Indigene Völker fordern eine eigene Wahrheitskommission

Indigene Organisationen fordern die brasilianische Bundesregierung auf, eine Nationale Wahrheitskommission für indigene Völker (CNIV) einzurichten. Vertreterinnen und Vertreter indigener Gemeinschaften aus dem ganzen Land sind dazu nach Brasília gereist.
Organisiert wird das Treffen vom Dachverband der indigenen Völker Brasiliens (Apib), dem Institut für Beziehungspolitik (IPR) und der Beobachtungsstelle für indigene Rechte und Politik der Universität Brasília (Obind/UnB).

Indigene Brasiliens – Foto: Tomaz Silva/Agencia Brasil

Bereits Ende vergangenen Jahres erhielt die Regierung den Entwurf eines Präsidialdekrets zur Gründung der Wahrheitskommission. Das Dokument wird von 58 Institutionen unterstützt und von positiven juristischen Stellungnahmen begleitet. Die Veranstaltung begann am Dienstag, dem 21. Juli, und dauert bis Donnerstag, dem 23. Juli. Daran nehmen Mitglieder des Forums für Erinnerung, Wahrheit, umfassende Wiedergutmachung, Nichtwiederholung und Gerechtigkeit für indigene Völker sowie Menschen teil, die während der Militärdiktatur Opfer staatlicher Gewalt wurden.

Die Betroffenen erhalten die Möglichkeit, über das erlittene Unrecht zu berichten. Dazu gehören Fälle aus illegalen Haftzentren, die innerhalb indigener Reservate eingerichtet worden waren. Verantwortlich dafür waren der damalige Dienst zum Schutz der indigenen Bevölkerung (SPI) und später die Nationale Stiftung für indigene Völker (Funai).
Nach Angaben des Dachverbandes Apib wurden insbesondere Angehörige der Guarani in diesen Einrichtungen zur Arbeit gezwungen und körperlich gefoltert.

Während des Treffens werden acht bislang unveröffentlichte Berichte vorgestellt. Sie dokumentieren anhand konkreter Beispiele die Gewalt, der indigene Gemeinschaften während der autoritären Militärherrschaft ausgesetzt waren. Ausserdem wird das Buch «Indigene Völker und Übergangsjustiz: Erinnerungen als Zeugnisse der Gewalt» präsentiert. Das Werk versammelt Untersuchungsergebnisse und Aussagen von Betroffenen zu Verbrechen wie Folter, Völkermord und Zwangsumsiedlungen.

Die beteiligten Organisationen bezeichnen die Veröffentlichung als historisch. Sie fasst die Ergebnisse einer siebenjährigen Aufarbeitung zusammen. Auf dem Umschlag ist das Foto eines indigenen Ältesten zu sehen, der selbst Opfer von Folter wurde. Das Treffen findet im Exerzitienhaus Casa de Retiro Assunção in Brasília statt.

Die geforderte Wahrheitskommission soll das während der Diktatur begangene Unrecht systematisch untersuchen, die Erinnerungen der Betroffenen bewahren und die Grundlage für Anerkennung, Gerechtigkeit und umfassende Wiedergutmachung schaffen.

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