Der Schauspieler Leonardo DiCaprio besucht im brasilianischen Pantanal bedeutende Forschungs- und Artenschutzprojekte. Auf der Fazenda Caiman in Mato Grosso do Sul erhält er Einblick in den Schutz von Jaguaren, Ameisenbären und Hunderten Vogelarten. Das 53’000 Hektar grosse Anwesen verbindet Naturschutz, Forschung, Viehzucht und Ökotourismus

Besonders im Mittelpunkt steht ein 2011 gegründetes Jaguarprojekt. Es untersucht das Verhalten der grössten Raubkatze Amerikas und entwickelt Strategien, um ihr langfristiges Überleben zu sichern. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Beobachtungstourismus.
Besucher können Jaguare in freier Wildbahn erleben, ohne dass die Tiere gefüttert, dressiert oder in ihrer natürlichen Lebensweise eingeschränkt werden.
Durch eine behutsame Gewöhnung lernen die Raubkatzen, die Fahrzeuge der Safarigäste nicht als unmittelbare Bedrohung wahrzunehmen. Ihre Instinkte und ihr wildes Verhalten bleiben dabei erhalten. Eine Annäherung an Menschen findet nicht statt. Diese Form der Beobachtung liefert zugleich wertvolle wissenschaftliche Daten. Fachleute dokumentieren Bewegungsmuster, Jagdverhalten, Fortpflanzung und soziale Beziehungen. Individuelle Jaguare lassen sich anhand ihres einzigartigen Fleckenmusters unterscheiden, das ähnlich unverwechselbar ist wie ein menschlicher Fingerabdruck.
Seit Beginn des Programms wurden mehr als 300 Jaguare identifiziert und über 3’400 Sichtungen dokumentiert. Von 32 Tieren konnten biologische Proben gewonnen werden. Ausserdem wurden 50 Jaguare zeitweise mit Funkhalsbändern ausgestattet, um ihre Wanderungen, bevorzugten Lebensräume und Reviergrössen genauer zu untersuchen.
Das Projekt widmet sich auch verletzten, verwaisten oder aus Konfliktsituationen geretteten Tieren. Einzelne Jaguare werden rehabilitiert und, sofern ihr Zustand es zulässt, wieder ausgewildert. Besondere Bedeutung hatte die erfolgreiche Rückkehr eines grossen Raubtiers in die Natur, das sich später fortpflanzte. Die Geburt von Jungtieren zeigte, dass eine fachlich begleitete Auswilderung nicht nur das Überleben eines einzelnen Tieres ermöglichen, sondern auch zur Stabilisierung einer Population beitragen kann.
Die Erfahrungen aus dem Pantanal werden inzwischen auch in anderen brasilianischen Naturräumen genutzt, darunter im Amazonasgebiet, im Cerrado und im Atlantischen Regenwald. Von der Anwesenheit der Jaguare profitieren nicht allein Wissenschaft und Artenschutz. Der Beobachtungstourismus schafft Arbeitsplätze für Menschen aus der Region, etwa als Naturführer, Fahrer, Fachkräfte, Köche oder Mitarbeitende in den Unterkünften. Ein lebender Jaguar erhält dadurch auch einen wirtschaftlichen Wert für die lokale Bevölkerung.
Je grösser das Interesse an einer intakten Tierwelt ist, desto stärker wächst der Anreiz, Lebensräume zu bewahren und Konflikte zwischen Viehhaltung und Raubkatzen zu verringern. Ein weiteres traditionsreiches Schutzprogramm auf der Fazenda gilt dem Hyazinth-Ara. Als die Arbeit 1990 begann, war die Zukunft des imposanten, leuchtend blauen Vogels höchst ungewiss. Illegaler Tierhandel, der Verlust alter Brutbäume und die Entnahme von Federn hatten die Bestände stark unter Druck gesetzt.

Seither werden Nester kontrolliert, beschädigte Brutplätze instandgesetzt und künstliche Nisthilfen installiert. Kameras ermöglichen die Beobachtung der Vögel, ohne sie während der empfindlichen Brutzeit unnötig zu stören. Fachleute untersuchen Eier, begleiten die Entwicklung der Jungtiere und erforschen, welche Bedingungen für eine erfolgreiche Fortpflanzung notwendig sind.
Mittlerweile umfasst das Verzeichnis des Projekts mehr als 1’000 Brutplätze. Über 500 davon sind natürliche Höhlen, weitere gut 500 wurden künstlich geschaffen. Die jahrzehntelange Arbeit hat wesentlich zur Erholung der Art im Pantanal beigetragen. 2014 verschwand der Hyazinth-Ara aus der brasilianischen Liste der unmittelbar vom Aussterben bedrohten Arten. International wird er weiterhin als gefährdet eingestuft. Sein Fortbestand ist deshalb keineswegs selbstverständlich.
Auch die Blaustirnamazone steht im Mittelpunkt eines eigenen Forschungsprogramms. Der grüne Papagei mit seiner auffälligen blauen Stirn zählt zu den brasilianischen Vogelarten, die besonders häufig für den illegalen Wildtierhandel gefangen werden. Dabei werden Jungvögel oft aus ihren Nestern genommen. Viele überleben Fang, Transport und schlechte Haltung nicht. Seit 1997 untersuchen Fachleute, wie die Papageien leben, brüten und die unterschiedlichen Landschaftsräume des Pantanals nutzen.

Sie kontrollieren Nester, dokumentieren das Wachstum der Jungvögel und verfolgen Tiere nach dem Ausfliegen. An gemeinschaftlichen Schlafplätzen werden regelmässig Zählungen vorgenommen, um Veränderungen der Populationen frühzeitig erkennen zu können. Ebenso wichtig ist die Umweltbildung. Bewohner und Gäste erfahren, welche Folgen der Fang eines vermeintlich einzelnen Jungvogels für eine Brut, eine lokale Population und letztlich für das ökologische Gleichgewicht haben kann. Papageien erfüllen in den Lebensräumen des Pantanals wichtige Aufgaben, unter anderem bei der Verbreitung von Samen.
Neben Raubkatzen und Vögeln werden auf der Fazenda auch Ameisenbären, Gürteltiere und Faultiere erforscht. Diese ausschliesslich auf dem amerikanischen Kontinent heimischen Säugetiere sind trotz ihrer auffälligen Erscheinung in vielen Regionen noch erstaunlich wenig untersucht. Die seit 2005 laufenden Arbeiten erstrecken sich über den Pantanal hinaus auf das Amazonasgebiet, den Cerrado und den Atlantischen Regenwald. Dabei werden nicht nur einzelne Tiere beobachtet, sondern auch ihre Lebensräume und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind. Dazu gehören Brände, Abholzung, Strassenverkehr, landwirtschaftliche Nutzung und die zunehmende Zerschneidung natürlicher Gebiete.

Gerade der Grosse Ameisenbär ist auf ausgedehnte Landschaften angewiesen. Auf seinen Wanderungen überquert er immer wieder Strassen und wird dadurch häufig Opfer von Verkehrsunfällen. Erkenntnisse aus der Feldforschung sollen deshalb auch in Schutzkonzepte und politische Entscheidungen einfliessen.
Für Leonardo bietet der Aufenthalt die Gelegenheit, diese unterschiedlichen Ansätze unmittelbar kennenzulernen. Der Schauspieler ist seit Jahren für sein Engagement in Umweltfragen bekannt. Im Pantanal erlebt er nun, wie Forschung, Umweltbildung und Tourismus miteinander verbunden werden können, um bedrohte Arten und ihre Lebensräume zu schützen.
Zum Programm gehören Safaris zur Tierbeobachtung, Wanderungen, Kanufahrten und Exkursionen durch die charakteristische Vegetation des Pantanals. Reitausflüge und spezielle Vogelbeobachtungen können zusätzlich gebucht werden.

Wer einzelne Forschungsprojekte aus nächster Nähe kennenlernen möchte, muss dies im Voraus vereinbaren. Teilweise ist damit eine direkte Spende an die jeweilige Initiative verbunden. Zusätzlich wird pro Gast und Aufenthalt eine Umweltabgabe von 500 Real erhoben. Die Einnahmen fliessen in die Schutzprogramme und in die Pflege des privaten Reservats.
Der Besuch eines international bekannten Schauspielers sorgt zwangsläufig für Aufmerksamkeit. Entscheidend ist jedoch, worauf sich diese Aufmerksamkeit richtet. Im Pantanal geht es nicht allein um eindrucksvolle Begegnungen mit Jaguaren, farbenprächtigen Aras oder Ameisenbären. Es geht um die Frage, wie eine der artenreichsten Landschaften Südamerikas dauerhaft bewahrt werden kann.
Die Fazenda zeigt, dass Naturschutz, Forschung, lokale Beschäftigung und hochwertiger Tourismus einander ergänzen können. Das Modell ist anspruchsvoll und nicht frei von Widersprüchen. Doch es macht sichtbar, dass der Schutz der Tierwelt besonders dann an Kraft gewinnt, wenn auch die Menschen der Region eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektive darin erkennen. Genau diese Verbindung erlebt Leonardo DiCaprio während seiner Tage im Pantanal aus unmittelbarer Nähe.
