Der brasilianische Nationalspieler wird die WM verpassen. Eine Diagnose, die seine Welt innert Sekunden auf den Kopf gestellt hat. Der Stürmer von Real Madrid hat sich im Spiel gegen Getafe CF das vordere Kreuzband und den Meniskus gerissen. Mindestens sechs Monate Pause. Sechs Monate Reha, Zweifel, Geduld. Für einen 25-Jährigen im Zenit seiner Karriere fühlt sich das an wie ein brutaler Stillstand.

Am Dienstag machte Rodrygo seine Verletzung öffentlich. Seine Worte klangen erschöpft, verletzt, beinahe fassungslos. Vielleicht sei das Leben zuletzt ein wenig grausam zu ihm gewesen, schrieb er. Man merkt, wie sehr ihn dieser Moment trifft. Gerade jetzt, da er als prägende Figur im Angriff der Seleção aufblühte. Acht Tore in diesem WM-Zyklus, oft entscheidend, oft der Unterschiedsspieler. Und nun das.
Mit der schweren Knieverletzung ist klar: Für das Turnier 2026 wird er nicht rechtzeitig fit. Nationaltrainer Carlo Ancelotti muss seine endgültige WM-Liste ohne seine aktuelle Offensiv-Referenz planen. „Ich bin für den Rest der Saison bei meinem Klub raus. Und ich bin bei der Weltmeisterschaft für mein Land nicht dabei“, schrieb Rodrygo. Nüchtern formuliert, doch zwischen den Zeilen liegt tiefe Enttäuschung.
Die Confederação Brasileira de Futebol reagierte umgehend. In einer offiziellen Mitteilung sicherte der Verband seine volle Unterstützung zu. Man wünsche eine rasche Genesung und stelle die medizinische Abteilung der Nationalmannschaft dem Klub zur Seite. Der Mannschaftsarzt steht in engem Austausch mit den Spezialisten in Spanien, begleitet die Planung der Operation und die anschliessende Rehabilitation.
Für Ancelotti beginnt damit die Suche nach Lösungen. Am 16. steht die nächste Kaderbekanntgabe für die Testspiele gegen Frankreich und Kroatien an. Ohne seinen treffsichersten Angreifer der jüngsten Monate muss der Italiener umbauen. Neue Kombinationen, neue Dynamiken, vielleicht auch neue Hierarchien.
Spieler wie Endrick, Antony, Rayan Vitor und Savinho rücken automatisch stärker in den Fokus. Für sie öffnet sich eine Tür. Für Rodrygo schliesst sich vorerst eine.
Dabei hatte es Warnzeichen gegeben. Erst vor einem Monat war er nach einer hartnäckigen Sehnenentzündung zurückgekehrt. Gegen Getafe kam er ins Spiel, spürte früh Schmerzen im Knie, biss dennoch auf die Zähne. Er blieb bis zum Schlusspfiff auf dem Platz. Kurz darauf folgte die bittere Gewissheit.
Jetzt organisiert Real Madrid den operativen Eingriff und den Reha-Plan. Die CBF begleitet den Prozess eng, auch mental. Denn solche Verletzungen hinterlassen nicht nur Narben im Knie, sondern auch im Kopf. Rodrygo steht vor der vielleicht grössten Herausforderung seiner Laufbahn.
Wer ihn kennt, weiss: Er wird kämpfen. Doch im Moment überwiegt der Schmerz. Und das ist nur menschlich.
