Die Stimme von Janiely Truká am ATL 2026: Einsatz für Land, Erinnerung und Zukunft

Mein Name ist Janiely, ich gehöre zum indigenen Volk der Truká aus Pernambuco. Ich bin 17 Jahre alt, und für mich bedeutet die Teilnahme am Acampamento Terra Livre, kurz ATL, im Jahr 2026 vor allem eines: klarzustellen, dass meine Zukunft untrennbar mit unserem Land verbunden ist.

Terra Livre Janiely 2026 – Foto: Wanderson Sousa/Engajamundo

Als indigene Jugendliche warte ich nicht auf leere Versprechen. Ich fordere die sofortige Demarkation unserer Territorien und Respekt für unser Wissen. Dieses Wissen ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein wesentlicher Teil der Lösung für die Klimakrise, mit der die Welt heute konfrontiert ist.

Unser Widerstand ist alt und trägt die Kraft der Generationen in sich, die vor uns gekämpft haben. Doch unsere Stimme gehört ins Hier und Jetzt. Wir sind in Brasília, um politische Räume einzunehmen, die Biodiversität zu schützen und dafür zu sorgen, dass unsere Kultur lebendig bleibt. Es ist meine zweite Teilnahme am ATL. Bereits 2025 war ich dabei. Nun kehre ich gestärkt zurück, als junge Aktivistin und als indigene Kommunikatorin, die gelernt hat, ihre Worte gezielt einzusetzen.

Die Präsenz indigener Jugendlicher an diesem Ort ist entscheidend. Wir stehen für Kontinuität, für Widerstand und für Zukunft. In uns lebt das Vermächtnis unserer Vorfahren weiter. Durch uns klingen ihre Stimmen fort. Wir kämpfen für die rechtliche Anerkennung unserer Gebiete, damit wir nicht nur existieren, sondern mitreden und mitgestalten können. Wir verlangen, dass unsere Lebensrealitäten in allen gesellschaftlichen Bereichen ernst genommen werden.

Ich bin Mitglied des Ausschusses für die Beteiligung von Jugendlichen, der sicherstellt, dass junge Menschen aktiv im Nationalrat zur Verteidigung der Rechte von Kindern und Jugendlichen mitwirken. Zudem bin ich Jugendberaterin bei UNICEF. Als indigene Jugendliche in solchen Gremien präsent zu sein, heisst für mich, selbst zu sprechen und nicht vertreten zu werden. Es bedeutet, dass meine Stimme und die Stimme meines Volkes mit Respekt und Legitimität gehört werden.

Diese Räume einzunehmen ist ein politischer und notwendiger Schritt. Es heisst, historisches Schweigen zu durchbrechen und neue Wege zu öffnen, auf denen indigene Jugendliche entscheiden, Vorschläge einbringen und Veränderungen anstossen können. Unsere Beteiligung ist kein symbolischer Akt. Sie ist grundlegend, wenn öffentliche Politiken entstehen sollen, die unsere tatsächlichen Lebensbedingungen berücksichtigen.

Meine Erwartungen an das ATL sind klar. Wir wollen, dass indigene Jugendliche Gehör finden und aktiv mitentscheiden. Wir wollen die Demarkation unserer Gebiete, nicht nur als formales Recht, sondern als Garantie für Leben. Denn nur gesichertes Land bedeutet, dass Kinder und Jugendliche in Würde, Sicherheit und Freiheit aufwachsen können.

Wir wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen nicht in ständiger Angst leben müssen, auf dem eigenen Territorium getötet zu werden. Wir wollen, dass sie ihre Traditionen, ihre Geschichten und ihre Identitäten bewahren können, ohne permanent von Vertreibung oder Gewalt bedroht zu sein. Wir wollen ein Leben in Fülle, mit garantierten Rechten und echter Perspektive. Der Kampf um Land ist immer auch ein Kampf um Leben, Kultur, Erinnerung und Zukunft. Es ist die indigene Jugend, die diesen Weg mit Mut, Klarheit und Hoffnung weitergeht. Beim ATL setzen wir uns dafür ein, eine gerechtere Gegenwart zu gestalten und unseren Völkern eine reale Zukunft zu sichern.

Das Acampamento Terra Livre begann am Sonntag, dem 5. April, und dauert bis zum 11. April in Brasília. In seiner 22. Ausgabe steht es unter dem Motto «Unsere Zukunft steht nicht zum Verkauf. Die Antwort sind wir». Janiely Truká nimmt gemeinsam mit einer Delegation indigener Jugendlicher von Engajamundo (Weltengagement) teil, einer von jungen Menschen getragenen Organisation, die sich für Führungsstärke der Jugend einsetzt und davon überzeugt ist, dass junge Menschen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der grössten ökologischen und sozialen Herausforderungen in Brasilien und weltweit spielen.

Original: Janiely Truká, AmazoniaReal

Wer ist Amazônia Real
Die unabhängige und investigative Journalismusagentur Amazônia Real ist eine gemeinnützige Organisation, die von den Journalistinnen Kátia Brasil und Elaíze Farias am 20. Oktober 2013 in Manaus, Amazonas, im Norden Brasiliens gegründet wurde.

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