Zum internationalen Tag des Kaffees am 01. Oktober
Der Kaffeeanbau prägt Brasilien seit fast drei Jahrhunderten. Hinter seiner heutigen Bedeutung stehen Millionen Beschäftigte, Hunderttausende Betriebe und ein Netz von Genossenschaften, Forschungseinrichtungen und Verbänden. Zum Internationalen Tag des Kaffees erinnert der Nationale Kaffeerat an zwei Entscheidungen, die diese Strukturen wesentlich geprägt haben.

1981 wurde der Nationale Kaffeerat gegründet. Die Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Genossenschaften schuf eine engere Verbindung zwischen den Betrieben und dem brasilianischen Genossenschaftssystem. Fünf Jahre später folgte ein weiterer Schritt: Mit einem Gesetzesdekret vom 21. November 1986 entstand der Fonds zur Förderung der Kaffeewirtschaft, bekannt als Funcafé.
Der Fonds stellt Mittel für die Branche bereit und unterstützt Investitionen in Wissenschaft, Forschung und Technologie. Daran sind unter anderem staatliche Forschungsstellen, Universitäten und Stiftungen beteiligt. Nach Angaben des Kaffeerats verfügt Funcafé derzeit über mehr als 7,187 Milliarden Real.
Die Grössenordnung der Branche zeigt sich auch jenseits der Exporte. Kaffee wird laut dem Kaffeerat in 17 brasilianischen Bundesstaaten, sechs Biomen und 1983 Gemeinden angebaut. Rund 330’000 Betriebe sind daran beteiligt, 78 Prozent davon zählt der Rat zu den kleinen Kaffeebetrieben. Für etwa 8,4 Millionen Menschen schafft die Kaffeewirtschaft Beschäftigung. Brasilien ist der grösste Kaffeeproduzent und Kaffeeexporteur der Welt.
Für die Anbauregionen ist Kaffee damit weit mehr als ein Handelsgut. Produktion, Verarbeitung und Forschung schaffen Einkommen und prägen die wirtschaftliche Entwicklung. Der Kaffeerat verweist darauf, dass der Index der menschlichen Entwicklung in den Anbaugebieten über dem Landesdurchschnitt liegt. Wie stark der Kaffeeanbau dazu beiträgt, lässt sich aus diesem Vergleich allein allerdings nicht ableiten.
Auch international ist die Branche eng vernetzt. Die 1963 gegründete Internationale Kaffeeorganisation bietet Erzeuger- und Verbraucherländern eine Plattform für den Austausch. Brasilien ist dort seit Langem vertreten und stärkt seine Präsenz zusätzlich durch seine diplomatische Vertretung bei internationalen Organisationen in London.
Die Geschichte des brasilianischen Kaffees besteht jedoch nicht nur aus politischen Beschlüssen und Exportzahlen. Sie wird täglich in den Anbaubetrieben, Genossenschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen weitergeschrieben. Ihr Zusammenspiel hat Brasilien zu einem Bezugspunkt der weltweiten Kaffeewirtschaft gemacht.

Kurzgeschichte des brasilianischen Kaffees
Der Kaffee kam 1727 aus Französisch-Guayana nach Brasilien. Zum grossen Exportgut wurde er erst, als sich der Anbau im Südosten ausbreitete. Im 19. Jahrhundert trug er die Wirtschaft des Landes. Der Wohlstand der grossen Plantagen beruhte jedoch auch auf der Arbeit versklavter Menschen. Im Tal des Paraíba hinterliess die intensive Bewirtschaftung zudem ausgelaugte Böden. Der Anbau verlagerte sich in andere Regionen.
Wie abhängig Brasilien vom Kaffee geworden war, zeigte die Weltwirtschaftskrise ab 1929. Die Nachfrage brach ein, die Preise stürzten ab. Um das Angebot zu verringern, kaufte der Staat grosse Vorräte auf und liess Millionen Säcke Kaffee vernichten. Eine weitere Zäsur folgte 1975.
Ein schwerer Frost zerstörte die Kaffeeplantagen im Bundesstaat Paraná, der zuvor zu den wichtigsten Anbaugebieten gehört hatte. Viele Betriebe gaben den Kaffeeanbau auf oder zogen in wärmere Regionen. Damit veränderte sich die Landkarte des brasilianischen Kaffees dauerhaft.
Heute ist Brasilien der grösste Kaffeeproduzent und Kaffeeexporteur der Welt. Rund 330’000 Betriebe bauen Kaffee an, darunter viele kleine Betriebe. Die Branche schafft Einkommen weit über die Plantagen hinaus, von der Verarbeitung bis zum Export. Seit 1986 steht ihr mit dem Fonds Funcafé ein Instrument zur Finanzierung von Produktion, Lagerung und Forschung zur Verfügung.
Der Weg zur «Kaffeenation» war damit weder geradlinig noch frei von sozialen und ökologischen Kosten. Er erzählt von wirtschaftlichem Aufstieg, Krisen und der Fähigkeit der Anbaubetriebe, sich immer wieder auf neue Bedingungen einzustellen.
