Mit einem Auftritt voller Intensität und Erinnerungskraft brachte die Sambaschule Unidos do Viradouro auf der Marquês de Sapucaí die Geschichte von Mestre Ciça auf die Avenida. Er gilt als prägende Figur der Schule und als treibende Kraft hinter ihrem musikalischen Profil.

Das zentrale Symbol der Parade zeigte einen gekrönten Löwen im Angriff. Umgeben von urbanen und karnevalistischen Elementen verdichtete das Motiv die Kernaussage des Enredos: vorwärtsgehen, Widerstände überwinden, Haltung bewahren. Der Löwe stand für Mut, Führungsstärke und Entschlossenheit. Eigenschaften, die mit dem Wirken von Mestre Ciça eng verbunden sind.
Unter dem Titel „Pra Cima, Ciça!“ stellte die Viradouro die rhythmische Energie in den Mittelpunkt, die ihre Bateria seit Jahren prägt. Gewürdigt wurde die präzise, zugleich kraftvolle Leitung des Mestre, der den Takt vorgibt und Generationen von Musikerinnen und Musikern formt.
Seine persönliche Geschichte wurde dabei nicht isoliert erzählt, sondern als Teil einer kollektiven Entwicklung verstanden. Farben und grafische Muster griffen die vibrierende Atmosphäre der Sapucaí auf. Sie spiegelten das pulsierende Herz des Karnevals, in dem Disziplin und Leidenschaft untrennbar miteinander verbunden sind.
So entstand mehr als eine biografische Hommage. Die Viradouro formulierte ein klares Bekenntnis zu Zusammenhalt, Beharrlichkeit und Identität. Der Auftritt zeigte, wie eng individuelle Führung und kollektive Stärke im Samba miteinander verwoben sind.

Samba-Enredo 2026 (Themen-Samba)
Pra Cima, Ciça!
Auf geht’s, Ciça!
Karnevalist: Tarcísio Zanon
Die Geschichte zur Parade
Diese Geschichte beginnt mit dem Ruf einer Trommel. Wenn das Repique (Repique ist ein hohes, zweifelliges Trommelinstrument aus der Bateria der Sambaschulen) anzieht und die Bateria antwortet, weiss die ganze Stadt: Jetzt passiert etwas. So spricht der Samba. Und so lernte auch Moacyr da Silva Pinto, die Welt zu hören. Später sollte ihn ganz Brasilien nur noch Ciça nennen.
Ciça wuchs dort auf, wo sich der Samba neu erfand. Im Estácio, der Wiege eines neuen Sambastils, bekam der Rhythmus eine andere Kadenz. Kräftiger, markanter, gemacht für den Körper, der sich gemeinsam mit der Musik bewegt. Die Gemeinschaft verwandelte die Strasse in ein Fest und den Trommelschlag in Identität.
Zwischen fantasievollen Kostümen, Cuícas und Surdos lernte ein Junge spielerisch, dass Samba nicht nur gesungen, sondern auch mit Fell und Schlägeln geschrieben wird.
Am Anfang stand der Tanz. Ciça war Passista, Mestre-Sala, Teilnehmer unzähliger Blocos. Er lernte den Samba mit dem Körper, lange bevor er ihn mit den Händen beherrschte. Erst später begann er, den Rhythmus in der Bateria zu gestalten. Er verstand, dass jedes Instrument eine eigene Stimme hat und dass alle gemeinsam vorwärtsgehen müssen.
Aus dem Jungen wurde ein Meister. Bei der Estácio de Sá übernahm Ciça die Leitung der Bateria und veränderte das Spiel. Er führte Pausen ein, Brüche, unerwartete Spannungsmomente. Die Avenida hielt den Atem an und explodierte dann im Applaus. Mit ihm wurde die Bateria zum Spektakel, zum Dialog, fast zu einem Zauber. Titel, Preise und Anerkennung folgten.
Doch Ciça blieb nie an einen Ort gebunden. Er trug seine kühne Art des Trommelns zu anderen Schulen, in andere Städte, in andere Karnevale. Überall hinterliess er Spuren. Innovation, ohne die Wurzeln zu verlieren. Erfindung, mit Respekt vor dem Boden, aus dem alles entstanden war. Immer nach vorn.
Mit der Viradouro fand er schliesslich ein Zuhause. In Niterói verwandelte er die Bateria in einen Sturm. Er brachte das Sakrale auf die Avenida, rief die Trommeln der Vorfahren, verband religiöse Rituale, Glauben und Karneval. Die Ränge spürten es, die Sapucaí antwortete. Weitere Erfolge folgten.
Für Ciça war die Bateria jedoch nie nur eine Frage von Punkten und Titeln. Es ging ihm darum, Menschen auszubilden, Gemeinschaft zu schaffen, Bindungen entstehen zu lassen. In den Proben, im Schweiss und im täglichen Miteinander wird die Bateria zur echten Schule. Jede und jeder lernt, dass Samba kollektiv ist und niemand allein spielt.
Die Viradouro erzählt diese Geschichte im Jahr ihres 80-jährigen Bestehens und ehrt einen Meister in voller Schaffenskraft. Einen Mann, der die Trommel zur Sprache machte, Mut zur Tradition und den Karneval zu seinem Lebensweg.
