Inlandtaipan, Korallenschlange, Jararaca: Wer ist wirklich am gefährlichsten?

Immer wieder erreicht uns die Frage, welche Schlange die giftigste der Welt ist. Eine Rangliste scheint die Antwort zu liefern, doch so einfach ist es nicht. Entscheidend ist, was wir unter «giftig» verstehen: Wie stark wirkt das Gift schon in kleinster Menge? Wie viel davon gibt die Schlange bei einem Biss ab? Und wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass ein Mensch ihr begegnet? Je nachdem, welche dieser Fragen im Vordergrund steht, fällt die Antwort anders aus.

Die giftigsten Schlangen – Grafik mithilfe einer KI erstellt

Im Labor wird die Giftigkeit häufig mit dem LD₅₀-Wert beschrieben. Er gibt an, welche Giftmenge unter festgelegten Versuchsbedingungen die Hälfte der Versuchstiere tötet. Nach solchen Messungen steht der Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus) aus Australien an der Spitze.

Sein Gift wirkt in sehr kleinen Mengen. Trotzdem gehört er nicht zu den Schlangen, die besonders viele Menschen gefährden: Er lebt in dünn besiedelten Gebieten, und Begegnungen sind selten. Ein Laborwert allein ergibt deshalb keine verlässliche Rangliste der gefährlichsten Schlangen.

Sein Verwandter, der Küstentaipan (Oxyuranus scutellatus), zeigt, weshalb diese Unterscheidung zählt. Auch sein Gift ist hochwirksam. Zudem kann er bei einem Biss eine grosse Menge davon tief ins Gewebe injizieren. In Teilen Neuguineas sind Bisse dieser Art ein erhebliches Gesundheitsproblem. Bei einem Menschen entscheidet somit weit mehr über den Verlauf als die Giftstärke pro Milligramm.

Ein weltweites Ranking nach der tatsächlichen Zahl schwerer Vergiftungen sähe nochmals anders aus. Sandrasselottern der Gattung Echis sind in Afrika und Südasien medizinisch bedeutsam. In Lateinamerika verursachen Lanzenottern der Gattung Bothrops einen grossen Teil der schweren Folgen von Schlangenbissen. Wo Menschen und Schlangen aufeinandertreffen und wie schnell Betroffene behandelt werden können, prägt die Gefahr entscheidend mit.

In Brasilien führt die Suche nach der „giftigsten Kobra“ zu vier besonders wichtigen Gruppen. Echte Korallenschlangen der Gattung Micrurus besitzen ein hochtoxisches Gift, das auf das Nervensystem wirkt und die Atmung beeinträchtigen kann. Sie gelten hinsichtlich der Giftwirkung als besonders bemerkenswert. Ihre Bisse sind jedoch vergleichsweise selten. Schon daran zeigt sich, wie irreführend ein einzelner erster Platz wäre.

Klapperschlangen der Gattung Crotalus sind ebenfalls medizinisch hochgefährlich. Ihr Gift kann Muskeln und Nieren schwer schädigen. Das brasilianische Butantan-Institut weist darauf hin, dass die Folgen eines Bisses trotz der geringeren Giftstärke im Vergleich zu Korallenschlangen besonders schwer sein können: Die Tiere können wirksam zubeissen und dabei viel Gift abgeben.

Die Surucucu der Gattung Lachesis ist die grösste Giftschlange Brasiliens. Ihr Biss kann starke Schmerzen, Schwellungen, Störungen der Blutgerinnung und einen gefährlichen Blutdruckabfall auslösen. Begegnungen sind seltener als mit vielen Jararacas, doch ein Biss verlangt rasche medizinische Versorgung.

Für die öffentliche Gesundheit nimmt schliesslich die Jararaca Gruppe (Bothrops) den wichtigsten Platz ein. Diese Schlangen verursachen in Brasilien die meisten registrierten Schlangenbisse, gefolgt von Klapperschlangen. Ihr Gift kann Gewebe schädigen und die Blutgerinnung stören. Wer also nach Brasiliens gefährlichsten Schlangen im Alltag fragt, muss die Jararacas nennen, auch wenn eine Korallenschlange im Labortest das stärkere Gift besitzen kann.

Die biologische Antwort auf das Ranking lautet daher:
Der Inlandtaipan gilt nach verbreiteten Labormessungen als Schlange mit dem giftigsten Gift der Welt. In Brasilien gehören echte Korallenschlangen zu den Arten mit besonders starkem Gift; Jararacas verursachen dort jedoch die meisten Bissunfälle.

Für Betroffene ist diese Unterscheidung keine akademische Feinheit. Nach jedem vermuteten Biss einer Giftschlange zählt eine schnelle medizinische Abklärung, damit bei Bedarf das passende Gegengift verabreicht werden kann.


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Weitere Informationen zu den Schlangen finden Sie » hier
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