Ein Mann aus dem Volk der Marubo ist im brasilianischen Amazonasgebiet überfallen, gefesselt und in einem Fluss ausgesetzt worden. Nach Angaben der indigenen Vertretung im Javari-Tal wurde das Opfer erst mehr als 24 Stunden nach der Tat gefunden. Der Vorfall ereignete sich Anfang der Woche im indigenen Schutzgebiet Vale do Javari, einer abgelegenen Region im äussersten Westen des Bundesstaates Amazonas, nahe der Grenze zu Peru. Laut Mitteilung der Organisation war der Mann am Dienstag auf dem Fluss Ituí unterwegs.

Er gehörte zu einer Gruppe, die aus der Gemeinde Atalaia do Norte zurückkehrte. In der Nähe des Dorfes Beija-Flor, das vom Volk der Matis bewohnt wird, stieg er in ein kleines Kanu, um für seine Begleiter zu fischen und Nahrung zu beschaffen. Gegen 11 Uhr morgens sei er von nicht-indigenen Fischern umzingelt worden, die sich illegal im Schutzgebiet aufhielten. Die Angreifer hätten ihn beschuldigt, Material von ihnen gestohlen zu haben, ein Vorwurf, der nach Darstellung der indigenen Organisation haltlos ist.
Anschliessend hätten sie ihm Hände, Füsse und Mund gefesselt. Unter Todesdrohungen nahmen sie ihm seine Schrotflinte und sein Mobiltelefon ab und liessen ihn in einem Kanu auf dem Fluss treiben. Mehr als einen Tag lang trieb der Gefesselte wehrlos auf dem Wasser. Erst am folgenden Tag wurde er von Suchteams entdeckt und gerettet. Wie es ihm gesundheitlich geht, wurde zunächst nicht näher bekannt.
Die indigenen Vertreter erklärten, sie hätten die zuständigen Behörden umgehend über den Vorfall informiert und sämtliche gesammelten Hinweise zu den mutmasslichen Tätern weitergeleitet. Festnahmen gab es bislang nicht. Das Javari-Tal gilt seit Jahren als Brennpunkt illegaler Aktivitäten. Immer wieder dringen Wilderer, illegale Fischer und mutmassliche Drogenschmuggler in das schwer zugängliche Gebiet ein.
2022 sorgte die Region international für Schlagzeilen, nachdem ein britischer Journalist und ein brasilianischer Indigenen-Experte dort im Zusammenhang mit Konflikten um illegale Fischerei ermordet worden waren. Nach Einschätzung der indigenen Organisation zeigt der aktuelle Angriff erneut, dass bewaffnete kriminelle Gruppen im Gebiet operieren und sich offenbar ungehindert bewegen können.
Sie warnt vor einer akuten Bedrohung insbesondere für isoliert lebende indigene Gemeinschaften, die kaum Kontakt zur Aussenwelt haben und besonders schutzbedürftig sind. Angesichts der zunehmenden Gewalt in Teilen Amazoniens wächst die Sorge, dass solche Übergriffe kein Einzelfall bleiben.
