Rekord auf den Feldern: Brasiliens Landwirtschaft wächst kräftig

Nach einem von ungünstigen Wetterbedingungen geprägten Jahr 2024 hat Brasiliens Landwirtschaft 2025 eine kräftige Erholung verzeichnet. Die Ernte von Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten erreichte insgesamt 345,4 Millionen Tonnen. Damit lag die produzierte Menge 18,2 Prozent über dem Vorjahreswert, als die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño in zahlreichen Anbaugebieten zu erheblichen Einbussen geführt hatten.

Brasiliens Agrarproduktion – Grafik mithilfe einer KI erstellt

Auch wirtschaftlich erreichte die brasilianische Landwirtschaft eine neue Grössenordnung. Der Produktionswert stieg gegenüber 2024 um 18,4 Prozent auf 927,2 Milliarden Real. Diese Kennzahl verbindet die tatsächlich geernteten Mengen mit den beim Verkauf erzielten Preisen. Sie zeigt deshalb nicht nur, wie viel produziert wurde, sondern auch, welchen Marktwert die Erzeugnisse zum jeweiligen Zeitpunkt hatten.

Allerdings handelt es sich um nominale Beträge in der Währung des jeweiligen Erhebungsjahres. Die Zahlen wurden also nicht um die Inflation bereinigt und lassen sich nur eingeschränkt mit weit zurückliegenden Jahren vergleichen. Dennoch ist der Wert von 2025 der höchste, der mindestens seit der Einführung des brasilianischen Reals im Jahr 1994 ermittelt wurde.

Die Angaben stammen aus der Erhebung zur landwirtschaftlichen Produktion der brasilianischen Gemeinden, die das staatliche Statistikamt IBGE am Donnerstag, dem 17. September 2026, veröffentlichte. Die Untersuchung erfasst die landwirtschaftliche Produktion auf kommunaler Ebene und ermöglicht damit einen detaillierten Blick auf die Entwicklung einzelner Kulturen, Bundesstaaten und Grossregionen.

Erstmals überschritt die abgeerntete Fläche in Brasilien die Marke von 100 Millionen Hektaren. Insgesamt wurden 2025 auf 100,6 Millionen Hektaren landwirtschaftliche Erzeugnisse eingebracht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 4,4 Prozent. Die Dimension dieser Fläche ist aus europäischer Sicht kaum vorstellbar: 100,6 Millionen Hektaren entsprechen etwas mehr als einer Million Quadratkilometern.

Das ist eine Fläche von fast dem 24-Fachen der Schweiz. Sie ist zudem grösser als der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso mit seinen rund 903’000 Quadratkilometern und beinahe so gross wie das gesamte Staatsgebiet Boliviens.

Die zehn wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse nach ihrem Produktionswert im Jahr 2025:
1.) Soja: 315,2 Milliarden R$
2.) Mais: 122,1 Milliarden R$
3.) Zuckerrohr: 108,9 Milliarden R$
4.) Kaffee (Bohnen): 100 Milliarden R$
5.) Baumwolle (nicht entkörnt): 40,6 Milliarden R$
6.) Orangen: 23 Milliarden R$
7.) Reis (ungeschält): 19,6 Milliarden R$
8.) Maniok: 18,9 Milliarden R$
9.) Bananen: 16,4 Milliarden R$
10.) Tabakblätter: 14,4 Milliarden R$

Das mit Abstand bedeutendste landwirtschaftliche Erzeugnis blieb die Sojabohne. Sie allein erwirtschaftete einen Produktionswert von 315,2 Milliarden Real und stand damit für 34 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswertes Brasiliens. Das Land behauptete seine Stellung als weltweit grösster Produzent und Exporteur von Soja.

Die Sojaernte wuchs innerhalb eines Jahres um 14,4 Prozent auf 165,2 Millionen Tonnen. Gegenüber 2024 wurden damit rund 20,8 Millionen Tonnen zusätzlich geerntet. Neben günstigen Erntebedingungen spielte auch das internationale Marktumfeld eine wichtige Rolle. Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China führte dazu, dass chinesische Abnehmer verstärkt brasilianische Sojabohnen nachfragten. Dadurch blieben die in Brasilien erzielten Preise während der letzten Monate des Jahres vergleichsweise stabil.

Hinter Soja folgte Mais mit einem Produktionswert von 122,1 Milliarden Real. Zuckerrohr erreichte 108,9 Milliarden Real, während Kaffee mit annähernd 100 Milliarden Real auf dem vierten Platz lag. Baumwolle kam auf 40,6 Milliarden Real. Danach folgten Orangen mit 23 Milliarden, ungeschälter Reis mit 19,6 Milliarden, Maniok mit 18,9 Milliarden, Bananen mit 16,4 Milliarden und Tabakblätter mit 14,4 Milliarden Real.

Gerade bei der Baumwolle zeigte sich, wie stark technologische Investitionen die brasilianische Landwirtschaft verändert haben. Die Produktion nahm innerhalb eines Jahres um 16,4 Prozent zu und erreichte sechs Millionen Tonnen. Damit stieg Brasilien zum weltweit grössten Baumwoll-Exporteur auf.

Diese Entwicklung beruht nach Einschätzung des Statistikamtes insbesondere auf Investitionen in moderne Anbaumethoden, effizientere Produktionsverfahren und Massnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit. Das wichtigste Zentrum des brasilianischen Baumwollanbaus liegt im Cerrado, der weitläufigen Savannenlandschaft im Zentrum des Landes, wobei Mato Grosso eine herausragende Stellung einnimmt.

Der wirtschaftliche Erfolg stärkt Brasiliens Position auf dem internationalen Markt für Textilrohstoffe und andere Agrargüter. Die Branche bringt dem Land hohe Exporterlöse und schafft zahlreiche direkte und indirekte Arbeitsplätze. Gleichzeitig stellt die Expansion die Politik, die Agrarunternehmen und die Gesellschaft vor die Aufgabe, Produktionssteigerungen mit dem Schutz von Böden, Wasserressourcen und natürlichen Lebensräumen zu verbinden.

Dies gilt besonders für den Cerrado, der zu den artenreichsten Savannenregionen der Erde zählt und zugleich zu den am stärksten landwirtschaftlich genutzten Landschaften Brasiliens gehört. Aussergewöhnlich entwickelte sich auch der Wert der Kaffeeproduktion. Er stieg gegenüber dem Vorjahr um 44,7 Prozent und erreichte beinahe 100 Milliarden Real. Die geerntete Menge nahm dagegen lediglich um drei Prozent auf 3,4 Millionen Tonnen zu. Wetterbedingte

Belastungen und natürliche Ertragsschwankungen begrenzten das Wachstum. Dazu gehörte auch die vorübergehende Erschöpfung älterer Kaffeepflanzen nach besonders ertragreichen Produktionsphasen. Der starke Anstieg des Produktionswertes war deshalb weniger das Ergebnis einer markanten Mengenzunahme als vielmehr eine Folge der hohen internationalen Kaffeepreise. Die deutliche Verteuerung der gehandelten Kaffeesäcke erhöhte die Einnahmen der Produzenten, obwohl die Erntemenge nur moderat wuchs.

Mato Grosso blieb 2025 der wichtigste Agrarbundesstaat Brasiliens. Der Wert seiner landwirtschaftlichen Produktion stieg innerhalb eines Jahres um 37,1 Prozent auf 165,6 Milliarden Real. Damit entfielen 17,9 Prozent des gesamten brasilianischen Produktionswertes auf diesen einen Bundesstaat. Seine führende Stellung beruht vor allem auf dem grossflächigen Anbau von Soja, Mais und Baumwolle.

Auf dem zweiten Platz lag São Paulo mit 124 Milliarden Real. Der wirtschaftlich bedeutendste Bundesstaat des Landes ist insbesondere bei Zuckerrohr, Orangen und weiteren intensiv bewirtschafteten Kulturen stark. Minas Gerais folgte mit 109,4 Milliarden Real und profitierte unter anderem von seiner herausragenden Stellung im Kaffeeanbau.

Paraná erreichte einen Produktionswert von 87,7 Milliarden Real, Goiás 72,7 Milliarden und Rio Grande do Sul 71,3 Milliarden Real. Dahinter folgten Bahia mit 55,5 Milliarden, Mato Grosso do Sul mit 47,8 Milliarden, Pará mit 38,4 Milliarden und Espírito Santo mit 33,7 Milliarden Real.

Auch das Kräfteverhältnis zwischen den brasilianischen Grossregionen verschob sich erneut. Der Mittelwesten, zu dem Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Goiás und der Bundesdistrikt gehören, überholte 2025 wieder den Südosten. Der Produktionswert des Mittelwestens stieg um 31,8 Prozent auf 288 Milliarden Real. Ausschlaggebend waren vor allem die hohen Ernten und Erlöse bei Soja, Mais und Baumwolle.

Der Südosten kam auf 271 Milliarden Real. Dort prägen insbesondere Kaffee und Zuckerrohr die landwirtschaftliche Wertschöpfung. Die südlichen Bundesstaaten erreichten gemeinsam 181,1 Milliarden Real, der Nordosten 113,7 Milliarden und der Norden 73,4 Milliarden Real.
Über Jahrzehnte hatte der Südosten die Rangliste angeführt. Bis 2017 lag die Region stets vor dem Mittelwesten. Zwischen 2018 und 2023 übernahm dann der zunehmend von grossflächiger und technologisch hoch entwickelter Landwirtschaft geprägte Mittelwesten die Führung.

Im wetterbedingt schwierigen Jahr 2024 fiel er vorübergehend hinter den Südosten zurück, bevor er 2025 erneut an die Spitze gelangte. Die Rekordernte unterstreicht die enorme Bedeutung der Landwirtschaft für die brasilianische Wirtschaft und den Welthandel. Brasilien gehört bei Soja, Kaffee, Zucker, Mais, Baumwolle und zahlreichen weiteren Erzeugnissen zu den wichtigsten Anbietern auf dem internationalen Markt. Gleichzeitig macht die starke Erholung nach den klimatischen Problemen des Vorjahres deutlich, wie abhängig die Branche trotz technischer Fortschritte von Niederschlägen, Temperaturen und globalen Klimaphänomenen bleibt.

Der Erfolg von 2025 ist daher nicht allein eine Geschichte steigender Mengen und wachsender Exporterlöse. Er zeigt ebenso, wie eng Brasiliens landwirtschaftliche Zukunft mit der verantwortungsvollen Nutzung seiner enormen Landflächen, dem Schutz empfindlicher Ökosysteme und der Anpassung an ein zunehmend unberechenbares Klima verbunden ist.

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