsprodukt der Gemeinde stieg innerhalb weniger Jahre um ein Vielfaches. Gleichzeitig entstanden mehr Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe, die indirekt vom Goldboom profitieren.
Die brasilianische Bundesregierung reagierte zuletzt mit mehreren gross angelegten Einsätzen. Ermittler froren Millionenbeträge mutmasslicher Beteiligter ein und deckten Netzwerke auf, die Milliarden mit illegalem Goldhandel umgesetzt haben sollen. Die Studie basiert auf Daten aus den Jahren 2017 bis 2023 und wurde mit Unterstützung staatlicher Stellen und indigener Institutionen durchgeführt.
