Die jüngsten Zahlen aus Brasilien geben Anlass zur Hoffnung: Im Juni 2026 ist die von Satelliten registrierte Fläche mit Abholzungswarnungen im Amazonasgebiet gegenüber dem Vorjahresmonat um 35 Prozent zurückgegangen. Nach Angaben des brasilianischen Echtzeit-Überwachungssystems Deter wurden innerhalb eines Monats 1.233 Warnmeldungen erfasst, die sich auf eine Gesamtfläche von 297,26 Quadratkilometern erstreckten. Im Juni 2025 waren zwar nahezu gleich viele Warnungen registriert worden, die betroffene Fläche lag damals jedoch bei 457,61 Quadratkilometern.

Besonders bemerkenswert ist, dass die zerstörte Fläche im Amazonas den niedrigsten Juni-Wert seit rund zwei Jahrzehnten erreicht hat. Bereits seit 2023 ist ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten. Damals wurden noch 663 Quadratkilometer registriert, nachdem 2022 sogar mehr als 1.120 Quadratkilometer Wald unter den Warnmeldungen gefallen waren. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass die verstärkten Kontrollen und der politische Wille zum Schutz des Regenwaldes erste messbare Erfolge zeigen.
Dennoch wäre es verfrüht, von einer Trendwende zu sprechen. Auch wenn die Zahlen deutlich besser ausfallen als in den vergangenen Jahren, verschwinden weiterhin jeden Monat Hunderte Quadratkilometer wertvoller Regenwald. Jeder gerodete Hektar bedeutet den Verlust einzigartiger Tier- und Pflanzenarten, setzt grosse Mengen gespeicherten Kohlendioxids frei und schwächt eines der wichtigsten Klimaregulatoren unseres Planeten. Der Amazonas bleibt damit trotz der positiven Entwicklung ein Ökosystem unter enormem Druck.
Der aktuelle Überwachungszyklus von August 2025 bis Juni 2026 bestätigt den positiven Trend. In den ersten elf Monaten wurden insgesamt 11.554 Warnmeldungen mit einer betroffenen Fläche von 2.485,9 Quadratkilometern registriert. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorherigen Überwachungsjahres entspricht dies einem Rückgang der abgeholzten Fläche um 37,2 Prozent. Damals summierte sich die Zerstörung noch auf nahezu 4.000 Quadratkilometer.
Auch aus dem Cerrado, der artenreichen brasilianischen Savannenlandschaft, kommen vorsichtig positive Nachrichten. Dort wurden im Juni 2026 insgesamt 2.880 Warnmeldungen registriert, die eine Fläche von 481,52 Quadratkilometern betrafen. Obwohl die Anzahl der Warnungen höher lag als im Vorjahr, fiel die tatsächlich betroffene Fläche kleiner aus. Im Vergleich zum Juni 2025 ergibt sich ein Rückgang von
5,3 Prozent.
Allerdings mahnen Fachleute zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Daten. Das brasilianische Nationale Institut für Weltraumforschung (INPE), das das Deter-System betreibt, weist darauf hin, dass eine ungewöhnlich dichte Wolkendecke im Juni die satellitengestützte Beobachtung in Teilen des Cerrado erschwert haben könnte. Nicht jede gerodete Fläche lässt sich unter solchen Bedingungen zuverlässig erfassen. Die tatsächliche Entwicklung könnte daher von den veröffentlichten Zahlen abweichen.
Für den gesamten Überwachungszeitraum von August 2025 bis Juni 2026 wurden im Cerrado 22.256 Warnmeldungen registriert. Die betroffene Fläche belief sich auf 4.689,4 Quadratkilometer und lag damit 7,9 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums.
Die aktuellen Daten zeigen, dass Brasilien beim Kampf gegen die Abholzung Fortschritte erzielt. Gleichzeitig verdeutlichen sie aber auch, dass der Erfolg fragil bleibt.
Solange illegale Rodungen, Landraub und wirtschaftliche Interessen den Druck auf Amazonas und Cerrado aufrechterhalten, kann von einer endgültigen Entwarnung keine Rede sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der positive Trend dauerhaft festigt oder ob die Regenzeit, wirtschaftliche Entwicklungen und politische Entscheidungen die Fortschritte wieder zunichtemachen.
