Der älteste Karnevalsblock von Rio de Janeiro bekommt ein Kulturzentrum

Der Cordão da Bola Preta, der als ältester noch aktiver Karnevalsblock von Rio de Janeiro gilt, erhält ein eigenes Kulturzentrum. Entstehen soll es an der Rua da Relação 1 im Stadtzentrum, genau dort, wo sich seit Jahren auch der Sitz des traditionsreichen Blocos befindet. Damit bekommt eine der prägendsten Institutionen des Strassenkarnevals erstmals einen dauerhaften Ort, der ihrer historischen Bedeutung gerecht wird.

Bloco Cordão da Bola Preta – Foto: Walter Mesquita/RioTur

Die Bauarbeiten werden von der Stadtverwaltung durchgeführt. Sie sollen im ersten Halbjahr dieses Jahres beginnen und voraussichtlich rund acht Monate dauern. Offiziell angekündigt wurde das Projekt am Freitag, dem 6., bei einem Besuch von Bürgermeister Eduardo Paes in der Zentrale des Bola Preta. Die Stadt übernimmt damit nicht nur die bauliche Sanierung, sondern setzt auch ein kulturpolitisches Zeichen zugunsten des populären Karnevals.

Seit 2007 ist der Cordão da Bola Preta als immaterielles Kulturgut der Stadt Rio de Janeiro anerkannt. Diese Einstufung unterstreicht seinen Wert weit über das närrische Treiben hinaus. In der Zentrale des Blocos finden das ganze Jahr über kulturelle Aktivitäten statt, die eng mit Samba, Karnevalsmusik und der Geschichte der Stadt verbunden sind.

Für den Präsidenten des Cordão da Bola Preta markiert das Projekt einen historischen Wendepunkt. Er spricht von 107 Jahren Existenz und davon, dass es nie zuvor einen Moment gegeben habe, der für die Geschichte, die Zukunft und das Überleben des Bola Preta so entscheidend sei. Das neue Kulturzentrum sei mehr als ein Gebäude. Es stehe für Anerkennung, Kontinuität und emotionale Verbundenheit. Zugleich ermögliche es erstmals, die eigene Geschichte systematisch zu erzählen, eine Geschichte, die untrennbar mit dem Karneval von Rio de Janeiro verwoben sei.

Das Bauprojekt sieht die Rekonstruktion eines historischen Stadthauses vor. Fassaden und Fensterrahmen werden originalgetreu erneuert, während die technischen Anlagen auf einen zeitgemässen Stand gebracht werden. Ziel ist es, den historischen Charakter des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig moderne Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.

Geplant sind unter anderem ein Bistro, eine Küche, ein Eingangsbereich mit Empfang, ein Saal für Konzerte und Veranstaltungen sowie Aufenthaltsräume. Auf einem Zwischengeschoss entstehen ein Logenbereich, ein weiterer Vorraum und sanitäre Anlagen.

Das obere Stockwerk ist für Verwaltung, eine Teeküche und Lagerräume vorgesehen. Insgesamt werden rund 1’200 Quadratmeter Fläche saniert. Das Kulturzentrum soll Platz für etwa 1’200 Besucherinnen und Besucher bieten, eine Grösse, die sowohl kulturelle Veranstaltungen als auch öffentliche Treffen ermöglicht.

Die Geschichte des Bola Preta reicht bis zum 13. Dezember 1918 zurück. Gegründet wurde der Bloco von einer Gruppe von Freunden, die sich im Bar Cave de Ouro an der Rua da Carioca trafen. Ihr Ziel war es, den Strassenkarneval zu bewahren, zu einer Zeit, als Rio de Janeiro tiefgreifende städtebauliche und kulturelle Umbrüche erlebte.

Von Anfang an trat der Cordão da Bola Preta in den Farben Schwarz und Weiss auf, ein Markenzeichen, das bis heute erhalten geblieben ist. Zwischen den 1930er- und den 1970er-Jahren hielt der Bloco konsequent am traditionellen Format des Cordão fest. Gespielt wurden vor allem Marchinhas, begleitet von Bläsern und Perkussion. Diese bewusste Treue zur Tradition trug entscheidend dazu bei, den Charakter des klassischen Karnevals von Rio zu bewahren.

Die Zentrale des Bola Preta befand sich im Laufe der Jahrzehnte an verschiedenen Orten, unter anderem an der Avenida Treze de Maio. Heute ist sie fest an der Rua da Relação verankert und gilt als wichtiger Treffpunkt für Musikerinnen, Musiker und Feiernde.
Mit dem neuen Kulturzentrum dürfte dieser Ort zusätzlich an Bedeutung gewinnen und sich zu einem offenen Haus für Karneval, Musik und städtische Erinnerungskultur entwickeln.

Der Cordão da Bola Preta erhält erstmals ein eigenes Kulturzentrum und sichert damit seine Rolle als lebendiges Herzstück des Karnevals von Rio de Janeiro.

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