Viele neue Gesichter, ein grosses Ziel: Brasiliens Weg zur nächsten WM

Brasilien hat seine erste Begegnung mit Indien mit einem klaren 4:0-Sieg abgeschlossen. Im Salt Lake Stadium in Kalkutta kontrollierte die Seleção das Geschehen, geriet defensiv nie ernsthaft unter Druck und nutzte ihre besten Angriffe konsequent. Estêvão prägte die erste Halbzeit mit einem Tor und einer Vorlage für Pedro. Nach der Pause setzte Samuel Lino mit zwei Treffern die entscheidenden Akzente.

Gabriel Bontemp, Rayan, Douglas Luiz, Marquinhos beim Training in Indien – Foto: Rafael Ribeiro/CBF

Das Ergebnis fiel deutlich aus, die spielerische Bilanz verlangt allerdings einen genaueren Blick. Brasilien war seinem Gegner überlegen, entwickelte aus dem vielen Ballbesitz aber vergleichsweise wenige gefährliche Situationen. Über längere Phasen fehlten Tempo, überraschende Bewegungen und die letzte Entschlossenheit im Angriff. Zudem begünstigten Fehler der beiden eingesetzten indischen Torhüter den brasilianischen Erfolg. So stand am Ende ein souveräner Sieg, ohne dass die Seleção ihr offensives Potenzial durchgehend ausschöpfte.

Für beide Nationalmannschaften war die Partie eine Premiere. Indien wurde zum 92. Land, gegen das Brasiliens A-Nationalteam antrat. Zugleich bestritt Carlo Ancelotti sein 20. Spiel als Trainer der Seleção. Vor dem Anpfiff hatte seine Bilanz seit der Amtsübernahme im Mai des Vorjahres elf Siege, vier Unentschieden und vier Niederlagen bei 41 erzielten und 18 kassierten Toren umfasst. Mit dem Erfolg in Kalkutta kam der zwölfte Sieg hinzu.

Die Begegnung bildete den Abschluss des verlängerten Länderspielfensters. Zuvor hatte Brasilien zweimal gegen Australien gespielt: Auf das 1:1 in Townsville folgte ein 4:2-Erfolg in Brisbane. Zwei Siege und ein Unentschieden standen damit am Ende dieser drei Freundschaftsspiele.

Ancelotti hatte vor der Partie bewusst versucht, den Druck von seinen jungen Spielern zu nehmen. Die Einsätze sollten sie als Gelegenheit verstehen, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Es gehe um das Erproben von Möglichkeiten und darum, Erfahrungen im Nationaltrikot zu sammeln. Eine Prüfung, bei der jede Aktion über ihre Zukunft entscheide, sollten die Spieler darin nicht sehen.

Bei der Aufstellung liess sich der Trainer zunächst kaum in die Karten schauen. Lediglich Pedro Morisco bestätigte er vorab als Torhüter der Startelf. Auf dem Platz benötigte Brasilien einige Zeit, um passende Verbindungen zwischen Mittelfeld und Angriff zu finden. Obwohl Ancelotti drei Mittelfeldspieler aufgeboten hatte, versuchte seine Mannschaft zunächst häufig, Vinícius Júnior und Estêvão mit langem Zuspielen zu erreichen. Daraus entstand zu wenig Gefahr.

Das Angriffsspiel verlagerte sich stark auf die Seite von Vinícius, doch ein flüssiger Rhythmus stellte sich nicht ein. Erst als die Spieler gegen Ende der ersten Halbzeit enger zusammenrückten und sich bessere Anspielmöglichkeiten boten, wurde Brasilien zielstrebiger. Estêvão übernahm dabei die Hauptrolle. Zunächst versuchte er es mit einem Schuss aus der Distanz und brachte die Seleção, begünstigt durch einen Torwartfehler, in Führung. Anschliessend bewies er Übersicht und Gefühl für den richtigen Moment: Mit einem präzisen Pass setzte er Pedro in Szene, der zum 2:0 abschloss.

Diese beiden Aktionen zeigten, was dem brasilianischen Spiel zuvor gefehlt hatte. Sobald die Angreifer Unterstützung erhielten und miteinander kombinierten, wurde der Weg zum Tor klarer. Zur Pause verfügte die Seleção über einen komfortablen Vorsprung, obwohl sie offensiv nur punktuell überzeugt hatte.

Mit mehreren Wechseln brachte Ancelotti zur zweiten Halbzeit neue Energie auf den Rasen. Brasilien bewegte den Ball nun besser durch das Mittelfeld und begann zunächst mit mehr Zug nach vorne. Noch vor Ablauf der ersten Viertelstunde nach Wiederbeginn fiel das dritte Tor. Ausgangspunkt war eine erfolgreiche Drucksituation in der gegnerischen Hälfte: Douglas Luiz eroberte den Ball und spielte Pedro an. Dieser leitete sofort zu Samuel Lino weiter, der in den Strafraum eindrang und mit einem platzierten Schuss abschloss.

Im weiteren Verlauf nutzte Ancelotti die Partie für zusätzliche Wechsel und Einsatzminuten seiner Ersatzspieler. Mit Breno Bidon, Gabriel Martinelli und Bruno Guimarães auf dem Feld liess Brasilien den Ball länger durch die eigenen Reihen laufen und hielt ihn häufiger in der Nähe des indischen Strafraums. Die Kontrolle blieb vollständig bei der Seleção, das Tempo war jedoch meist überschaubar. Eine Vielzahl weiterer Chancen entstand daraus nicht.

Den Schlusspunkt setzte erneut Samuel Lino. Bei der letzten Aktion des Spiels kam er über die linke Seite, verschaffte sich gegen die indische Abwehr Platz und traf mit einem kräftigen Abschluss zum 4:0. Brasilien beendete die Reise damit erfolgreich. Estêvão lieferte vor der Pause die entscheidenden Ideen, Lino sorgte danach für Dynamik und Tore. Für Ancelotti brachte das Jubiläumsspiel weitere Eindrücke von seinen personellen Möglichkeiten. Die Aufgabe bleibt, aus der sicheren Ballkontrolle häufiger ein lebendiges, durchschlagskräftiges Angriffsspiel zu entwickeln.

Kommende Spiele der Seleção

Die brasilianische Nationalmannschaft ist im November wieder im Einsatz. Im nächsten FIFA-Länderspielfenster trifft die Seleção zunächst am 14. November auf Japan. Anpfiff ist um 7.15 Uhr brasilianischer Zeit, also um 11.15 Uhr in der Schweiz.

Am 17. November folgt das Duell gegen Singapur. Diese Partie beginnt um 7 Uhr brasilianischer Zeit beziehungsweise um 11 Uhr Schweizer Zeit. Beide Begegnungen werden im Nationalstadion von Singapur ausgetragen.

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