Indigene aus allen Regionen des Landes trafen am Sonntag im Eixo Cultural Ibero-Americano im Zentrum der Hauptstadt ein, wo die 22. Ausgabe des Treffens bis Samstag stattfindet. Erwartet werden zwischen 7.000 und 8.000 Teilnehmende, darunter Indigene und Unterstützerinnen und Unterstützer.

Organisiert wird die Veranstaltung von der Articulação dos Povos Indígenas do Brasil. Sie gilt als die grösste und wichtigste Mobilisierung der indigenen Bewegung in Brasilien. Vertreterinnen und Vertreter eines Grossteils der 391 anerkannten indigenen Völker des Landes kommen hier zusammen, ebenso Delegationen aus anderen Staaten. In Plenen, Versammlungen und öffentlichen Aktionen beraten sie über gemeinsame Strategien und politische Forderungen.
Im Zentrum steht weiterhin der Kampf um Landrechte. Die Demarkierung indigener Gebiete bleibt die Kernforderung. Nach Angaben der Fundação Nacional dos Povos Indígenas wurden zwischen Januar 2023 und November 2025 zwanzig neue Territorien anerkannt. Das entspricht rund 2,5 Millionen Hektar geschützter Fläche in elf Bundesstaaten. Dennoch sind noch etwa 110 weitere Gebiete in Prüfung. Für die Bewegung ist klar: Der Rückstand ist gross, der Handlungsbedarf ebenso.
In den vergangenen Jahren hat sich die Agenda erweitert. Neben der Landfrage geht es um indigene Gesundheits- und Bildungspolitik, um Klimaschutz, internationale Vernetzung und die Stärkung demokratischer Strukturen. Das Motto der diesjährigen Ausgabe lautet: „Unsere Zukunft steht nicht zum Verkauf: Die Antwort sind wir.“ Damit setzen die Organisierenden ein klares Zeichen gegen Gesetzesvorhaben, die aus ihrer Sicht errungene Rechte gefährden.
Besonders umstritten ist die sogenannte „Marco Temporal“-These. Sie besagt, dass Indigene nur Anspruch auf jene Gebiete hätten, die sie im Oktober 1988, zum Zeitpunkt der Verkündung der brasilianischen Verfassung, tatsächlich bewohnten. Diese Rechtsauffassung ist politisch und juristisch stark umkämpft. Auch Vorstösse, Bergbau in indigenen Territorien zuzulassen, sorgen für Widerstand.
Das Treffen markiert zugleich den Auftakt des „Abril Indígena“, eines landesweiten Aktionsmonats. Geplant sind Demonstrationen auf der Esplanada dos Ministérios, Gespräche mit Regierungsvertretern sowie politische Debatten mit Blick auf die Wahlen 2026. Ziel ist es, indigene Kandidaturen zu stärken und die Vertretung im Nationalkongress auszubauen.
Wie weit die Teilnehmenden anreisen, zeigt ein Beispiel aus Maranhão: 68 Angehörige des Volkes der Guajajara legten rund 1.400 Kilometer zurück, um in Brasília dabei zu sein. Andere Delegationen kamen aus dem Alto Solimões im Bundesstaat Amazonas, oft nach langen Boots- und Busreisen. Viele bringen Kunsthandwerk mit, das sie während des Treffens verkaufen. So verbinden sich politische Mobilisierung und kulturelle Präsenz auf sichtbare Weise.
Das Acampamento Terra Livre ist längst mehr als ein Protestcamp. Es ist ein zentraler Ort der politischen Koordination, des kulturellen Austauschs und der gegenseitigen Stärkung. Für die Teilnehmenden bedeutet die Präsenz in der Hauptstadt, ihre Anliegen direkt ins politische Zentrum des Landes zu tragen und deutlich zu machen, dass der Einsatz für Land, Rechte und kulturelle Selbstbestimmung unvermindert weitergeht.
