Das brasilianische Feuchtgebiet Pantanal hat 2025 den stärksten proportionalen Rückgang der Abholzung aller grossen Ökosysteme des Landes verzeichnet. Erstmals seit 2019 fiel die insgesamt zerstörte Fläche nativer Vegetation in Brasilien wieder unter die Marke von einer Million Hektar innerhalb eines Jahres. Das geht aus dem neuen Jahresbericht zur Entwaldung hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Demnach wurden landesweit rund 985’000 Hektar Naturfläche zerstört. Das entspricht einem Rückgang von 20,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieser Entwicklung bleibt das Ausmass enorm: Durchschnittlich verschwanden täglich fast 2’700 Hektar Vegetation, also rund 112 Hektar pro Stunde. Umgerechnet entspricht das der täglichen Zerstörung von etwa 80 Fussballfeldern pro Stunde.
Besonders deutlich fiel der Rückgang im Pantanal aus. Dort sank die abgeholzte Fläche im Vergleich zu 2024 um 48,4 Prozent. Dennoch gingen im Laufe des Jahres mehr als 12’000 Hektar verloren. Der Cerrado, Brasiliens riesige Savannenlandschaft, bleibt weiterhin das am stärksten betroffene Biom des Landes. Allein dort wurden über 540’000 Hektar zerstört, obwohl auch hier die Zahlen gegenüber dem Vorjahr zurückgingen.
Zusammen waren Amazons Regenwald und der Cerrado für mehr als 84 Prozent der gesamten Entwaldung Brasiliens verantwortlich. Im Cerrado verschwanden im Schnitt täglich fast 1’500 Hektar Vegetation. Im Amazonasgebiet lag der Verlust bei rund 792 Hektar pro Tag. Laut Analyse entspricht dies dem Verlust von etwa fünf Bäumen pro Sekunde.

Besonders bedroht bleiben Savannenlandschaften. Bereits zum dritten Mal in Folge waren sie die am stärksten betroffene Vegetationsform des Landes und machten mehr als die Hälfte aller abgeholzten Flächen aus. Waldgebiete folgten mit gut 46 Prozent. Während in Amazonien und im Atlantischen Regenwald vor allem Wälder zerstört wurden, dominierte in Cerrado, Caatinga und Pantanal die Vernichtung typischer Savannenvegetation.
Ein zentraler Treiber bleibt die Ausweitung der Landwirtschaft und Viehzucht. Nach Angaben der Untersuchung hängen mehr als 97 Prozent der gesamten Vegetationsverluste der vergangenen sieben Jahre direkt mit agrarwirtschaftlicher Expansion zusammen. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil sogar bei 99 Prozent. Vor allem neue Weideflächen für Rinderhaltung sowie der Ausbau industrieller Landwirtschaft gelten weiterhin als Hauptursachen.
Auch andere wirtschaftliche Aktivitäten hinterlassen deutliche Spuren. Fast die gesamte Entwaldung im Zusammenhang mit illegalem Goldabbau konzentrierte sich auf den Amazonasraum, insbesondere im Bundesstaat Pará. Gleichzeitig nahm die Rodung für urbane Expansion um sieben Prozent zu. Vor allem im Cerrado und im Amazonasgebiet wurden neue Flächen für Städtebau und Infrastruktur erschlossen.
Eine Schlüsselrolle spielt weiterhin die Region Matopiba, die Teile mehrerer nordöstlicher und zentralbrasilianischer Bundesstaaten umfasst. Dort konzentrieren sich inzwischen mehr als 63 Prozent der landesweiten Entwaldung. Die Region gilt als eines der wichtigsten Expansionsgebiete der brasilianischen Agrarindustrie und steht seit Jahren wegen massiver Umweltzerstörung unter Beobachtung.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung auf kommunaler Ebene. Mehr als die Hälfte aller brasilianischen Gemeinden registrierte 2025 mindestens ein bestätigtes Entwaldungsereignis. Eine Gemeinde im Bundesstaat Piauí führte erstmals die nationale Statistik an. Dort wurden innerhalb eines Jahres mehr als 20’000 Hektar zerstört. An einzelnen Tagen entsprach dies der Vernichtung von rund 80 Fussballfeldern.
In indigenen Gebieten belief sich der Vegetationsverlust auf 12’593 Hektar. Das entspricht einem Rückgang von 22 Prozent gegenüber 2024. Das indigene Territorium Porquinhos der Canela-Apãnjekra im Bundesstaat Maranhão führt jedoch bereits zum dritten Mal in Folge die Statistik der am stärksten betroffenen indigenen Gebiete an. Dort wurden trotz eines Rückgangs von 34 Prozent weiterhin mehr als 4’000 Hektar abgeholzt.
Im Jahr 2025 registrierten rund 30 Prozent aller indigenen Territorien Brasiliens mindestens einen bestätigten Fall von Entwaldung. Zwischen 2019 und 2025 entfielen insgesamt 1,7 Prozent der landesweit zerstörten Flächen, das entspricht rund 184’600 Hektar, auf indigene Gebiete.
Umweltfachleute sehen in den aktuellen Zahlen zwar ein positives Signal, warnen jedoch vor voreiligem Optimismus. Trotz rückläufiger Entwaldungsraten hat Brasilien in den vergangenen sieben Jahren insgesamt mehr als 10,9 Millionen Hektar natürlicher Vegetation verloren. Das entspricht einer Fläche, die grösser ist als mehrere europäische Länder zusammen.
