Winterolympiade 2022: Brasilien feiert seine Wintersportler auch ohne Medaille

Nein, eine Medaille hat Brasilien bei der Winterolympiade 2022 nicht erzielt. Trotzdem feiert das tropische Land aber Erfolge bei den Schnee- und Eissportarten und es feiert seine Wintersportler. Die haben in den Augen vieler Brasilianer allein deshalb schon Erstaunliches geleistet, weil sie Schneestürmen und Minusgraden standgehalten haben. Darüber hinaus haben sie Premieren für Brasilien verbucht.

Manex Silva Skilangläufer – Foto: Screenshot CBDN

Eine dieser Premieren gab es beim Vierer-Bob. Fünfmal sind die Brasilianer bei olympischen Winterspielen im Vierer-Bob bereits angetreten. Bisher gehörten sie dabei allerdings zu den Frühausscheidern. In Peking haben sie sich jetzt aber zum ersten Mal ins Finale gefahren. Schon das wurde in dem südamerikanischen Land wie einer der begehrten Podiumsplätze gefeiert.

Dass das Viererteam dann beim Finale seinen Platz nicht verbessern konnte und letztlich auf dem 20sten Platz landete, hat die Freude über das Erreichte nicht im geringsten getrübt. Was zählt, war der Eintritt ins Finale und mit dem erreichten 20sten Platz zählen die Brasilianer nun erstmals zu den 20 Top-Bobteams der Welt. Das wurde in Brasilien gebührend gefeiert. Es gab Glückwünsche und Interviews mit strahlenden „Siegern“ und eine gebührende Aufmerksamkeit für diese in dem tropischen Land doch äußerst ungewöhnliche Sportart.

Für Aufsehen sorgte auch die 27-jährige Nicole Silveira. Die in Kanada lebende Brasilianerin erzielte ebenso eine Premiere für Brasilien. Sie trat in Peking beim Skeleton an. Bis dahin war die Sportart, bei der der Rennschlitten bäuchlings gefahren wird, den meisten Brasilianern völlig unbekannt.

Mit Nicole Silveira hat sich das geändert. Bisher war Brasilien noch nie beim Frauen-Skeleton vertreten. Schon das war ein Novum. Nicole Silveira schaffte darüber hinaus aber auch noch auf Anhieb den 13. Platz und damit das zweitbeste Ergebnis Brasiliens bei olympischen Spielen überhaupt.

Nur Isabel Clark hat es als einzige Brasilianerin bisher unter die Top-Ten bei den olympischen Wintersportlern geschafft. Im italienischen Turin errang Isabel Clark 2006 beim Snowboarden den neunten Platz. Aber wer weiß, vielleicht gelingt Nicole Silveira das in vier Jahren ebenso. Für die Brasilianer ist sie indes schon jetzt eine Heldin des Wintersports.

Dann war da noch der 20-jährige Manex Silva. Der ging gleich in vier Disziplinen an den Start. Auch das ist eine Neuheit für die Brasilianer beim olympischen Wintersport. Er gab beim Langlauf im Skiathlon, beim Sprint, 15-Kilometer und beim Cross-Country sein Bestes. Letztlich belegte er beim Cross-Country zwar nur den 58sten Platz. Aber er ist der bisher einzige Brasilianer, der bei olympischen Spielen in vier Kategorien vertreten war. Zur Belohnung dieses brasilianischen Rekordes durfte er bei der Abschlusszeremonie in Peking die Flagge des Landes tragen.

Michel Macedo hatte weniger Glück. Zum Einen wurde der 23-Jährige auf Covid-19 positiv getestet. Während er sich in Isolierung befand, verpasste er deshalb auch seine Beteiligung beim Slalom. Beim Riesenslalom war er dann zwar wieder dabei, aber bei dem ist er frühzeitig ausgeschieden, nachdem er im ersten Durchgang immerhin den 37. Platz von 88 belegt hatte.

Auch Jaqueline Morão ist beim Cross-Country vorzeitig ausgeschieden. Allein mit ihrer Teilnahme hat die 46-Jährige aber schon Geschichte geschrieben. Achtmal war sie bei olympischen Spielen dabei. Das hat bisher keine andere/kein anderer Brasilianer/in geschafft.

Den Kopf ließ die vielseitige Sportlerin angesichts ihres Ausscheidens nicht hängen. Sie lächelte stolz in die Kameras und kann sich sicher sein, die Brasilianer auf ihrer Seite zu haben. Was zählt, ist das Dabeisein. Schließlich schafft es nicht jeder Sportler bis zu einer Teilnahme an einer Olympiade.

Der neue Lieblingssport der Brasilianer unter den Winterdisziplinen hat indes nichts mit Skiern, Schlitten oder Bob gemein. Für Begeisterung sorgte vielmehr das Curling, das Eisstockschießen. Das hat den Spitznamen “Esporte da vassourinha“ erhalten, Sport des Besens. Mehrmals wurden im brasilianischen Fernsehen Ausschnitte der Curling-Wettbewerbe übertragen, obwohl Brasilien bei diesem Sport gar nicht vertreten war.

Zumindest hat das südamerikanische Land aber schon eine eigene Curling-Mannschaft. Die träumt zwar noch von einer Teilnahme an olympischen Winterspielen, ist immerhin aber schon bei Weltmeisterschaften vertreten.

Mit “Fühle die Kälte“ sind in Brasilien einige der Fernsehübertragungen eingeleitet worden. Zumindest in Gedanken konnten sich die Südamerikaner mit den Übertragungen im tropischen Sommer des Landes ein wenig Kühle verschaffen.

Die Gemüter der Wintersportler sind indes erhitzt. Anders Petterson, Präsident der brasilianischen Bundesvereinigung des Wintersports (CBDN) zeigte sich begeistert von den Ergebnissen in Peking. Er spricht von einer vielversprechenden Zukunft Brasiliens im Wintersport und verweist vor allem auf die jungen Nachwuchssportler und die Aufmerksamkeit, die der Wintersport in Brasilien erhalten hat.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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