Mit der ersten Nacht im Sambódromo beginnt an diesem Freitag der Karneval in São Paulo. Den Auftakt macht um 23 Uhr Mocidade Unida da Mooca, die erstmals im Spitzenfeld, dem sogenannten Grupo Especial, antritt. Den Schlusspunkt der Nacht setzt die Barroca Zona Sul, deren Parade am Samstagmorgen um 5.30 Uhr beginnt.

Insgesamt ziehen an diesem Wochenende 14 Sambaschulen durch das Sambódromo im Stadtteil Anhembi. Sieben präsentieren sich am Freitag, weitere sieben folgen am Samstag. Nach der Auswertung der Juroren, die für Dienstag um 16 Uhr angesetzt ist, stehen nicht nur Sieger und Platzierte fest, auch die zwei Schulen welche in die niedrigere Liga absteigen müssen.
Das Programm der ersten Nacht
Mocidade Unida da Mooca, 23.00 Uhr
Die Debütantin eröffnet mit dem Thema „Gèlèdés – Agbara Obinrin“ (Geledés – Institut für Schwarze Frauen). Im Mittelpunkt steht das Instituto Geledes, eine von Schwarzen Frauen gegründete Organisation, die sich seit Jahrzehnten mit sozialen Fragen und strukturellem Rassismus auseinandersetzt. Die Schule aus dem traditionsreichen Viertel Mooca hat bereits in den Aufstiegsgruppen Persönlichkeiten wie Abdias do Nascimento gewürdigt. Nun bringt sie erstmals im Hauptwettbewerb ein klar politisches, gesellschaftlich verankertes Thema auf die grosse Bühne.
Colorado do Brás, 00.05 Uhr
Kurz nach Mitternacht betritt die Colorado do Brás das Parkett. Ihr Enredo „A Bruxa está solta – Senhoras do Saber Renascem na Colorado“ (Die Hexe ist los – Die weisen Frauen erwachen bei der Colorado) greift das Bild der Hexe auf. Dahinter verbirgt sich eine Auseinandersetzung mit weiblicher Solidarität, Widerstandskraft und dem historischen Stigma, das unabhängigen Frauen zugeschrieben wurde. Nach Platz zehn im Jahr 2025 sucht die Schule aus dem Zentrum nun den Weg zurück in die obere Tabellenhälfte.
Dragões da Real, 01.10 Uhr
Mit nur zwei Zehntelpunkten Rückstand auf die Siegerin belegte die Dragões da Real im vergangenen Jahr Rang sechs. Ihr diesjähriges Thema „Guerreiras Icamiabas – Uma Lendária História de Força e Resistência“ (Kriegerinnen Icamiabas – Eine legendäre Geschichte von Stärke und Widerstand) widmet sich indigenen Völkern und greift die Legende der Amazonen auf. Die Schule verbindet Mythos und historische Realität und rückt den Widerstand indigener Gemeinschaften in den Fokus.
Acadêmicos do Tatuapé, 02.15 Uhr
Die Vizemeisterin von 2025, punktgleich mit der Siegerin, gehört zu den erfahrensten Kräften im Wettbewerb. Gegründet 1952, präsentiert die Acadêmicos do Tatuapé das Enredo „Plantar para Colher e Alimentar“ (Säen, um zu ernten und zu nähren – Es gibt viel Land ohne Menschen, viele Menschen ohne Land). Im Zentrum stehen Agrarreform, Landwirtschaft und die Frage nach Ernährungssouveränität. Ein Thema, das in Brasilien politisch wie gesellschaftlich hohe Brisanz besitzt.
Rosas de Ouro, 03.20 Uhr
Als amtierende Meisterin startet die Rosas de Ouro mit Handicap. Wegen verspätet eingereichter Unterlagen wurde der Schule ein halber Punkt abgezogen. Angesichts der traditionell knappen Bewertungen ist das eine schwere Hypothek im Rennen um den Titel. Ihr Enredo „Escrito nas Estrelas“ (In den Sternen geschrieben) führt in kosmische Sphären, vom Urknall über Astronomie bis zur Astrologie. 2025 hatte die Schule über alle Bewertungskategorien hinweg lediglich 0,2 Punkte eingebüsst, was ihre damalige Dominanz unterstreicht.
Vai-Vai, 04.35 Uhr
Die traditionsreiche Vai-Vai gilt als erfolgreichste Schule im Spitzenfeld von São Paulo. Insgesamt 15 Titel stehen zu Buche, neun davon seit Einführung der Paraden im Sambódromo. Der letzte Triumph datiert allerdings aus dem Jahr 2015. Das aktuelle Thema „A Saga Vencedora de um Povo Heroico no Apogeu da Vedete da Pauliceia“ (Auf dem Spielplan: Die siegreiche Saga eines heldenhaften Volkes im Glanz der Paulicéia-Diva) schlägt den Bogen von den italienischen Arbeiterinnen und Arbeitern, die das Viertel Bixiga prägten, bis zu den Anfängen des Kinos in São Paulo.
Barroca Zona Sul, 05.30 Uhr
Den Abschluss der ersten Nacht übernimmt die Barroca Zona Sul, die die Stadtteile Jabaquara und Saúde repräsentiert. Mit „Oro Mi Maió OXUM“ (Göttin Oxum) ehrt sie Oxum, die Orixá der süssen Gewässer aus den afrobrasilianischen Religionen. Religiöse Symbolik, Spiritualität und afrobrasilianische Identität stehen dabei im Vordergrund.
Anreise und Zugang
Das Sambódromo am Anhembi, an der Avenida Olavo Fontoura gelegen, ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Spezielle Buslinien verkehren von den Metrostationen Portuguesa-Tietê und Palmeiras-Barra Funda direkt zum Veranstaltungsort.
Für Besucherinnen und Besucher mit Auto oder Motorrad stehen fünf ausgewiesene Parkbereiche zur Verfügung. Taxigäste werden gebeten, möglichst in der Nähe der Ponte da Casa Verde und der Avenida Braz Leme auszusteigen, da von dort der Zugang zu den Eingängen am kürzesten ist. Nach Veranstaltungsende sind vier gesonderte Zonen für die Abfahrt per Taxi eingerichtet.
Erlaubt sind Rucksäcke, Regenponchos und Fahnen ohne Stangen. Zudem dürfen pro Person bis zu drei nicht verderblichen Lebensmitteln in flexiblen Verpackungen mitgeführt werden. Strikte Vorschriften gelten für potenziell gefährliche Gegenstände. Harte Flaschen, Thermobecher, Dosen, Regenschirme sowie Waffen, Feuerwerkskörper, Sprays und Laserpointer sind untersagt. Auch der Verkauf durch nicht autorisierte Händler ist rund um das Gelände eingeschränkt.
