Angesichts eines besorgniserregenden Anstiegs von Keuchhustenfällen unter Kindern hat die brasilianische Regierung ihre Präsenz im indigenen Territorium der Yanomami deutlich ausgebaut. Das Gesundheitsministerium entsandte ein Notfallteam zur sogenannten Basis Surucucu in der Terra Indígena Yanomami im Bundesstaat Roraima. Die am Mittwoch bekannt gegebene Massnahme ist eine direkte Reaktion auf acht bestätigte Infektionen, drei betroffene Kinder sind inzwischen verstorben.

Keuchhusten ist eine hochansteckende bakterielle Atemwegserkrankung. Sie beginnt meist mit anhaltendem, trockenem Husten, der sich in schweren Hustenanfällen steigern kann. Besonders für Säuglinge und Kleinkinder ist die Krankheit gefährlich, da Komplikationen wie Atemnot oder Lungenentzündungen auftreten können.
Das vom Gesundheitsministerium entsandte Team traf bereits am Montag in der abgelegenen Region ein. Begleitet wurde es von Fachleuten des Programms für angewandte Epidemiologie im öffentlichen Gesundheitssystem SUS, die Erfahrung im Umgang mit Ausbrüchen infektiöser Krankheiten mitbringen.
Vor Ort arbeitet die Gruppe eng mit dem Sondergesundheitsdistrikt für Indigene, dem Dsei Yanomami, zusammen. Dieser hatte in Surucucu bereits mit der Entnahme von Proben begonnen und in umliegenden Dörfern Präventionsarbeit geleistet. Insgesamt sollen rund 50 Fachkräfte die medizinische Versorgung stärken, Neuinfektionen verhindern und die Überwachung möglicher Verdachtsfälle intensivieren
Die betroffenen Kinder werden in Krankenhäusern der Hauptstadt Boa Vista behandelt. Zwei von ihnen konnten inzwischen in ihre Gemeinden zurückkehren. Alle weiteren Verdachtsfälle werden weiterhin untersucht und medizinisch begleitet.
Im Zentrum der Prävention steht die Impfung. In Brasilien wird der Schutz gegen Keuchhusten im Rahmen des staatlichen Gesundheitssystems SUS kostenlos angeboten. Anspruch darauf haben Kinder bis sieben Jahre sowie Schwangere, die in Basisgesundheitszentren versorgt werden.
Nach Angaben des Dsei Yanomami hat sich die vollständige Durchimpfungsrate bei Kindern unter einem Jahr zwischen 2022 und 2025 nahezu verdoppelt, von knapp 30 auf rund 58 Prozent. Bei Kindern unter fünf Jahren stieg die Quote im selben Zeitraum von etwa 52 auf 73 Prozent. Diese Zahlen gelten als Fortschritt, zeigen aber zugleich, wie gross der Nachholbedarf in den vergangenen Jahren war.
Die aktuellen Fälle werfen erneut ein Schlaglicht auf die strukturellen Probleme in der Region. Bereits 2023 hatte die Bundesregierung den Gesundheitsnotstand im Yanomami-Gebiet ausgerufen. Auslöser waren alarmierende Zahlen zu Mangelernährung, Malaria und einer hohen Sterblichkeit aus unterschiedlichen Ursachen.
Ein wesentlicher Faktor war der jahrelange illegale Goldabbau, der nicht nur die Umwelt zerstörte, sondern auch Krankheiten einschleppte und die lokale Versorgung zusammenbrechen liess. In der Folge starteten mehrere Ministerien, darunter Gesundheit, Verteidigung und Indigene Völker, eine koordinierte Offensive.
Illegale Minen wurden geschlossen, Mittel für die Kontrolle des Luftraums bereitgestellt und Programme zur Reinigung verschmutzter Flüsse aufgesetzt. Hinzu kamen Projekte zur Trinkwasseraufbereitung sowie der Bau spezialisierter Gesundheitseinrichtungen in schwer zugänglichen Gebieten.
Auch personell wurde massiv aufgestockt. Zählte der Dsei im Jahr 2023 noch 690 Mitarbeitende, kamen seither 1’165 weitere hinzu, was einem Zuwachs von 169 Prozent entspricht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist die Sterblichkeit in der Region seit Ausrufung des Notstands um 27,6 Prozent gesunken.
Vertreter indigener Gemeinschaften erkennen diese Fortschritte an, betonen jedoch, dass die Lage weiterhin fragil ist und nachhaltige Lösungen Zeit brauchen.
Mit mehr als 30’000 Bewohnerinnen und Bewohnern in rund 376 Gemeinschaften gilt das Territorium der Yanomami als das grösste indigene Gebiet Brasiliens. Die geografische Abgeschiedenheit, die schwierige Erreichbarkeit vieler Dörfer und die sozialen Folgen jahrelanger Vernachlässigung machen jede gesundheitspolitische Intervention zu einer logistischen und politischen Herausforderung.
