Super El Niño: Hitzewarnungen und Schutzräume könnten Leben retten

Die extreme Hitze eines besonders starken El Niño könnte in Brasilien bis Februar 2027 zu 13’300 zusätzlichen Todesfällen führen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung eines Klimaforschungslabors hervor. Besonders gefährdet sind demnach der Norden und Nordosten des Landes. Die Zahlen sind Prognosen, keine bereits registrierten Todesfälle.

Hitzewelle in Brasilien – Foto: Fernando Frazão/Agencia Brasil

El Niño entsteht, wenn sich das Wasser im tropischen Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt. Das beeinflusst Wetter und Temperaturen weit über die Region hinaus. Für das Ereignis, das im Juni 2026 begonnen hat, rechnen die Forschenden weltweit mit bis zu 451’000 zusätzlichen Todesfällen durch Hitze. Brasilien könnte in Lateinamerika am stärksten betroffen sein.

Nach den Berechnungen dürfte sich die Zahl der Tage mit extremer Hitze bis Februar 2027 nahezu verdoppeln. Die Temperaturen an solchen Tagen könnten mindestens 1,2 Grad Celsius über den Werten vergleichbarer Tage früherer Jahre liegen. Für Brasilien erwarten die Forschenden die grösste Belastung im Sommer zwischen Dezember und Februar.

Die Prognose zeigt erhebliche Unterschiede innerhalb des Landes. Für Pará werden rund 2’300 zusätzliche Todesfälle geschätzt, für Maranhão mehr als 1’300. In Amazonas und Bahia sind es jeweils etwa 1’200. Brasilien bereitet sich mit Einsatzstützpunkten des öffentlichen Gesundheitswesens auf mögliche Notlagen vor. Dort sollen Personal und Ausrüstung für die Versorgung bei Katastrophen bereitstehen.

Besonders schwer könnten die Folgen Länder des Globalen Südens treffen. Brasilien steht in der Untersuchung an fünfter Stelle der Länder mit den höchsten geschätzten Todeszahlen, hinter Indien, Sudan, Indonesien und Nigeria. Für die USA wird mit rund 3’500 zusätzlichen Todesfällen gerechnet, für Venezuela mit 2’300 und für Kolumbien mit 2’200.

In Afrika prognostiziert die Untersuchung insgesamt 67’000 zusätzliche Todesfälle. Viele davon entfallen auf die Sahelzone zwischen der Sahara und den Savannen weiter südlich. Für Nigeria allein werden 31’400 Todesfälle geschätzt, für den Sudan 17’500, für Niger 10’000 und für Tschad 8’000. Auf den Philippinen, in Vietnam, Thailand und Kambodscha könnten zusammen 19’400 Menschen mehr sterben als gewöhnlich. Für Indien werden 15’800 zusätzliche Todesfälle genannt.

Sollte El Niño länger anhalten als erwartet, könnten die Zahlen weiter steigen. Die Forschenden sehen in der bevorstehenden Hitze zugleich einen Hinweis auf Bedingungen, die durch den Klimawandel künftig häufiger werden könnten. Hinter jeder Zahl stehen Menschen und Familien. Gerade deshalb drängen sie darauf, Schutzmassnahmen frühzeitig einzurichten: verlässliche Hitzewarnungen, kühle Aufenthaltsorte, Zugang zu Trinkwasser und gezielte Hilfe für besonders gefährdete Menschen sowie Beschäftigte, die der Hitze bei der Arbeit ausgesetzt sind.

Die Schätzungen beruhen auf früheren Studien zum Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterblichkeit. In ihre Berechnungen bezogen die Forschenden das Klima vor Ort, die Verletzlichkeit der Bevölkerung und die Möglichkeiten der einzelnen Länder und Regionen ein, sich an Hitze anzupassen.

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