Wissenschaftliche Prognosen zeichnen für den Amazonasraum ein beunruhigendes Bild. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent könnte sich im letzten Quartal 2026 ein sehr starkes El-Niño-Ereignis entwickeln, dessen Auswirkungen bis in die ersten Monate des Jahres 2027 reichen dürften. Die ungewöhnliche Erwärmung des Pazifiks könnte extreme Hitze, deutlich weniger Niederschläge und eine kritische Zunahme der Waldbrände auslösen. Besonders bedroht wären indigene Gemeinschaften, Flussuferbewohner und andere Bevölkerungsgruppen, deren Gesundheit und Lebensgrundlagen unmittelbar von den Flüssen und dem Wald abhängen.

Mehrere Bundesstaaten, darunter Amazonas, Acre und Roraima, haben mit ersten Vorbereitungen begonnen oder bereits den Notstand ausgerufen. Doch Fachleute und zivilgesellschaftliche Organisationen bemängeln, dass vielerorts konkrete Zeitpläne, gesicherte Finanzmittel und ausreichend ausgestattete Einsatzkräfte fehlen. Auf dem Papier existieren zwar Pläne, doch wie gefährdete Gemeinschaften tatsächlich geschützt und versorgt werden sollen, bleibt in vielen Punkten offen.
Die US-amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA warnt davor, dass das angekündigte El-Niño-Ereignis zwischen Oktober und Dezember die Kategorie «sehr stark» erreichen könnte. Klimamodelle deuten darauf hin, dass die Oberflächentemperatur des Pazifiks bis zu zwei Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegen könnte. Für tropische Regionen wie Amazonien wäre eine solche Entwicklung besonders folgenreich.
In der Amazonasregion würde sich die Erwärmung des Pazifiks mit der Trockenzeit überschneiden, die auch als «amazonischer Sommer» bezeichnet wird. In weiten Teilen der nördlichen Bundesstaaten, darunter Amazonas, Acre und Pará, hat die niederschlagsarme Zeit bereits begonnen. Sie dauert gewöhnlich bis November. In einem normalen Jahresverlauf sinken die Niederschlagsmengen, Flüsse und kleinere Wasserläufe führen weniger Wasser, ohne dass daraus zwangsläufig eine Katastrophe für die Bevölkerung entsteht.
Ein Super-El-Niño könnte diese natürlichen saisonalen Schwankungen jedoch drastisch verschärfen. Die Temperaturen würden weiter steigen, Flüsse könnten deutlich unter ihre normalen Pegelstände fallen und flache Gewässer sich gefährlich erwärmen. Zugleich würden die Folgen menschlicher Eingriffe in den Wald sichtbarer und zerstörerischer. Abholzung, illegale Landaneignung, Brandrodung und die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen schaffen offene und ausgetrocknete Gebiete, in denen sich Feuer besonders schnell ausbreitet. Der dabei entstehende Rauch bleibt nicht auf die Wälder beschränkt, sondern zieht über Dörfer und Städte hinweg.
Besonders aufmerksam wird die Entwicklung im äussersten Norden Amazoniens verfolgt. In Roraima beginnt die Trockenzeit später als in anderen Bundesstaaten der Nordregion, gewöhnlich im Oktober. Sie kann bis März oder April 2027 andauern. Damit könnte ausgerechnet jener Zeitraum, in dem sich El Niño voraussichtlich verstärkt, mit den trockensten Monaten des Bundesstaates zusammenfallen. Das Risiko schwerer Waldbrände wäre entsprechend hoch.
Wie gefährlich diese Kombination werden kann, zeigte sich bereits 2015 und 2016. Während des damals aussergewöhnlich starken El Niño, der unter der Bezeichnung «El Niño Godzilla» bekannt wurde, gehörte Roraima zu den am schwersten betroffenen Gebieten. Extreme Trockenheit und ausgedehnte Brände belasteten die Bevölkerung und setzten grosse Waldflächen unter enormen Druck.

Auch 2023 und 2024 erlebte das Amazonasbecken eine in der jüngeren Geschichte beispiellose Dürre. Damals wurden die Auswirkungen von El Niño zusätzlich durch ungewöhnlich hohe Temperaturen im Atlantik verstärkt. Diese als Atlantischer Dipol bekannte Konstellation ist für 2026 bislang nicht festgestellt worden. Das könnte die Lage im Vergleich zu den beiden Katastrophenjahren etwas entschärfen. Entwarnung bedeutet dies jedoch keineswegs.
Obwohl die Entwaldung in Amazonien zuletzt zurückgegangen ist, bleibt die Waldbrandgefahr hoch. Das brasilianische Institut für Weltraumforschung registrierte zwischen August 2025 und Mai 2026 einen Rückgang der Entwaldungswarnungen um 37,5 Prozent. Es war der niedrigste Wert, der für diesen Zeitraum seit Beginn der entsprechenden Messreihe erfasst wurde. Weniger Abholzung reduziert langfristig den Druck auf den Wald, kann aber die bereits entstandenen Schäden und die unmittelbaren Folgen extremer Hitze nicht aufheben.
Forschende des brasilianischen Amazonas-Instituts gehen davon aus, dass vor allem die Gefahr von Waldbränden grosse Aufmerksamkeit verlangt. Nach derzeitiger Einschätzung muss sich die extreme Dürre von 2023 und 2024 zwar nicht in identischer Form wiederholen. Dennoch könnte El Niño die Temperaturen gegenüber dem dreissigjährigen Mittel um bis zu zwei Grad erhöhen. Die Ausgangslage unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von 2024. Die vorausgegangene Trockenzeit war nicht so verheerend wie 2023.
Damals trockneten nicht nur die Vegetation, sondern auch der Waldboden stark aus. Dadurch entstand eine Art ökologisches Gedächtnis der Dürre: Obwohl die Trockenheit 2023 ausgeprägter gewesen war, fielen die Brände 2024 noch zerstörerischer aus, weil Wald und Boden bereits über Monate hinweg Feuchtigkeit verloren hatten. Eine vergleichbar starke Vorbelastung besteht derzeit nicht. Im Norden Amazoniens könnte die Brandsituation dennoch ernst werden.
Gleichzeitig erreichen die Wassertemperaturen im Pazifik nach Angaben von Fachleuten aussergewöhnlich hohe Werte. Dadurch könnte El Niño stärker ausfallen als frühere Ereignisse. Dem steht gegenüber, dass sich die Erwärmung des Pazifiks bisher nicht mit einem Atlantischen Dipol verbindet, wie dies 2023 und 2024 der Fall war.
Der Atlantische Dipol entsteht, wenn sich die Gewässer des Nordatlantiks nördlich des Äquators im Verhältnis zum Südatlantik stärker erwärmen. Tritt dieses Phänomen gleichzeitig mit der ungewöhnlichen Erwärmung des äquatorialen Pazifiks auf, können die Niederschläge über Amazonien noch deutlicher zurückgehen. Trockenheit und Hitze verstärken sich dann gegenseitig, während Flüsse sinken und Pflanzen ihre Widerstandskraft verlieren.

Die Folgen sind allerdings komplexer als die einfache Aussage, El Niño verursache überall in Amazonien Dürre. Zwar ist das Klimaphänomen grundsätzlich mit weniger Regen, höheren Temperaturen, Waldbränden, Baumsterben und sinkenden Flusspegeln verbunden. Wie stark diese Auswirkungen ausfallen, unterscheidet sich jedoch zwischen den einzelnen Teilbecken. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Erwärmung im Pazifik mit den Temperaturverhältnissen in verschiedenen Regionen des Atlantiks.
Unter bestimmten klimatischen Bedingungen kann die gleichzeitige Präsenz von El Niño und Atlantischem Dipol in einzelnen Gebieten sogar zu mehr Feuchtigkeit führen. Als Beispiel gilt das Teilbecken des Javari, in dem eine solche Konstellation feuchtere statt trocknerer Bedingungen hervorrufen kann. Dies zeigt, wie schwierig es ist, aus einem grossräumigen Klimaphänomen präzise Vorhersagen für einzelne Regionen abzuleiten.
In den Jahren 2005 und 2010 führte das Zusammenspiel verschiedener ozeanischer Temperaturmuster zu grossen Bränden in Acre und aussergewöhnlich niedrigen Pegelständen des Purus. Eine ähnliche Konstellation trug auch zur extremen Dürre von 2023 und 2024 bei. Damals sanken mehrere Flüsse auf historische Tiefstände. Besonders erschütternd war der Tod von mehr als 150 Amazonas-Flussdelfinen in Tefé. Die massenhafte Verendung der Tiere wurde zu einem sichtbaren Symbol dafür, wie weit die Klimakrise bereits in empfindliche Ökosysteme eingreift.
Fachleute des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung bestätigen, dass steigende Lufttemperaturen und eine zunehmende Waldbrandgefahr zu den wichtigsten erwarteten Folgen des Super-El-Niño gehören. Besonders gefährdet sind bereits geschädigte und fragmentierte Waldflächen. Ob sich daraus erneut eine Dürre wie 2023 und 2024 entwickelt, lässt sich derzeit jedoch noch nicht zuverlässig vorhersagen.
Für den Norden und Osten Amazoniens zeichnet sich eine Tendenz zu unterdurchschnittlichen Niederschlägen ab. Die stärksten Auswirkungen könnten im ersten Halbjahr 2027 auftreten. Für eine genaue Beurteilung müssen Fachleute zunächst beobachten, wie sich die Temperaturen im tropischen Atlantik entwickeln. Grössere Aufmerksamkeit verdient in den kommenden Monaten auch der Süden Amazoniens. Dort fällt die Hitze mit der regionalen Trockenzeit zusammen und kann das Potenzial für Brände erheblich erhöhen.

Die Auswirkungen werden nicht gleichmässig über die gesamte Region verteilt sein. Weniger Regen wird vor allem für den Norden und Osten erwartet, darunter für den Osten des Bundesstaates Amazonas, Pará, Roraima, Amapá und den Norden Tocantins. Für Acre werden gegenwärtig keine wesentlichen Veränderungen der Niederschlagsverteilung vorausgesagt. Bei den Temperaturen ist das Bild eindeutiger: In ganz Amazonien dürfte es wärmer als im langjährigen Durchschnitt werden.
Eine Ende Juni veröffentlichte technische Analyse mehrerer brasilianischer Wetter-, Weltraumforschungs- und Katastrophen-Schutzinstitutionen bekräftigte, dass El Niño die Regenmengen in Amazonien verringern könnte. Die Auswirkungen würden weit über die Wälder hinausreichen. Sinkende Pegelstände könnten die Schifffahrt behindern, den Fischfang beeinträchtigen und die Versorgung abgelegener Gemeinschaften erschweren.
Zu den schwersten dokumentierten Dürren der Amazonasregion gehören die Ereignisse von 2005 und 2010, die langanhaltende Trockenperiode von 2015 bis 2016 sowie der Klimakollaps der Jahre 2023 und 2024. Die jüngste Krise gilt als die schwerste und räumlich ausgedehnteste Dürre der jüngeren Geschichte Amazoniens.
Nach einem aktuellen Bericht des nationalen Zentrums für die Überwachung und Warnung vor Naturkatastrophen besteht eine Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent, dass der Super-El-Niño bis Anfang 2027 anhält. Erwartet wird eine Kombination aus überdurchschnittlichen Temperaturen und unterdurchschnittlichen Niederschlägen in Teilen des Mittelwestens, des Nordens und des Nordostens Brasiliens. In den kommenden Monaten könnte dadurch die Zahl der Brände steigen. Gleichzeitig sind mässige bis schwere Dürrebedingungen möglich, insbesondere im Westen Tocantins, im zentralen und südlichen Pará sowie im Norden des Bundesstaates Amazonas.

Im Mai ging die Zahl der indigenen Territorien, die von schwerer Trockenheit betroffen waren, leicht zurück. Dennoch besteht in Gebieten mehrerer indigener Gesundheitsdistrikte weiterhin ein erhebliches Wasserdefizit. Die Lage bleibt deshalb angespannt.
Das Klimaphänomen befindet sich nach Einschätzung der Fachleute noch in einer moderaten Phase, dürfte sich jedoch bis zum Jahresende schrittweise verstärken. Trotz verbesserter Modelle ist es zu früh, die räumliche Ausdehnung einer möglichen schweren Dürre oder die am stärksten betroffenen Gebiete verlässlich festzulegen.
Zwar werden unterdurchschnittliche Niederschläge erwartet, doch die Entwicklung hängt von mehreren Faktoren ab. Besonders schwierig ist die Vorhersage des Atlantiks, dessen Temperaturschwankungen weniger zuverlässig modelliert werden können als jene des Pazifiks. Frühere sehr starke El-Niño-Ereignisse führten zwar stets zu ausgeprägten Dürren im Amazonasbecken, doch Intensität und geografische Verteilung unterschieden sich erheblich.
Manche Dürren erfassten grosse Teile der Region, andere konzentrierten sich auf den äussersten Norden oder verschoben sich stärker in Richtung Nordosten. Deshalb lässt sich heute nicht seriös festlegen, wo die schwersten Auswirkungen auftreten werden. Bei einer technischen Sitzung des brasilianischen Umwelt- und Klimaschutzministeriums am 11. Juli aktualisierten Fachleute aus staatlichen Einrichtungen und Forschungszentren die Wetterprognosen und bewerteten die Waldbrandrisiken. Die Analysen bestätigten, dass El Niño den Niederschlagsrhythmus und die Temperaturen in verschiedenen Landesteilen während der zweiten Jahreshälfte beeinflussen dürfte.
Zwischen August und Oktober wird insbesondere in Amazonien und Zentralbrasilien mit einer erhöhten Waldbrandgefahr gerechnet. Zu den besonders gefährdeten Bundesstaaten gehören Amazonas, Pará, Tocantins, Maranhão und Mato Grosso. Für die Menschen in der Region sind dies keine abstrakten Klimamodelle. Amazonien geht nach Einschätzung sozialer und ökologischer Organisationen geschwächter in das neue El-Niño-Ereignis als in frühere Krisen. Jahrzehntelange Abholzung, Bergbau, Holzeinschlag, Strassenbau und die Ausweitung der Landwirtschaft haben die Fähigkeit des Waldes vermindert, extremen Wetterlagen standzuhalten.
Ein intakter Wald erzeugt Feuchtigkeit, trägt zur Bildung von Regen bei und schützt die Flüsse. Wird er gerodet oder in kleinere Flächen zerschnitten, verliert er einen Teil dieser regulierenden Kraft. An den neu entstandenen Waldrändern steigen die Temperaturen. Der Boden trocknet aus, und Feuer kann leichter in die Vegetation eindringen. Die Folgen eines starken El Niño reichen deshalb weit über sichtbare Umweltschäden hinaus. Sie greifen unmittelbar in den Alltag der Bevölkerung ein, besonders in jenen indigenen Gemeinschaften und der Menschen an den Flussufern. Viele dieser Orte verfügen bis heute nicht über die notwendige Infrastruktur, um längere Trockenperioden zu überstehen.

Sinkende Flüsse erschweren den Transport von Menschen, Lebensmitteln und Medikamenten. Trinkwasser wird knapp, die Fischbestände gehen zurück und landwirtschaftliche Ernten fallen aus. In den Städten können sich die Luftqualität verschlechtern, die Lebensmittelpreise steigen und Probleme bei der Wasserversorgung auftreten. Während der Dürren von 2023 und 2024 lag Manaus zeitweise unter einer dichten Decke aus giftigem Rauch, die durch illegal gelegte Feuer und ausser Kontrolle geratene Brände entstanden war.
Dabei muss klar zwischen dem Klimaphänomen und den Ursachen der Brände unterschieden werden. El Niño setzt den Wald nicht in Brand. Das Feuer beginnt mit Abholzung, illegaler Landaneignung, Brandrodung, der Ausweitung der Viehzucht und der Erschliessung neuer Flächen für wirtschaftliche Grossprojekte. Die Dürre macht den Wald leichter entzündlich, doch den Funken setzt in den meisten Fällen der Mensch.
Auch die Folgen für die öffentliche Gesundheit sind erheblich. Der Rauch verschlimmert Atemwegserkrankungen wie Asthma, Bronchitis und Lungenentzündungen. Feinstaub erhöht darüber hinaus das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere, indigene Gemeinschaften, Flussuferbewohner und Menschen, die im Freien arbeiten.
Damit geht es nicht allein um ein Umweltproblem. Es geht um Gesundheit, Hunger, Trinkwasser, Transport, Arbeit und letztlich um das Recht auf Leben. Die höchste Last tragen erneut jene Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. Von den Regierungen wird deshalb verlangt, ihre Massnahmen einzuleiten, bevor sich die Trockenheit verschärft. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören die kontinuierliche Überwachung der Flüsse und des Wetters, eine personelle und finanzielle Stärkung der Umwelt- und Katastrophenschutzbehörden sowie die dauerhafte Ausbildung indigener und lokaler Löschbrigaden.
Ebenso notwendig sind Vorräte an Trinkwasser, Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff für Gemeinschaften, die bei sinkenden Flusspegeln von der Aussenwelt abgeschnitten werden könnten. Die Behörden dürfen nicht warten, bis die Flüsse ausgetrocknet sind, der Rauch die Städte bedeckt und ganze Dörfer isoliert werden. Erst dann den Notstand auszurufen und improvisiert Hilfsgüter zu verteilen, wäre zu spät.
Indigene und kommunale Brigaden müssen rechtzeitig eingestellt und ausgestattet werden. Sie dürfen nicht nur während einer akuten Krise existieren oder unter prekären Bedingungen arbeiten. Sie benötigen eine angemessene Entlöhnung, verlässliche Ausrüstung, regelmässige Schulungen und eine dauerhafte Präsenz in den gefährdeten Gebieten.

Ein wöchentlicher Bericht des brasilianischen Programms zur gesundheitlichen Überwachung von Waldbränden weist bereits auf eine zunehmende Belastung durch Feuer und Luftverschmutzung hin. In der am 14. Juli veröffentlichten 27. epidemiologischen Woche wurden in Altamira im Bundesstaat Pará 30 Hitzeherde registriert. In Mateiros und Lagoa da Confusão in Tocantins waren es 33 beziehungsweise 28. Damit gehörten diese Gemeinden zu den Orten mit den meisten registrierten Brandherden in Brasilien.
Der Bericht stellte zudem in mehreren Bundesstaaten eine Verschlechterung der Luftqualität fest. Im Bundesstaat Amazonas lagen die Konzentrationen von Feinstaub der Kategorie PM2,5 länger als zwei aufeinanderfolgende Tage über dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Tagesgrenzwert. Eine längere Belastung durch diese feinen Partikel steht mit mehr Atemwegsbeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen in Verbindung.
Inzwischen beschäftigt sich auch das Oberste Bundesgericht mit den Vorbereitungen auf El Niño. Im Mai wurden die Bundesregierung und die Regierungen der Amazonasstaaten verpflichtet, Auskunft darüber zu geben, welche Planungs- und Präventionsmassnahmen sie angesichts der Klimaprognosen umsetzen. Das Verfahren gehört zu einer laufenden Verfassungsklage, in der staatliche Versäumnisse beim Schutz Amazoniens geprüft werden.
Nach Angaben des Gerichts bleibt die Angelegenheit unter richterlicher Beobachtung, bis die Entscheidung des Plenums vollständig umgesetzt ist. Über weitere mögliche Schritte äusserte sich das Gericht nicht, um künftigen Entscheidungen nicht vorzugreifen.
Trotz der Aussicht auf langanhaltende Auswirkungen haben die Regierungen der Amazonasstaaten bisher nur teilweise erläutert, mit welchen konkreten Mitteln sie die Folgen von El Niño ab 2026 verhindern oder zumindest abschwächen wollen.
Im Mai forderten mehr als 70 Organisationen die Bundesregierung in einem gemeinsamen Dokument zu vorbeugenden Massnahmen auf. Staatliche Strategien müssten demnach mit jenen Initiativen verbunden werden, die in den betroffenen Territorien und Gemeinschaften bereits bestehen. Eine journalistische Anfrage an die Regierungen von Amazonas, Acre und Roraima sollte klären, wie sie sich auf eine mögliche Dürre vorbereiten, die Bekämpfung von Waldbränden verstärken und besonders gefährdete Gemeinschaften schützen wollen.
Der Bundesstaat Amazonas rief im Juni für 180 Tage den Klima- und Umweltnotstand aus. Begründet wurde die Massnahme mit den Prognosen zu El Niño. Das Dekret sieht eine Verstärkung der Überwachung, Prävention, Schadensbegrenzung und Einsatzvorbereitung vor. Im Mittelpunkt stehen Waldbrände, Hitzewellen und eine mögliche Verringerung der verfügbaren Wasserressourcen. Mehrere staatliche Einrichtungen, darunter der Katastrophenschutz, die Feuerwehr, Umwelt- und Gesundheitsbehörden, erhielten entsprechende Zuständigkeiten.

Wie ernst die Gefahr ist, zeigte sich bereits 2015. Während des damaligen starken El Niño registrierte der Bundesstaat Amazonas eine grosse Zahl von Brandherden und Waldbränden. Manaus war monatelang von Rauch bedeckt. Die damalige Regionalregierung machte zunächst Brände im benachbarten Pará verantwortlich. Diese Darstellung wurde später durch wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt.
Die heutige Regierung von Amazonas erklärte jedoch nicht, wie die angekündigten Massnahmen praktisch umgesetzt werden sollen. Weder ein genauer Zeitplan noch die verfügbaren Finanzmittel oder die Zahl zusätzlicher Einsatzkräfte wurden genannt. Damit bleibt offen, ob die Behörden bei einer Verschärfung der Lage über ausreichende Kapazitäten verfügen.
Roraima befindet sich nach eigenen Angaben noch in der Planung für die kommende Trockenzeit. Beobachtet werden Wetterprognosen, Niederschlagsmengen, Pegelstände von Flüssen und kleineren Wasserläufen, Luftfeuchtigkeit, Hitzeherde und der Zustand der Vegetation. Der staatliche Notfallplan für Trockenheit und Waldbrände wird gegenwärtig überarbeitet.
Er soll Alarmstufen, Mobilisierungsverfahren, den Einsatz vorhandener Ressourcen und die Versorgung betroffener Gemeinschaften festlegen. Als Referenz dienen die Trockenheit und die Brände von 2023 und 2024. Damals waren 53’314 Menschen unmittelbar betroffen. Alle 14 Gemeinden Roraimas riefen aufgrund der Dürre und der Waldbrände den Notstand aus.
Zu den vorgesehenen Massnahmen gehören eine verstärkte Überwachung der Hitzeherde, Informations- und Präventionskampagnen sowie Besuche auf landwirtschaftlichen Betrieben und in abgelegenen Gemeinschaften. Hinzu kommen der Bau und Unterhalt von Brandschutzstreifen sowie die strategische Stationierung von Personal und Ausrüstung. Falls erforderlich, sollen Trinkwasser, Lebensmittel und weitere Hilfsgüter verteilt werden. Vorrang sollen ländliche und indigene Gemeinschaften sowie schwer zugängliche Orte erhalten.
Welche Gebiete zuerst unterstützt werden, ist noch nicht abschliessend geklärt. Die Priorisierung soll sich an früheren Bränden, der Wasserverfügbarkeit, der Anwesenheit gefährdeter Bevölkerungsgruppen und der Erreichbarkeit der einzelnen Orte orientieren.
Unbeantwortet bleibt, wie viele Brigademitglieder 2026 eingestellt wurden, um Feuerwehr und Katastrophenschutz zu unterstützen. Auch das Budget für die angekündigten Massnahmen wurde nicht offengelegt. Ob Personal, Fahrzeuge, Geräte und Löschbrigaden für die nächste Trockenperiode beibehalten oder verstärkt werden, hängt laut Regierung von den weiteren Klimaprognosen, der Kartierung der Risikogebiete und den verfügbaren Finanzmitteln ab.
Die Regierung von Acre beantwortete die journalistischen Anfragen bis zum Abschluss der Reportage nicht. In offiziellen Mitteilungen erklärte der Bundesstaat jedoch, seine Planungen für eine möglicherweise schwere, durch El Niño verstärkte Trockenheit auszuweiten.
Zu den angekündigten Massnahmen gehört ein eigener Notfallplan für indigene Territorien. Dieser wird gemeinsam von der zuständigen Behörde für indigene Angelegenheiten, dem Katastrophenschutz, Gesundheitsdiensten und indigenen Führungspersonen ausgearbeitet.
Vorgesehen sind eine engmaschige Überwachung, logistische Unterstützung, Massnahmen zur Ernährungssicherheit und zur Trinkwasserversorgung sowie Planungen für Transportmittel, Treibstoff und Hilfen für betroffene Familien. Sollte sich die Dürre verschärfen, sollen die Gemeinschaften dadurch möglichst rasch versorgt werden können. Zudem ist geplant, den Zugang zu sauberem Trinkwasser in den Dörfern zu verbessern. Dafür sollen Brunnen gebaut oder instand gesetzt und zusätzliche Wasserreservoirs eingerichtet werden.
Im Umweltbereich konzentrieren sich die Kontrollen gegen Abholzung und Waldbrände auf die Regionen Juruá, Tarauacá-Envira, Purus, Baixo Acre und Alto Acre. Nach offiziellen Angaben stellte die Umweltbehörde von Acre allein 2026 insgesamt 95 Verstösse fest. Sie verhängte Geldbussen in Höhe von 7,16 Millionen Real und sperrte 548 Hektaren illegal genutzter Flächen.
Ob diese Vorbereitungen ausreichen, wird sich erst zeigen, wenn sich das Zusammenspiel zwischen Pazifik, Atlantik, Niederschlägen und regionalen Trockenzeiten deutlicher abzeichnet. Schon jetzt steht jedoch fest, dass ein starkes El-Niño-Ereignis auf einen Wald trifft, der durch jahrzehntelange Eingriffe an Widerstandskraft verloren hat.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht allein, wie extrem das Klima wird. Ebenso entscheidend ist, ob die Behörden handeln, bevor Flüsse unpassierbar werden, Rauch die Atemluft vergiftet und das Feuer erneut jene Menschen erreicht, die dem Wald am nächsten stehen und zugleich am wenigsten für die Krise verantwortlich sind.
Original: Nicoly Ambrosio, AmazoniaReal
Wer ist Amazônia Real
Die unabhängige und investigative Journalismusagentur Amazônia Real ist eine gemeinnützige Organisation, die von den Journalistinnen Kátia Brasil und Elaíze Farias am 20. Oktober 2013 in Manaus, Amazonas, im Norden Brasiliens gegründet wurde.
Der von Amazônia Real produzierte Journalismus Real stützt sich auf die Arbeit von Fachleuten, die mit viel Feingefühl auf der Suche nach großen Geschichten über das Amazonasgebiet und seine Bewohner sind, insbesondere solche, über die in der Mainstream-Presse nicht berichtet wird.
