Indigene Territorien schützen Wald, Klima und Artenvielfalt

In weiten Teilen der indigenen Territorien Amazoniens ist der Wald im jüngsten Beobachtungszeitraum vollständig intakt geblieben. Zwischen August 2025 und Juli 2026 registrierte das satellitengestützte Entwaldungswarnsystem SAD in 60 Prozent dieser Schutzgebiete keine einzige neue Rodungsfläche. Die Daten unterstreichen einmal mehr, wie wirkungsvoll indigene Territorien zur Bewahrung des Amazonaswaldes beitragen.

Weniger Rodungen des Regenwaldes – Foto: AgenciaBrasil

Insgesamt gingen im brasilianischen Amazonasgebiet innerhalb dieser zwölf Monate 2702 Quadratkilometer Wald verloren. Lediglich 1,7 Prozent der gesamten gerodeten Fläche lagen innerhalb indigener Gebiete. Das entspricht 46,96 Quadratkilometern. Neue Rodungen wurden zwar in 40 Prozent der Territorien festgestellt, doch handelte es sich dabei überwiegend um einzelne Flächen von weniger als einem Quadratkilometer.

Damit zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen indigenen Gebieten und den umliegenden, häufig wesentlich stärker unter Druck stehenden Landschaften. Wo indigene Gemeinschaften ihre angestammten Territorien schützen und bewirtschaften können, bleiben zusammenhängende Waldflächen in vielen Fällen erhalten. Davon profitiert nicht nur die aussergewöhnliche biologische Vielfalt Amazoniens.

Intakte Wälder speichern Kohlenstoff, beeinflussen die regionalen Niederschläge und stabilisieren den Wasserhaushalt weit über ihre unmittelbaren Grenzen hinaus. Die Zahlen dürfen dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch indigene Gebiete weiterhin von illegalen Rodungen, Holzschlag, Bergbau, Landraub und Bränden bedroht sind. Die grösste gerodete Fläche innerhalb eines solchen Territoriums wurde in Cachoeira Seca im Bundesstaat Pará festgestellt.

Dort verschwanden 4,44 Quadratkilometer Wald. Es folgten Andirá-Marau an der Grenze zwischen Amazonas und Pará mit 2,83 Quadratkilometern sowie Porquinhos dos Canela-Apãnjekra im Bundesstaat Maranhão mit 2,53 Quadratkilometern. Auch andere Schutzgebiete konnten die Zerstörung nicht vollständig aufhalten. Innerhalb der Naturschutzeinheiten Amazoniens wurden 239,76 Quadratkilometer gerodet. Das waren neun Prozent der gesamten Entwaldung im Biom. Besonders stark betroffen war das Umweltschutzgebiet Triunfo do Xingu in Pará, das 90,87 Quadratkilometer seiner ursprünglichen Vegetation verlor.

Im Nationalforst Altamira, ebenfalls in Pará, wurden 25,96 Quadratkilometer abgeholzt. Im Extraktionsreservat Chico Mendes im Bundesstaat Acre belief sich der Verlust auf 17,24 Quadratkilometer. Auf Ebene der Bundesstaaten verzeichnete Pará mit 818 Quadratkilometern die grösste gerodete Fläche. Dahinter folgten Mato Grosso mit 565 Quadratkilometern und Amazonas mit 495 Quadratkilometern.

Die drei Staaten gehören aufgrund ihrer enormen Fläche regelmässig zu den am stärksten betroffenen Regionen und wechseln sich in der Rangfolge ab. Gegenüber dem vorherigen Beobachtungsjahr ging die Entwaldung jedoch in allen drei Bundesstaaten zurück. Für das gesamte Amazonasgebiet ergibt sich damit der niedrigste Entwaldungswert seit elf Jahren. Im Vergleich zum Zeitraum von August 2024 bis Juli 2025, als 3503 Quadratkilometer Wald verloren gingen, sank die gerodete Fläche um 23 Prozent. Seit Beginn der entsprechenden Messreihe im Jahr 2007 wurde ein vergleichbar niedriger Wert zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt festgestellt.

Der Rückgang ist ein wichtiges Signal, bedeutet aber noch keine Entwarnung. Neben vollständig gerodeten Flächen erfasst das Warnsystem auch geschädigte Waldgebiete. Dort ist ein Teil der natürlichen Vegetation noch vorhanden, doch Feuer oder selektiver Holzeinschlag haben die Struktur und Funktionsfähigkeit des Ökosystems bereits beeinträchtigt. Solche Schäden sind auf Satellitenbildern weniger auffällig als grossflächige Kahlschläge, können den Wald aber austrocknen, seine Widerstandskraft schwächen und spätere Brände begünstigen.

Von August 2025 bis Juli 2026 wurden 2577 Quadratkilometer geschädigter Wald registriert. Gegenüber dem vorangegangenen Zeitraum, in dem die betroffene Fläche 35’229 Quadratkilometer erreicht hatte, entspricht dies einem Rückgang um 93 Prozent. Die aussergewöhnlich starke Abnahme ist erfreulich, muss aufgrund der grossen jährlichen Schwankungen bei Bränden und Waldschäden jedoch über längere Zeit beobachtet werden.

Besonders eindrücklich bleibt die Rolle der indigenen Territorien. Dass sechs von zehn dieser Gebiete während eines ganzen Beobachtungsjahres keine neue Entwaldung aufwiesen, ist kein beiläufiger statistischer Erfolg. Es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Schutz indigener Lebensräume zugleich Wald-, Klima- und Artenschutz bedeutet. Wo die Rechte der ursprünglichen Bevölkerung respektiert, ihre Gebiete wirksam überwacht und ihre Lebensweisen gesichert werden, erhält auch der Amazonaswald eine bessere Chance, als lebendiges Ökosystem fortzubestehen.

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