Leci Brandão krönt 50 Jahre Samba mit einer Grammy-Nominierung

Mit 82 Jahren erlebt Leci Brandão einen weiteren Höhepunkt ihrer aussergewöhnlichen Laufbahn. Die Sambasängerin und politische Aktivistin ist mit dem Album «Leci Brandão – 50 Anos de Carreira» für den Latin Grammy 2026 nominiert worden. Das Werk tritt in der Kategorie «Bestes Samba-/Pagode-Album» an und würdigt ein halbes Jahrhundert, in dem die Künstlerin die brasilianische Musik ebenso geprägt hat wie gesellschaftliche und politische Debatten.

Leci Brandão 80 Jahre – Foto: Screenshot Video

In den sozialen Medien reagierte Brandão mit grosser Dankbarkeit auf die Anerkennung durch die Latin Recording Academy. Nach all den Jahren ihres künstlerischen Weges sei es ein Geschenk, den eigenen Samba über Grenzen hinweg wirken zu sehen, erklärte sie. Die Nominierung besitzt für die Sängerin auch deshalb eine besondere Bedeutung, weil das Album ihre Rückkehr zu neuen Plattenproduktionen markiert. Seit 2013 hatte sie kein neues Werk mehr veröffentlicht.

«Leci Brandão – 50 Anos de Carreira» ist weit mehr als eine musikalische Rückschau. Das Album verbindet neue Kompositionen mit zeitgemässen Interpretationen bekannter Werke aus dem Samba und der Música Popular Brasileira, kurz MPB. Dabei begegnen sich verschiedene Generationen, Stilrichtungen und Klangwelten der brasilianischen Musik.

Zum Repertoire gehören Lieder, die mit Künstlern und Formationen wie Jorge Jargão, Grupo Revelação, Elis Regina und Fundo de Quintal verbunden sind. Diese Auswahl spiegelt die Vielfalt einer Musikkultur wider, in der traditioneller Samba, Pagode und populäre brasilianische Musik seit Jahrzehnten miteinander im Dialog stehen. Brandãos kraftvolle Stimme und ihre unverwechselbare Art des Erzählens verleihen den bekannten Stücken zugleich eine eigene, persönliche Perspektive.

Ihre Karriere begann in den 1970er-Jahren. Seither entwickelte sie sich zu einer der bedeutendsten Stimmen des brasilianischen Samba. Ihre Musik war dabei nie auf reine Unterhaltung beschränkt. In ihren Kompositionen spricht sie über soziale Ungleichheit, Rassismus, die Stellung der Frauen und die Lebenswirklichkeit der afrobrasilianischen Bevölkerung. Zugleich greift sie religiöse und kulturelle Elemente des Candomblé auf und würdigt Ausdrucksformen der afrobrasilianischen Identität, zu denen auch die musikalische und gesellschaftliche Arbeit des Kulturblocks Olodum gehört.

Diese enge Verbindung zwischen Musik, Erinnerung und politischem Bewusstsein macht Leci Brandão zu einer besonderen Persönlichkeit der brasilianischen Kultur. Sie gehört zu jenen Künstlerinnen, die den Samba als Stimme der Bevölkerung verstehen: als Musik des Widerstands, der Gemeinschaft, der Freude und des Stolzes auf die eigenen Wurzeln.

Zu ihrem umfangreichen Repertoire zählen Lieder wie «Sonho Meu», «Zé do Caroço» und «Deixa pra Lá». Besonders «Zé do Caroço» wurde zu einem Sinnbild für die soziale Kraft des Samba. Das Lied erzählt von einer Stimme aus einer Favela, die Missstände öffentlich macht und den Bewohnern Gehör verschafft. Damit steht es beispielhaft für Brandãos künstlerisches Selbstverständnis: Musik kann unterhalten, aber sie kann ebenso aufklären, verbinden und gesellschaftliche Veränderungen anstossen.

Die Grammy-Nominierung nach fünf Jahrzehnten auf der Bühne ist deshalb mehr als eine späte Auszeichnung für ein gelungenes Album. Sie bestätigt die anhaltende Bedeutung einer Künstlerin, die dem Samba über Generationen hinweg treu geblieben ist und ihn zugleich als lebendige, grenzüberschreitende Ausdrucksform weiterentwickelt hat. Leci Brandãos Stimme trägt die Geschichte der afrobrasilianischen Kultur in sich, doch sie richtet sich weiterhin entschlossen an die Gegenwart.

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