Trotz Enttäuschung an der WM 2026: Brasiliens Zukunft macht Hoffnung

Vor dem Beginn eines neuen WM-Zyklus gehört es in Brasilien fast schon zur Tradition, nach einem frühen Ausscheiden die Nationalmannschaft, den Trainer und die Spieler gnadenlos zu hinterfragen. Besonders schmerzhaft fällt die Kritik aus, wenn die Seleção bereits im Achtelfinale gegen eine europäische Mannschaft scheitert und während des gesamten Turniers kaum eine Leistung zeigt, die den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Brasiliens Hoffnung für die Zukunft – Grafik mithilfe einer KI erstellt

Auch das Aus gegen Norwegen hat im grössten Fussballland der Welt tiefe Enttäuschung ausgelöst. In den sozialen Medien, in den Fernsehsendungen und an den Stammtischen werden bereits wieder Schuldige gesucht. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass der Blick nach vorne durchaus Anlass zur Hoffnung gibt.

Carlo Ancelotti hat in den vergangenen Monaten nicht nur versucht, kurzfristig Erfolg zu erzielen, sondern gleichzeitig den Grundstein für die Zukunft gelegt. Der italienische Erfolgscoach nutzte die Qualifikationsspiele und Testpartien konsequent dazu, neue Gesichter kennenzulernen und verschiedene taktische Varianten auszuprobieren. Insgesamt setzte er bereits 54 verschiedene Spieler ein.

Das sind doppelt so viele Akteure, wie letztlich zum WM-Kader gehörten. Berücksichtigt man zudem Wesley, der unmittelbar vor dem Turnier verletzungsbedingt ausfiel und durch Ederson ersetzt wurde, wird deutlich, wie breit Ancelotti den Kader bereits aufgebaut hat.
Diese grosse Auswahl eröffnet Brasilien für den neuen Vierjahreszyklus zahlreiche Möglichkeiten.

Viele der Spieler, die den Sprung in den endgültigen WM-Kader knapp verpasst haben, befinden sich im besten Fussballalter und könnten bereits im September bei den geplanten Länderspielen gegen Australien sowie voraussichtlich einen weiteren asiatischen Gegner ihre nächste Chance erhalten.

Auch auf der Torhüterposition besitzt Brasilien weiterhin grosse Qualität. Bento und Hugo Souza standen unter Ancelotti bereits zwischen den Pfosten und kämpften bis kurz vor der Weltmeisterschaft um einen Platz im endgültigen Aufgebot. Beide gelten weiterhin als ernsthafte Kandidaten für kommende Einsätze.

In der Innenverteidigung dürfte die Erfahrung von Gabriel Magalhães und möglicherweise auch Marquinhos weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig stehen mit Bremer, Ibañez und Léo Pereira bewährte Alternativen bereit. Besonders spannend entwickelt sich jedoch Lucas Beraldo. Der erst 22-Jährige überzeugte bereits mit seiner Ruhe am Ball und seinem modernen Spielaufbau. Er könnte in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil der brasilianischen Defensive werden.

Auch Alexsandro Ribeiro bleibt ein interessanter Kandidat. Ancelotti schenkte ihm bereits in den ersten Qualifikationsspielen das Vertrauen. Inzwischen arbeitet der Verteidiger beim französischen Verein Lille unter Davide Ancelotti, dem Sohn des Nationaltrainers, der lange Zeit als dessen Co-Trainer tätig war. Diese enge Zusammenarbeit könnte seine Entwicklung zusätzlich fördern.

Seit Jahren bereiten die Aussenverteidigerpositionen der Seleção Sorgen. Doch auch hier wachsen neue Hoffnungen heran. Vanderson vom AS Monaco konnte unter Ancelotti bereits internationale Erfahrung sammeln und überzeugt durch seine Dynamik sowie seine offensive Spielweise. Ebenfalls als Zukunftsoption gilt Kaiki Bruno, der nach seiner Zeit bei Cruzeiro derzeit in Italien weitere wertvolle Erfahrungen sammelt und ebenfalls bereits für Brasilien auflief.

Im Mittelfeld setzt Brasilien weiterhin auf eine Mischung aus Talent und körperlicher Präsenz. André, Andrey Santos und Gabriel Sara gehören zu jener Generation, die bereits Erfahrungen im Nationaltrikot sammeln durfte und noch über grosses Entwicklungspotenzial verfügt. Hinzu kommt Joelinton, der mit 29 Jahren Erfahrung, Zweikampfstärke und taktische Flexibilität einbringt und unter Ancelotti durchaus wieder eine wichtige Rolle übernehmen könnte.

Am grössten erscheint die Kontinuität im Angriff. Dort verfügt Brasilien über eine aussergewöhnlich talentierte Generation. Endrick, Rayan und Vinícius Júnior bilden das Herzstück der Offensive. Hinzu kommen Estêvão und Rodrygo, die ebenfalls über das Potenzial verfügen, Spiele auf höchstem Niveau zu entscheiden. João Pedro, der bereits vor der Weltmeisterschaft als aussichtsreicher Kandidat galt, dürfte weiterhin zu den bevorzugten Angreifern gehören.

Doch damit endet die Auswahl keineswegs. Auch Igor Jesus, Vitor Roque und Kaio Jorge erhielten von Carlo Ancelotti zwischen dem Ende der WM-Qualifikation und den Vorbereitungsspielen vor der Weltmeisterschaft ihre Chancen und hinterliessen einen positiven Eindruck. Das enttäuschende Ausscheiden in den Achtelfinals wird den brasilianischen Fussball noch lange beschäftigen.

Dennoch spricht vieles dafür, dass die Seleção nicht vor einem Scherbenhaufen steht, sondern vor einem behutsam aufgebauten Neuaufbruch. Carlo Ancelotti hat den Umbruch bereits eingeleitet, zahlreiche junge Talente integriert und den Konkurrenzkampf auf nahezu allen Positionen angefacht.

Wenn diese Mannschaft in den kommenden Jahren weiter zusammenwächst und ihre taktische Entwicklung konsequent fortsetzt, besitzt Brasilien alle Voraussetzungen, um bei der nächsten Weltmeisterschaft wieder zu den ernsthaften Anwärtern auf den sechsten WM-Titel zu gehören.

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