Der Tourismus in den brasilianischen Bundesnaturschutzgebieten hat 2025 Umsätze von 40,7 Milliarden Reais erwirtschaftet, rund 20,3 Milliarden Reais zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen und mehr als 332 500 Arbeitsplätze gesichert. Das geht aus einer Studie des staatlichen Instituts für Biodiversitätsschutz hervor.

Die Erhebung zeigt ausserdem: Die 175 für Besucher geöffneten Bundesnaturschutzgebiete verzeichneten im vergangenen Jahr zusammen 28,5 Millionen Besuche – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000.
Den grössten Anteil daran hatten die Nationalparks mit 13,6 Millionen Besuchen, gegenüber 12,5 Millionen im Vorjahr. Das Institut führt den Anstieg auf verbesserte Besuchserfassung, Investitionen in Infrastruktur und Dienstleistungen, die Aufnahme neuer Gebiete sowie eine gestiegene Wertschätzung für Naturräume in der Nachpandemiezeit zurück.
Besonders bemerkenswert ist das Verhältnis von Aufwand und Ertrag: Für jeden investierten Real generiert das Institut 16 Reais an Wertschöpfung für das BIP und 2,30 Reais an Steuereinnahmen. Die touristischen Aktivitäten in den Schutzgebieten brachten dem Staat fast 3 Milliarden Reais an Steuergeldern ein – mehr als das Doppelte des Gesamtbudgets der zuständigen Behörde.
Der Umweltminister betonte, die Zahlen belegten das wirtschaftliche Potenzial der Schutzgebiete. Seit 2023 habe die Bundesregierung 20 Naturschutzgebiete neu geschaffen oder erweitert, mit einer Gesamtfläche von mehr als 1,7 Millionen Hektar.
„Schutzgebiete sind nicht nur für die Regulierung des Wasserkreislaufs und des Klimas, den Schutz der Biodiversität und die Eindämmung der Entwaldung unerlässlich – sie leisten auch einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung. Die Pflege dieser Gebiete ist daher unverzichtbar.”
Der Präsident des Instituts ergänzte, die Ergebnisse unterstrichen die strategische Bedeutung des Naturtourismus für die Regionalentwicklung:
„Die Zahlen zeigen, dass Schutzgebiete wie Nationalparks strategisch wichtig für Brasiliens Entwicklung sind. Wir haben Besucherrekorde und belastbare Daten zu Beschäftigung, Einkommen und Steuereinnahmen – das bestätigt einmal mehr: Investitionen in den Naturschutz und in den Zugang der Menschen zur Natur schaffen wirtschaftlichen Nutzen, fördern die Gesundheit und verbessern die Lebensqualität.”
Die meistbesuchten Schutzgebiete
Platz 1 belegt der Tijuca-Nationalpark in Rio de Janeiro mit über 4,9 Millionen Besuchern im Jahr 2025. Der Park beherbergt die Christusstatue und bietet Attraktionen wie den Gávea-Felsen, den Bonita-Felsen, die Chinesische Aussicht und den Tijuca-Gipfel sowie Fernwanderwege wie die Transcarioca.
Platz 2 geht an den Iguaçu-Nationalpark im Bundesstaat Paraná mit 2,2 Millionen Besuchen. Bekannt durch die Iguaçu-Wasserfälle, hat der Park sein Angebot um Radtourismus, Astrotourismus, Bootsfahrten und nächtliche Vollmondbesuche erweitert.
Platz 3 belegt der Jericoacoara-Nationalpark im Bundesstaat Ceará mit 1,3 Millionen Besuchern. Das Gebiet punktet mit dem durchlöcherten Felsen Pedra Furada, dem markanten Faulbaum sowie Mangrovenwäldern – und gilt als nationale Referenz für Kitesurfen.
Bei den übrigen Schutzgebietskategorien führt das Meeresschutzgebiet für Südliche Glattwale in Santa Catarina mit 9,05 Millionen Besuchen. Erstmals wurden auch Daten zum Naturmonument des Rio São Francisco erfasst, das sich über die Bundesstaaten Bahia und Sergipe erstreckt und 1,17 Millionen Besucher anzog.
Methodik und Ausblick
Die Studie stützt sich auf das international anerkannte Modell zur Messung wirtschaftlicher Auswirkungen des Tourismus in Schutzgebieten, das von der Unesco und der Weltbank anerkannt ist.
Neben dem klassischen Tourismus empfangen die Schutzgebiete auch Besucherinnen und Besucher, die Umweltbildung, wissenschaftliche Forschung, Vogelbeobachtung, Klettern, Wandern oder den Austausch mit indigenen und traditionellen Gemeinschaften suchen.
Das Institut weist jedoch auch auf wachsende Herausforderungen hin: Das steigende Besucheraufkommen erfordert eine sorgfältige Balance zwischen öffentlicher Nutzung und Naturschutz, den Ausbau der Infrastruktur, die Stärkung der Umweltbildung sowie eine verbesserte Überwachung der Auswirkungen auf die Ökosysteme.
