Alison dos Santos – der Brasilianer, der die 46-Sekunden-Grenze durchbrach

Brasiliens Hürdensprinter Alison dos Santos hat die Grenzen seiner Disziplin neu vermessen. Beim Diamond-League-Meeting Weltklasse Zürich lief der 26-Jährige die 400 Meter Hürden in 45,80 Sekunden und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Im Letzigrund unterbot er die bisherige Bestmarke des Norwegers Karsten Warholm um 14 Hundertstelsekunden.

Alison dos Santos, Weltrekord über 400m Hürden – Foto: @DiamondLeague/FotosPublicas

Warholm hatte den Weltrekord von 45,94 Sekunden im August 2021 im denkwürdigen olympischen Finale von Tokio aufgestellt. Fünf Jahre später verlor der Norweger seine Bestmarke ausgerechnet in einem direkten Duell mit dem Brasilianer, der damals in Tokio die Bronzemedaille gewonnen hatte.

In Zürich liess dos Santos von Beginn an keinen Zweifel an seinen Ambitionen. Warholm erwischte zwar den etwas schnelleren Start, doch bereits nach den ersten Hürden fand der Brasilianer seinen Rhythmus. Spätestens zur Hälfte der Stadionrunde hatte er die versetzte Vorgabe aufgeholt. Anschliessend setzte er sich mit jedem Hindernis weiter ab.

Dos Santos überzeugte dabei nicht nur mit seiner enormen Grundschnelligkeit. Entscheidend waren auch seine gleichmässigen Schritte zwischen den Hürden, die sauberen Übergänge und seine Fähigkeit, das hohe Tempo bis auf die Zielgerade zu halten. Während Warholm auf den letzten Metern nicht mehr entscheidend zulegen konnte, lief der Brasilianer technisch stabil und kraftvoll bis ins Ziel.

Die Uhr blieb bei 45,80 Sekunden stehen. Damit wurde dos Santos zum ersten Menschen, der die 400 Meter Hürden in weniger als 45,90 Sekunden bewältigte. Er und Warholm sind weiterhin die einzigen Athleten, die über diese Distanz jemals eine Zeit im Bereich von 45 Sekunden erreicht haben. Der Weltverband würdigte den Brasilianer nach seinem historischen Lauf als neuen König der 400 Meter Hürden.

Warholm belegte in 46,69 Sekunden den zweiten Platz und blieb damit 89 Hundertstelsekunden hinter dem Sieger. Der Nigerianer Ezekiel Nathaniel wurde in 47,50 Sekunden Dritter. Auch der zweite Brasilianer im Feld zeigte eine starke Leistung: Matheus Lima erreichte in 47,57 Sekunden den vierten Rang.

Der Weltrekord war der Höhepunkt einer Saison, in der sich dos Santos Schritt für Schritt an die historische Marke herangearbeitet hatte. Beim Troféu Brasil in São Paulo war er einen Monat zuvor 46,48 Sekunden gelaufen und hatte damit zeitweise die Jahresweltbestleistung übernommen. Bei der Diamond-League-Station in Schlesien steigerte er sich anschliessend auf 46,43 Sekunden.

Auch seine Konstanz ist bemerkenswert. In der Diamond League gewann dos Santos 2026 die Rennen über 400 Meter Hürden in Xiamen, Oslo, Schlesien und Zürich. Beim Meeting in Oslo bezwang er Warholm bereits auf norwegischem Boden. Mit seinen Erfolgen brachte sich der Brasilianer zugleich in eine ausgezeichnete Position für das Diamond-League-Finale Anfang September.

Der Rekord besitzt für Brasiliens Leichtathletik eine besondere historische Bedeutung. Seit dem Dreispringer João Carlos de Oliveira, bekannt als João do Pulo, im Jahr 1975 hatte kein brasilianischer Athlet mehr einen Weltrekord in einer klassischen Bahndisziplin aufgestellt. Dos Santos hat diese lange Wartezeit beendet und Brasilien wieder an die Spitze der internationalen Leichtathletik geführt.

Seine 45,80 Sekunden sind zugleich das Ergebnis eines aussergewöhnlichen sportlichen Konkurrenzkampfs. Warholm, dos Santos und der US-Amerikaner Rai Benjamin haben die 400 Meter Hürden in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Zeiten, die lange beinahe unerreichbar schienen, gehören inzwischen zum Massstab einer Generation, die Schnelligkeit, Ausdauer und Hürdentechnik auf ein neues Niveau gehoben hat.

In Zürich gehörte die grosse Bühne jedoch allein Alison dos Santos. Der Brasilianer gewann nicht nur ein weiteres Rennen. Er schrieb sich endgültig in die Geschichte seines Sports ein.

Biografie von Alison dos Santos

Alison dos Santos, Weltrekord über 400m Hürden – Foto: @DiamondLeague/FotosPublicas

Alison Brendom Alves dos Santos wurde am 3. Juni 2000 in São Joaquim da Barra im brasilianischen Bundesstaat São Paulo geboren. In der Leichtathletikwelt ist er vor allem unter seinem Spitznamen «Piu» bekannt. Mit einer Körpergrösse von rund zwei Metern und seiner ungewöhnlichen Verbindung aus langen Schritten, Schnelligkeit und Beweglichkeit besitzt er ideale Voraussetzungen für die 400 Meter Hürden.

Seine Kindheit war von einem schweren Unfall geprägt. Im Alter von zehn Monaten erlitt dos Santos durch heisses Öl schwere Verbrennungen an Kopf, Gesicht, Brust und Arm. Die sichtbaren Narben begleiteten ihn durch seine Jugend und machten ihn nach eigenen Schilderungen zunächst zurückhaltend. Der Sport half ihm dabei, Selbstvertrauen zu entwickeln und seinen Platz in einer Gemeinschaft zu finden.

Zum Leistungssport gelangte er über ein soziales Leichtathletikprojekt. Anfangs probierte er verschiedene Disziplinen aus, ehe sein aussergewöhnliches Potenzial über die Langhürden erkannt wurde. Unter der Anleitung seines Trainers Felipe de Siqueira entwickelte er seine Technik und seine Renneinteilung kontinuierlich weiter. Diese Zusammenarbeit wurde zu einer der wichtigsten Konstanten seiner Karriere.

International machte dos Santos 2018 auf sich aufmerksam, als er bei den U20-Weltmeisterschaften in Tampere die Bronzemedaille gewann. Ein Jahr später folgte der endgültige Durchbruch. Er siegte bei der Universiade in Neapel und gewann bei den Panamerikanischen Spielen in Lima Gold über 400 Meter Hürden. Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Doha erreichte er im Alter von nur 19 Jahren den Final und belegte den siebten Platz.

Bei den wegen der Pandemie erst 2021 ausgetragenen Olympischen Spielen von Tokio stieg er in die absolute Weltelite auf. In einem der schnellsten Rennen der Leichtathletikgeschichte gewann dos Santos in 46,72 Sekunden Bronze. Vor ihm liefen Karsten Warholm mit dem damaligen Weltrekord von 45,94 Sekunden und Rai Benjamin mit 46,17 Sekunden ins Ziel.

Seinen ersten grossen Titel bei den Erwachsenen gewann dos Santos 2022. Bei den Weltmeisterschaften im US-amerikanischen Eugene wurde er in 46,29 Sekunden Weltmeister. Die Zeit bedeutete einen Südamerikarekord und einen damaligen Meisterschaftsrekord. Er war der erste südamerikanische Mann, der bei einer Freiluft-Weltmeisterschaft einen Titel in einer Laufdisziplin gewann. Im selben Jahr sicherte er sich ausserdem den Gesamtsieg in der Diamond League.

Anfang 2023 wurde seine Karriere erstmals durch eine schwere Verletzung gebremst. Wegen eines Meniskusschadens am rechten Knie musste er operiert werden. Obwohl er noch im selben Jahr in den Wettkampf zurückkehrte, konnte er bei den Weltmeisterschaften in Budapest seinen Titel nicht verteidigen und wurde Fünfter.

In der Saison 2024 fand dos Santos wieder zu alter Stärke. Bei den Olympischen Spielen in Paris gewann er erneut Bronze über 400 Meter Hürden. Damit holte er bei zwei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen eine Medaille. Zudem gewann er zum zweiten Mal die Gesamtwertung der Diamond League.

Bei den Weltmeisterschaften 2025 in Tokio erreichte er hinter Rai Benjamin den zweiten Platz. Die Silbermedaille bestätigte, dass der Brasilianer trotz der starken Konkurrenz weiterhin zu den prägendsten Athleten seiner Disziplin gehörte. Am 27. August 2026 erreichte seine Laufbahn ihren vorläufigen Höhepunkt. Mit 45,80 Sekunden entriss er Warholm in Zürich den Weltrekord und vollendete damit eine Entwicklung, die bereits Jahre zuvor begonnen hatte.

Aus dem talentierten Jugendlichen eines Sozialprojekts war ein Weltmeister, zweifacher olympischer Bronzemedaillengewinner, WM-Silbermedaillengewinner und Weltrekordhalter geworden. Dos Santos steht dabei für mehr als schnelle Zeiten. Seine offene, oft von sichtbarer Freude geprägte Art hat ihn in Brasilien zu einem wichtigen Botschafter der Leichtathletik gemacht.

In einem Land, dessen Sportöffentlichkeit stark vom Fussball bestimmt wird, gibt er der Leichtathletik ein unverwechselbares Gesicht. Sein Weltrekord ist deshalb nicht nur eine persönliche Bestleistung, sondern ein historischer Erfolg für den brasilianischen Sport.

Dieser Artikel ist mithilfe von KI entstanden

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