Carlo Ancelotti ist zurück bei der Seleção. Früher als ursprünglich erwartet nahm der italienische Trainer am Dienstag, 28. Juli, seine Arbeit vor Ort wieder auf. Am Sitz des brasilianischen Fussballverbandes CBF in Rio de Janeiro begann damit offiziell die Planung für einen neuen Abschnitt, dessen grosses Ziel bereits am Horizont sichtbar ist: die Weltmeisterschaft 2030.

Eigentlich hatte der Verband mit einer Rückkehr Ancelottis erst für Mitte August gerechnet. Doch nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der WM 2026 will die sportliche Führung keine Zeit verlieren. Die Analyse des vergangenen Turniers ist noch nicht abgeschlossen, gleichzeitig müssen bereits die Grundlagen für eine neue Mannschaft gelegt werden.
Dabei geht es nicht allein um Spieler und taktische Vorstellungen, sondern ebenso um künftige Aufgebote, Testspiele, Reiseplanung, Leistungsdiagnostik und eine engere Verbindung zwischen der A-Nationalmannschaft und den brasilianischen Nachwuchsteams. Die ersten Prüfungen lassen nicht lange auf sich warten. Während des FIFA-Zeitfensters im September bestreitet Brasilien drei internationale Freundschaftsspiele.
Im November folgt eine weitere Reihe von Testpartien. Diese Begegnungen sollen Ancelotti die Gelegenheit geben, unterschiedliche Formationen auszuprobieren, neue Spieler an das Niveau der Seleção heranzuführen und erste Antworten auf die offenen Fragen nach der WM zu finden. Die südamerikanische Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2030 soll nach der derzeitigen Planung in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 beginnen.
Ancelotti machte während der Sitzung deutlich, dass ein Neuaufbau bevorsteht, allerdings kein radikaler Bruch mit der Vergangenheit. Junge Talente sollen beobachtet, berufen und unter Wettkampfbedingungen geprüft werden. Zugleich will der Trainer weiterhin auf erfahrene Spieler setzen, die bereits an der vergangenen Weltmeisterschaft teilgenommen haben und der Mannschaft sportlich wie menschlich noch helfen können.
«Wir beginnen mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft. Dabei werden wir junge Spieler beobachten und testen, ohne auf einige Akteure zu verzichten, die bei der Weltmeisterschaft dabei waren und der Seleção weiterhin viel geben können», erklärte Ancelotti. Diese Mischung aus Erneuerung und Erfahrung dürfte zu einer der wichtigsten Aufgaben des kommenden Zyklus werden. Brasilien verfügt traditionell über eine aussergewöhnliche Auswahl an technisch starken Fussballern.
Doch Talent allein genügt auf höchstem Niveau nicht. Aus vielen guten Einzelspielern muss eine belastbare Mannschaft entstehen, die taktisch gefestigt ist, in schwierigen Phasen zusammenhält und unter dem gewaltigen Erwartungsdruck rund um die Seleção bestehen kann. An der Besprechung nahmen neben Ancelotti die zentralen Verantwortlichen des Männerfussballs teil. Dazu gehörten Rodrigo Caetano als Gesamtkoordinator, Cícero Souza als Generalmanager, der technische Koordinator Juan Santos und Athletikkoordinator Cristiano Nunes.
Ebenfalls vertreten waren die Leistungsanalysten Bruno Baquete und Thomaz Araújo, der Physiologe Guilherme Passos sowie General Supervisor Sérgio Dimas. Die Zusammensetzung der Runde zeigte, wie umfassend der Neustart angegangen werden soll. Sportliche Entscheidungen, körperliche Entwicklung, Belastungssteuerung, Gegneranalyse und organisatorische Fragen müssen künftig noch enger miteinander verbunden werden.
Gemeinsam arbeitete die Gruppe die brasilianische Kampagne bei der Weltmeisterschaft 2026 auf. Gleichzeitig richtete sie den Blick nach vorn und besprach die kommenden Kaderentscheidungen, geplante Reisen und technische Schwerpunkte für die nächsten Jahre. Für Rodrigo Caetano beginnt mit dieser Sitzung eine neue Phase innerhalb der Nationalmannschaftsabteilung.
«Dies ist der Beginn einer neuen Etappe unserer Arbeit. Wir werden in dieser Zeit sehr intensiv arbeiten, damit wir unser Land in allen bevorstehenden Wettbewerben würdig vertreten können, angefangen bei der WM-Qualifikation und der Copa América», sagte der Koordinator. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der stärkeren Verzahnung der A-Nationalmannschaft mit den Nachwuchsauswahlen.
Brasilien möchte junge Spieler früher und konsequenter begleiten, damit der Übergang in die Seleção nicht erst mit einer überraschenden Berufung beginnt. Die besten Talente sollen über Jahre beobachtet, sportlich entwickelt und schrittweise an die Anforderungen des internationalen Spitzenfussballs herangeführt werden.
Diese Arbeit richtet sich auch auf die U17-Weltmeisterschaft, die im November in Katar stattfindet. Parallel dazu laufen unter der Leitung von U20-Trainer Paulo Victor die Vorbereitungen für den nächsten olympischen Zyklus. Für die CBF geht es dabei um mehr als einzelne Nachwuchsturniere. Die verschiedenen Altersstufen sollen Teil einer gemeinsamen sportlichen Linie werden, aus der langfristige Spieler für die A-Nationalmannschaft hervorgehen.
In den kommenden Monaten nimmt der Trainerstab zudem die systematische Beobachtung brasilianischer Fussballer im In- und Ausland wieder auf. Ancelotti und seine Assistenten werden Begegnungen der brasilianischen Meisterschaft, der Copa do Brasil und internationaler Wettbewerbe verfolgen. Dabei stehen sowohl etablierte Nationalspieler als auch Talente im Blickpunkt, die sich mit konstanten Leistungen für eine Chance empfehlen können.
Der Weg zur Weltmeisterschaft 2030 beginnt damit nicht erst in der Qualifikation und auch nicht mit einem entscheidenden Spiel vor Zehntausenden Zuschauern. Er beginnt in Sitzungsräumen, auf Trainingsplätzen und auf den Tribünen der Stadien, wo jedes Detail ausgewertet wird. Nach der Enttäuschung von 2026 braucht die Seleção neue Energie, klare Ideen und vor allem Geduld.
Ancelotti soll aus Erfahrung, Jugend und Brasiliens unerschöpflicher Fussballleidenschaft wieder eine Mannschaft formen, die nicht nur vom nächsten WM-Titel träumt, sondern Schritt für Schritt bereit wird, ernsthaft um ihn zu kämpfen.
