Die brasilianische Nationalmannschaft hat zum Auftakt ihrer heissen Phase der WM-Vorbereitung einen deutlichen Dämpfer kassiert. Am Donnerstagabend unterlag die Seleção im Gillette Stadium bei Boston Frankreich mit 1:2. Das Testspiel markierte den Beginn der unmittelbaren Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2026 in Mexico, Canada und den United States. Entsprechend hoch waren die Erwartungen. Geliefert wurde jedoch wenig.

Das Duell versprach Brisanz, nicht zuletzt, weil es das Aufeinandertreffen der Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti mit einem der aktuell stärksten Nationalteams Europas war. Doch was Brasilien auf den Rasen brachte, wirkte ideenlos und phasenweise erstaunlich passiv.
Von Beginn an setzte die Seleção vor allem auf lange Bälle in die Spitze. Die Offensivkräfte sollten es mit Tempo und individueller Klasse richten. Ein Plan, der kaum aufging. Frankreich agierte strukturierter, liess den Ball sauber durch die eigenen Reihen laufen und fand über präzise Kombinationen immer wieder Lücken.
Die Führung für Les Bleus war folgerichtig. In der 31. Minute schickte Ousmane Dembélé Kylian Mbappé steil. Der Stürmerstar zog mit seiner typischen Dynamik davon und überwand Ederson mit einem gefühlvollen Lupfer. Ein Tor, das die Kräfteverhältnisse klar widerspiegelte. Brasilien wirkte geschockt, verlor weiter an Ordnung und hatte Glück, nicht noch vor der Pause höher in Rückstand zu geraten.
Nach dem Seitenwechsel schien sich das Blatt zunächst zugunsten der Südamerikaner wenden zu können. Frankreich musste ab der 52. Minute in Unterzahl spielen, nachdem Dayot Upamecano mit Rot vom Platz gestellt worden war. Doch selbst mit einem Mann weniger blieb das Team von Didier Deschamps überlegen, kontrollierte Tempo und Räume.
In der 64. Minute erhöhte Randal Kolo Muani Ekitiké nach einer sehenswerten Kombination auf 2:0. Die französische Mannschaft kombinierte sich mit Geduld und Präzision durch die brasilianische Defensive, der Abschluss war ebenso abgeklärt wie verdient.
Ancelotti reagierte mit mehreren Wechseln, suchte nach Impulsen, stellte um. Eine klare Linie war dennoch nicht zu erkennen.
Brasilien fehlte es an Struktur im Mittelfeld, an Tempo im Umschalten und an Durchschlagskraft im letzten Drittel. Der Anschlusstreffer durch Bremer in der 77. Minute resultierte aus einer Standardsituation. Nach einem Freistoss herrschte Chaos im Strafraum, der Innenverteidiger staubte ab. Mehr als Ergebniskosmetik war es nicht.
Unterm Strich bleibt ein ernüchternder Auftritt. Frankreich präsentierte sich reifer, eingespielter und taktisch gefestigter. Brasilien dagegen offenbarte Schwächen im Spielaufbau und in der Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen. Für Ancelotti gibt es vor dem Turnier noch einiges zu justieren.
Weiter geht es für die Seleção am Dienstag, 31. März, im Camping World Stadium gegen Kroatien. Anpfiff ist um 21 Uhr.
Danach steht am 31. Mai ein Heimspiel im legendären Maracanã gegen Panama auf dem Programm. Es soll der offizielle Abschied von den heimischen Fans werden. Den letzten Test vor dem WM-Start bestreitet Brasilien am 6. Juni im Huntington Bank Field gegen Egypt.
Bei der Weltmeisterschaft 2026 ist Brasilien der Gruppe C zugelost. Der Auftakt erfolgt am 13. Juni im MetLife Stadium gegen Morocco. Es folgen Partien gegen Haiti im Lincoln Financial Field sowie gegen Scotland im Hard Rock Stadium.
Nach diesem Auftritt ist klar: Will Brasilien im kommenden Sommer eine tragende Rolle spielen, muss sich die Mannschaft in kurzer Zeit deutlich steigern.
Aufstellung der Seleção gegen Frankreich
Ederson, Wesley (Ibañez), Bremer, Léo Pereira, Douglas Santos, Casemiro (Gabriel Sara), Andrey Santos (Danilo Santos), Raphinha (Luiz Henrique), Matheus Cunha (Igor Thiago), Vini Jr und Gabriel Martinelli (João Pedro).
