Die brasilianische Behörde für indigene Angelegenheiten (Funai) hat am Sonntag (16.) den Tod eines Angehörigen der Guarani Kaiowá bestätigt. Er wurde bei einem bewaffneten Angriff auf das Gebiet Pyelito Kue im Landkreis Iguatemi, im Süden von Mato Grosso do Sul, erschossen.

In einer Mitteilung äußerte die Behörde „tiefes Bedauern“ über das Verbrechen und nannte die Tat „inakzeptabel“. Teams wurden bereits entsandt, um die Ermittlungen zu begleiten und Maßnahmen mit den Sicherheitsbehörden abzustimmen.
Nach Angaben des Indigenenmissionsrats (Cimi) handelt es sich bei dem Opfer um den 36-jährigen Vicente Fernandes Vilhalva Kaiowá. Er wurde durch einen Kopfschuss getötet, als rund 20 bewaffnete Männer gegen vier Uhr morgens in das Gebiet eindrangen.
Vier weitere Indigene – darunter Jugendliche und eine Frau – wurden durch Schüsse oder Gummigeschosse verletzt. Die Gemeinschaft berichtet, dass die Angreifer versucht hätten, den Leichnam von Vicente zu entwenden. Das konnten die Bewohner jedoch verhindern.
Den Funai übermittelten Berichte, die auch vom Cimi gesammelt wurden. Sie zeichnen das Bild eines Überfalls, bei dem die Täter das Gebiet einkreisten, Zufahrten blockierten und sogar eine Brücke zerstörten. Auch Mitarbeitende des Indigenen-Gesundheitsdienstes Sesai wurden alarmiert und mobilisiert.
Hintergrund
Die jüngste Welle von Rückeroberungen im Süden des Bundesstaates hat viel mit dem Versuch der Indigenen zu tun, der Ausbringung von Agrargiften Einhalt zu gebieten. Die Pestizide beeinträchtigen sowohl die Gesundheit der Bewohner als auch ihre Ernährungssicherheit.
Pyelito Kue liegt auf dem Gebiet der Indigenen¬territorialität Iguatemipeguá I. Der ausführliche Identifizierungs- und Abgrenzungsbericht (RCID) wurde bereits 2013 von der Funai veröffentlicht und umfasst eine Fläche von 41.500 Hektar. Die Gemeinschaft sagt, sie warte seit rund vier Jahrzehnten darauf, dass das Demarkationsverfahren endlich abgeschlossen wird.
Schutz für Klima-Verteidiger
In ihrer Stellungnahme hebt die Funai hervor, dass der Tod eines weiteren Guarani-Kaiowá-Indigenen ausgerechnet in einem Moment geschieht, in dem weltweit über die Rolle indigener Völker bei der Bewältigung der Klimakrise diskutiert wird, zuletzt auch auf der COP30. Das zeige auf tragische Weise, so die Behörde, dass die Verfolgung jener, die als Verteidiger des Klimas gelten, nicht nachlasse.
Am 3. November haben das Indigenenministerium, das Ministerium für Agrarentwicklung und Familienlandwirtschaft (MDA) sowie das Ministerium für Verwaltung und Innovation im öffentlichen Dienst (MGI) eine gemeinsame Taskforce eingerichtet. Sie soll als Technische Arbeitsgruppe (GTT) Informationen bündeln und helfen, Landkonflikte im Süden von Mato Grosso do Sul zu entschärfen.
